Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg e. V.

LER oder Lebenskunde oder christlicher Religionsunterricht in Brandenburg?

Der Humanistische Freidenkerbund Brandenburg e.V. unterstützt seit Anfang an das dialogisch angelegte und integrativ konzipierte Unterrichtsfach „Lebensgestaltung/Ethik/Religionskunde" (LER) in den staatlichen Schulen Brandenburgs. Gerade die Werteerziehung, die Auseinandersetzung mit verschiedenen Kulturen und Ethiken, das Erfahren von Welt- und Lebensanschauungen und Religionen entspricht den Notwendigkeiten der Gegenwart. Hierbei alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihren konfessionellen Bindungen oder ihrer Konfessionslosigkeit zusammenzuführen, ermöglicht es, gemeinsam leben zu lernen. Dies sollte auch das Bundesverfassungsgericht bei den jetzt beginnenden Verhandlungen über die Klagen gegen LER und für einen konfessionellen Religionsunterricht nicht ignorieren.

Bedauerlicherweise erfüllt die reale Entwicklung in Brandenburg nicht alle Möglichkeiten, die LER bietet: Im Rahmenlehrplan sind vorwiegend christliche Inhalte konzipiert - kaum andere Religionen, atheistische, freidenkerische und freie humanistische Weltanschauungen gar nicht. Das Auftreten von authentischen Vertretern von freien Weltanschauungsgemeinschaften in LER erfolgt de facto nicht. Die LER-Abwahlkausel setzt das Fach mit Religionsunterricht indirekt gleich bzw. sieht LER eigentlich nur als Alternativfach. Die Beschränkung von LER auf die 7. und 8. Klassen in nicht einmal allen Schulen verstärkt den Eindruck, dass die Landesregierung und die Landespolitiker in Brandenburg das ordentliche Unterrichtsfach LER gar nicht wirklich wollen.

Solange die Evangelische Kirche einen eigenverantworteten und vom Staat gut finanzierten Religionsunterricht in den Brandenburger Schulen durchführt, fordern wir, dass alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften dieses Recht erhalten. Es ist nur legitim, wenn z. B. auch der Humanistische Verband in Brandenburg einen freiwilligen Unterricht „Humanistische Lebenskunde" fordert und durchführen will. Die Gleichbehandlung aller Religionen und Weltanschauungen bzw. ihrer Organisationen ist Verfassungsgrundsatz und gilt auch für die Schulen.

Wir fordern eine Bildungsreform in Brandenburg, durch die LER als integrativer Unterricht gesichert und ausgebaut wird und durch die alle Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften die Möglichkeiten auf ein eigenes Unterrichtsangebot erhalten. Beeinträchtigungen und Benachteiligungen in der Werteerziehung und -bildung sind konsequent abzubauen.

Potsdam, 15.6.2001