Öffentliche Erklärung des DFW:

60. Jahrestag der Befreiung

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e. V. (DFW) würdigt den 60. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges, den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus als einen Tag des Gedenkens, der Mahnung und der Erinnerung. Schon vor 10 Jahren hat der DFW hierzu eine Öffentliche Erklärung verbreitet, die seine ethischen, humanistischen und menschenrechtspolitischen Grundpositionen zum Ausdruck bringt. Ihnen ist auch heute zum 60. Jahrestag desselben historischen und zugleich die Gegenwart verpflichtenden Tages des 8. Mais 1945 nichts hinzuzufügen. Wir geben daher diese Erklärung in ihrer Aktualität wider:

Gedenken - Befreiung - Mahnung - wache Erinnerung.
Zum Ende des 2. Weltkrieges am 8. Mai 1945.

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e. V., seine neun Mitgliedsverbände in Deutschland, verstehen den 8. Mai als einen der wichtigsten Gedenktage. Am 8. Mai 1945 endete der grausamste, für alle Welt schmerzlichste Krieg. Durch den Sieg der Anti-Hitler-Koalition endete auch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, welche Demokratie, Freiheit, Menschenwürde und Menschenrechte beseitigte und die gerade auch das deutsche Volk in seine dunkelste geschichtliche Phase geführt hatte.

Der 8. Mai ist ein Tag des Gedenkens aller humanistisch eingestellten Menschen an die unzähligen Opfer der todbringenden Kriegsmaschinerie. Trauer empfinden wir für die Verluste und Opfer der Völker der Sowjetunion, Polens, der Tschechoslowakei, der Völker des Balkans, Österreichs, Frankreichs, Belgiens, der Niederlande, Norwegens, Großbritanniens und anderer, der Völker in Amerika, Asien und Afrika. Wir trauern um die unsäglichen, von Deutschen verantworteten Leiden der Juden.
In fast allen deutschen Familien schmerzt der Verlust eigener Angehöriger und Freunde durch den sinnlosen Krieg und die Verführung durch die Nationalsozialisten.

Der 8. Mai ist ein Tag der Befreiung der Menschen, gerade auch der deutschen, von der Hitler-Diktatur, von einer gleichschaltenden Gewaltherrschaft, die alle andersdenkenden Menschen unabhängig von ihren politischen, weltanschaulichen oder religiösen Anschauungen allein aufgrund ihres Andersseins vertrieben, gequält oder vernichtet hat. Das Dritte Reich internierte das Freie Denken und beseitigte von Staats wegen jegliche humanistische Lebensart.
Die Befreiung am 8. Mai 1945 war auch ein Sieg des deutschen Widerstandes, an dessen Blutopfer wir uns tiefbewegt erinnern. Dabei würdigen wir alle antifaschistischen Widerständler, die kommunistischen, sozialdemokratischen, liberalen oder bürgerlichen, die Männer und Frauen des 20. Juli 1944, die Juden, Christen, Atheisten und Freidenker, die Arbeiter und Intellektuellen - Menschen aus allen Schichten des Volkes.
Wir erinnern aber auch an die Allianz zwischen dem Nazi-Regime und den Führungen der beiden christlichen Kirchen und an den noch heute gültigen Vertrag Hitlerdeutschlands, das Reichskonkordat mit dem Vatikan von 1933.

Der 8. Mai ist ein Tag der Mahnung, uns für Frieden und für ein tolerantes, demokratisches Miteinander der Menschen, für humanistische Grundwerte und soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit und faschistische Tendenzen in Deutschland ist heute viel leichter, als sie während der Nazi-Zeit war. Krieg darf keine Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln sein. Das unsägliche Leid des von Deutschland ausgegangenen 2. Weltkrieges darf sich nie wiederholen. Menschen dürfen aufgrund ihres anderen Denkens oder anderer Lebensweise nie mehr verfolgt oder vernichtet werden.

Wach bleibt auch in unseren freigeistigen Gemeinschaften und Verbänden die Erinnerung an die millionenfachen Opfer, an den Widerstand in dunkelster Zeit und an den leidvollen Kampf der Völker der Anti-Hitler-Koalition und der vielen Menschen auch in Deutschland, die sich der Gewaltherrschaft nicht gebeugt haben. Auch unsere Mitgliedsverbände waren Verboten der Nazis ausgesetzt und haben viele Opfer zu beklagen.

Würdigen wir am 8. Mai die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und die Chancen für einen Neubeginn in Frieden.