Das gemeinsame Dach bleibt das Ziel

Das erfordert Toleranz.

Heute bedeutet Toleranz etwas anderes als zur Zeit Friedrich II.

Friedrich der Große übte Toleranz aus, Gleichgültigkeit zeitweise auch als Verachtung gegenüber von Bekenntnissen.

Wir heute dagegen wissen: Wir müssen die Glaubens- und Weltanschauungsüberzeugung des anderen achten und respektieren, gerade auch dann, wenn wir sie nicht immer teilen können. Wir heute sagen, und das ist wichtig für das gemeinsame Dach: Ich achte und respektiere die Weltanschauung, deine Werke, weil ich das Tun der freigeistigen Gemeinschaft genauso hoch schätze wie die meiner Organisation. Denn alle Organisationen sind miteinander verwandt, ja sind vom selben Fleisch und Blut, ja vom selben Geist. Denn nur die Namen haben sich geändert.

Deshalb, liebe Freunde in den Verbänden: "Bist Du denn, seid Ihr selbst ohne Fehler?" Bedenkt wie viel der eine dem anderen zu danken hat. Die anderen handeln nicht nur für sich selbst, aber unter einem gemeinsamen Dach kommt das Handeln des Einzelnen doch zu einer größeren Wirkung, die uns allen helfen kann.

Jeder von uns benutzt oft Begriffe der Toleranz und meint, er hat einen Alleinvertretungsanspruch - was dabei heraus kommt, wissen wir aus der Geschichte.

Die Antwort kann nur lauten:

Wer Toleranz will, der muss den Dialog mit den anderen wollen und führen.

Wer die freigeistige Bewegung bewahren will, verlangt nach Toleranz, auch zwischen den Männern und Frauen an der Spitze der Organisation.

Wie kann aber eine Organisation die Grundwerte der anderen achten und respektieren, wenn er sie gar nicht kennt, wenn er sie gar nicht versteht?

Die Antwort lautet:

Nur in dem man aufeinander zugeht und sich nicht von Werturteilen leiten lässt, erkennt man unter dem Zeichen der Globalisierung den Wert und die Notwendigkeit, auch für seine Organisation die Größe eines gemeinsamen Daches. Deshalb sage ich an dieser Stelle noch mal: unter Einhaltung der eigenen Souveränität in den Regionen und der Organisationen soll dieses Dach der Träger der Organisationen in der Gesellschaft sein. Unsere Innen- und Außenwirkung wird dadurch stärker.

Deshalb sind Begegnungen so wichtig, um Vorurteile abzubauen.

Deshalb sind alle Treffs, Begegnungen, Teilnahmen an Veranstaltungen bei anderen Organisationen so natürlich und notwendig, denn wenn wir mit den anderen nicht reden, dann können wir auch nicht verstehen. Wer die Möglichkeit zum Fragen nicht nutzt, um zu verstehen, wird nie die Antwort bekommen, um es zu verstehen.

Liebe Freunde, der Dialog zwischen uns ist wichtiger denn je - als all die vielen gut gemeinten Erklärungen der Einzelnen.

Denn wenn wir nicht ausreichend miteinander reden, dann geht halt auch das Verstehen untereinander - welche Ängste, welche Inspirationen, welche Interessen den anderen wirklich bewegen - an uns vorbei. Es schafft Nährboden - wenn wir es nicht tun - die Kluft größer werden zu lassen.

Dabei denke ich an Emanuel Kants Schrift "Vom ewigen Frieden..."

Wobei Kant richtig feststellt, dass ein ewiger Frieden eine Utopie bleibt, wenn nicht jeden Tag Menschen sich um ihn bemühen. Er sagt: "Der Frieden muss immer wieder gestiftet werden." Das setzt immer wieder Vernunft voraus und auch politische Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für die Sache.

Denn die Vernunft gebietet, sich in die Lage des anderen zu versetzen und seine Interessen genau so gut zu begreifen wie meine eigenen, zu verstehen, was ihn bewegt und warum dieses Dach so wichtig für alle ist. Ohne vernunftgemäßes Verstehen der Beweggründe, ohne ein gewisses Maß an Vertrauen in die Vernunft auch des anderen, ohne sie wäre der Frieden (eine Dachorganisation) nicht immer wieder neu zu stiften. Dabei ist zu beachten, dass wir natürlich aufpassen müssen, nicht in Extreme zu verfallen.

Das eine sind die Schwärmer, die es gut heißen, aber nichts dafür einbringen wollen. Das andere ist, alles zu vereinheitlichen und die Tradition außer acht zu lassen.

Denn niemand unterschreibt freiwillig einen Vertrag, von dem er denkt, dass dieser Vertrag ihn benachteiligt und andere begünstigt.

Daraus folgt, dass sie beide etwas aufgeben müssen von dem, was sie bisher erstrebt oder was sie bisher für richtig gehalten haben.

Aber ich füge sogleich hinzu: Wenn es getan wird, gewinnen alle Seiten sehr, sehr viel - aber die Macht aller sichert nicht die Konstruktion des Daches für alle.

Nur die Gleichberechtigung sichert ein starkes Dach und gibt uns die Kraft in der Gesellschaft.

Was können wir - jeder in seiner Organisation - dazu beitragen, um ein Dach für alle zu schaffen?

Dazu müssen wir mehr voneinander wissen. Wir müssen wissen: Der Wille allein reicht nicht aus. Wir brauchen die Taten aller zum Ausgleich und der Interessen in den einzelnen Bereichen unseres Arbeitsfeldes und hier nicht nur für die Felder, die unsere Schokoladenseite sind, wir brauchen den Willen zum Kompromiss auf allen Gebieten, den Willen auch zur Beherrschung der Konflikte oder mit einem Wort den Willen, die Freigeister in Deutschland zu stärken.

Wir müssen alle das Prinzip der freigeistigen Vereine in der Arbeit anerkennen, die den Willen haben, es zu tun.

Es bedarf partnerschaftlichen Verhaltens beider Seiten, um Stärke gewinnen zu können, denn das verschafft uns Mitsprache in der Gesellschaft. Beides wollen wir alle, aber bis heute konnten wir nicht viel erreichen. Dies erreichen in einer sich mehr globalisierenden Welt können wir nur gemeinsam.

Unsere Aufgabe bleibt - bei allen Schwierigkeiten - die Gelassenheit zu lernen; Gelassenheit zu bewahren, zu lernen, Gelassenheit mit moralischer Integrität zu verbinden.

Anders gesagt: Wir müssen lernen, mit der Vielfalt der freigeistigen Bewegung unter diesem Dach zu leben.

Wenn wir denn gleichwohl handeln wollen, so brachen wir das Vertrauen zueinander, denn nicht allein - um Martin Luther zu zitieren und sein Wort auf alles politische Handeln anzuwenden: "Wir sind Bettler, das ist war."

Ich meine, das Vertrauen ist wichtig und gibt den Mut, Ängste auszuhalten.

Daran liegt mir sehr, dass wir Freigeistigen lernen, Negatives zu überwinden, statt uns selbst oder von anderen dauernd zu bejammern, was einmal hier und da falsch war oder uns von und durch andere auf Unzulänglichkeiten hinweisen lassen zu müssen.

Ich wünsche mir, dass alle Freigeistigen in der Bewegung unseres Landes meinen Ruf hören zum Zusammenschluss im Interesse unserer Sache und warte auf positive Zeichen von allen, die sich meinen Argumenten anschließen können.

Der Weg ist unser Ziel, gehen wir aufeinander zu - Möglichkeiten derer gibt es viele, meiner Bereitschaft können sie alle in nah und fern sicher sein.

Das gemeinsame Dach bleibt das Ziel

N. Weich
Mitglied des Präsidiums des DFW

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