Ausrufung des Charles-Darwin-Jahres 2009 des DFW

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. ruft auf, das Jahr 2009 zum Charles-Darwin-Jahr zu gestalten und sich mit dem Leben und dem Werk von Charles Darwin, seiner Entstehung, Wirkung und enormen Tragweite beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen die Evolutionstheorie und das damit zusammenhängende Entwicklungsdenken. Anlässe sind der 200. Geburtstag von Charles Darwin (12. Februar 1809 bis 19. April 1882) und der 150. Jahrestag des Erscheinens seines Epoche machenden Werkes “On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life” (“Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl”) im November 1859. Darwins Leben und Wirken, sein Werk und seine naturwissenschaftliche und weltanschaulich-philosophische Denkart, die den Darwinismus begründet, haben große wissenschaftsgeschichtliche und aktuelle Bedeutung.
Der Darwinismus ist eine naturwissenschaftliche Theorie, die die „Architekten“ der Evolution der biologischen Arten und den „struggle for live“ erkennt und beschreibt: die Selektion und Mutation. Evolution ist schon für Lamarck ein selbstorganisierter Prozess. Evolution ist für Darwin und Wallace ein real-historischer genetischer Prozess durch natürliche und geschlechtliche Selektion. Erst mit Darwin sind die biotische Evolution und die Abstammungslehre des Menschen wissenschaftlich erklärt und grundsätzlich gesichert.

Die Rekonstruktion der Evolution ist eine nicht vollendete Aufgabe. Die sich auf Darwin begründende Evolutionstheorie beinhaltet einen Komplex verschiedener Fragen und Aspekte und entwickelt sich selbst fort. Wenn wir auch feststellen können, dass Darwin im großen und ganzen Recht hatte, so hat die Entwicklung der Naturwissenschaften und Philosophie selbst neue Sichtweisen und Problemstellungen für die Evolutionstheorie aufgeworfen und sie weiterentwickelt.

Darwins Theorien haben Konsequenzen für Philosophie und Weltanschauung. Sie führen zu einer naturalistischen Wende der Philosophie, zu einem philosophischen Materialismus, der die Welt (incl. der Natur und den Menschen) aus sich selbst heraus und als naturgesetzlichen Prozess - ohne übernatürliche Kräfte – auffasst, erklärt und erkennt. Die Stellung des Menschen in der Natur ist keine besondere mehr. Selbst die Ethik mit ihren Werten und Normen hat sich evolutionär entwickelt.

Darwin ist für unser modernes Weltbild von ungeheuerer Tragweite. Die weltanschauliche Brisanz der Evolutionstheorie liegt auf der Hand: die Welt ist auf sich selbst und sein Werden geworfen, ihre Entstehung und Entwicklung sind ein naturgeschichtlicher Prozess. Für einen Gott und für religiöse Vorstellungen von übernatürlichen oder irrationalen Mächten ist kein Platz (mehr). Darwin kann auch als Protagonist des (evolutionären) Humanismus betrachtet werden: seine Erklärung des menschlichen Individuums und dessen naturgeschichtlicher Entwicklung führt zu einer humanistischen Ethik, die bisher noch wenig ausgelotet ist.

Darwins Theorien und der Darwinismus haben mit dem sog. Sozialdarwinismus als einer Ideologie vom Recht des Stärkeren nichts zu tun. Die Evolution der menschlichen Kultur unterliegt grundlegend anderen Prozessen.

Die aktuelle Auseinandersetzung um Darwins Evolutionstheorie und seine Abstammungslehre des Menschen sowie das damit zusammenhängende wissenschaftliche Entwicklungsdenken hat vor allem weltanschaulichen Charakter und mit der Weiterentwicklung der Evolutionstheorie kaum etwas zu tun. Als moderner Anti-Darwinismus stellen sich der Kreationismus und die Vorstellungen vom „Intelligent Design“ dar. Weltanschaulich-religiös motivierten bildungspolitischen Forderungen, die Evolutionstheorie aus der Schule zu verbannen, gibt es nicht nur in den USA, sondern wurden und werden auch in Italien (2004), Serbien (2004), Deutschland (2007, Hessen) oder der Schweiz (2007/08) diskutiert. Der Europarat hat am 4. Oktober 2007 in seiner Resolution „Gefahren des Kreationismus in der Bildung“ eine eindeutig positive Haltung zum Darwinismus eingenommen.

Der DFW und seine Mitgliedsverbände werden Charles Darwin in mehreren Veranstaltungen gedenken und sein Erbe für gegenwärtige Problemstellungen nutzbar machen. Die zentrale Festveranstaltung des DFW wird am 1. März 2009, in Jena stattfinden.

Am 28. Februar wird eine begleitende wissenschaftliche Tagung des DFW zum Thema „Charles Darwins Entwicklungsdenken in seiner Bedeutung für Wissenschaft und Weltanschauung“ durchgeführt werden.

Berlin, den 12. Juli 2008

Präsidium des DFW
Dr. Volker Mueller