Internationale und deutschlandweite Kooperation mit anderen Verbänden stand im Vordergrund

Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) traf sich zur Hauptversammlung in Berlin


BERLIN. Mit einem positiven Rückblick auf Erreichtes und optimistischer Vorschau auf die künftige Verbandsarbeit traf sich Ende Oktober 2006 der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) zur Hauptversammlung. Diese fand zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in Berlin statt. Für die Delegierten der neun Mitgliedsverbände und das Präsidium standen neben den Jahresberichten aus dem Präsidium und der Revisionskommission sowie der Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit und Feierkultur aktuelle Vorhaben und Anträge auf der Tagesordnung. Einen Schwerpunkt bildete die Diskussion um die künftige Zusammenarbeit auf internationaler Ebene, um sich konstruktiv vor allem in den europäischen Einigungsprozess einzubringen. Auch die innerdeutsche Kooperation zwischen dem Dachverband und anderen freigeistigen und humanistischen Vereinigungen beschäftigte die Delegierten.

"In der Geschichte der freigeistigen Bewegung Deutschlands hatte und hat Berlin eine besondere Bedeutung", würdigte DFW-Präsident Dr. Volker Mueller den Tagungsort und übergab die Eröffnungsworte an Anke Reuther von der Freireligiösen Gemeinde Berlin. Ihr Verein feierte im vergangenen Jahr sein 160. Bestehen. "Wir haben deshalb den Fokus unserer Arbeit auf die Geschichtsaufarbeitung gelegt", sagte Anke Reuther. Zum Auftakt der Sitzung spielte sie einige vertonte Gedichte des freireligiösen Künstlers Bruno Wille ab, der Ende des 19. Jahrhunderts die Freie Volksbühne und Freie Hochschule Berlins, Vorläufer der heute bekannten und beliebten Volkshochschulen, gründete. DFW-Präsidiumsmitglied Norbert Weich vom Humanistischen Freidenkerbund Brandenburg (HFB) betonte, dass sich die freigeistigen und freireligiösen Verbände verstärkt an ihre Wurzeln und Traditionen zurückerinnern sollten. In ihrem Jahresbericht schlug deshalb Ute Janz, im Präsidium verantwortlich für Fest- und Feierkultur, vor, individuelle Riten und besondere Feierlichkeiten der Mitgliedervereine in einem Pool zu sammeln.

Für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes wünschte sich Ortrun Lenz noch mehr Aktivität aus den einzelnen Vereinen. "Wir werden demnächst ein Verzeichnis mit Referatsthemen herausgeben, die unsere Mitglieder für Seminare zur Weltanschauung, Werteerziehung, Fest- und Feierkultur und vieler anderer Gesellschaftsbereiche anbieten können", sagte die Medienverantwortliche des Dachverbandes. Sie hoffe auf viele Referenten, die mit einem Eintrag in die Liste helfen, das freigeistige Netzwerk zu stärken. Der Themenkatalog und weitere Verbandsnachrichten finden sich im neu gestalteten Internetauftritt des DFW (www.dfw-dachverband.de), den Monika Hendlmeier vom Bund für Geistesfreiheit Bayern betreut.

Als Erfolg für die Verbandsarbeit wertete Vizepräsident Horst Prem, dass die Bundeswehrvereinigung und das Bundesverfassungsgericht das DFW-Heft Nr. 21 zum Thema "Politik für einen gesellschaftlichen Konsens oder das Ende der deutschen Demokratie" in ihre Bibliotheken aufgenommen haben. Die Broschürenreihe entsteht aus den Beiträgen zu gleichnamigen Seminaren, zu denen der Dachverband einmal jährlich einlädt. Im Januar 2007 wird es in diesem Rahmen eine Veranstaltung zum Thema "Ethik ohne Kirche" geben. "Für uns gibt es noch viel zu tun, denn nach wie vor wird die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland ständig verletzt", sagte Horst Prem. So sei der DFW trotz hartnäckiger Bemühungen noch nicht in den Nationalen Ethikrat aufgenommen worden und auch im "Bündnis für Erziehung" von Familienministerin Ursula von der Leyen nicht vertreten. "Wir müssen immer wieder wichtige gesellschaftspolitische Themen aufgreifen und unsere weltanschauliche Position in der Öffentlichkeit klar machen. Mit einigen Anträgen, Aktionen und Pressebeiträgen ist uns das in den vergangenen Jahren bereits besser gelungen", resümierte Dr. Volker Mueller. Als Beispiel nannte er die Aktionen im Rahmen des Papstbesuches in Deutschland vom August 2006 und die Standpunkte des DFW zur Verfassung der Europäischen Union.

Viel diskutiert wurde auf der Hauptversammlung die weitere Arbeit der sog. Sichtungskommission (Siko). Das Gremium soll gemeinsame Ideen und Ziele zwischen dem DFW, dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD), dem Deutschen Freidenkerverband (DFV), dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und anderen säkularen Verbänden ausloten und umsetzen. "Ich halte nach wie vor daran fest, dass die Sichtungskommission wichtig für gemeinsame Wege bleibt - bei allen Unterschieden, die die Verbände in ihrer eigenen Arbeit trennen", betonte Dr. Volker Mueller. Mitunter gestalte sich das demokratische Miteinander jedoch sehr problematisch. So wurde verdeutlicht, dass vom DFW bisher gute Vorschläge und Konzepte eingebracht wurden, die die Kommission aber nicht gemeinsam aufnahm oder umsetzte. Stattdessen brachten die größeren Einzelverbände eigenständig Projekte ins Rollen. Auf der Hauptversammlung stimmten die DFW-Delegierten deshalb dafür, in der Sichtungskommission weiter zu arbeiten. "Wichtig ist bei dieser Entscheidung die Geste. Wenn wir den anderen Mitgliedern die Tür vor der Nase zuschlagen und ganz aussteigen, käme dies einem von uns gewollten Kontaktabbruch gleich. Die Verbände würden sich so mehr voneinander entfernen", fasste Friedrich Patzier vom Bund für Geistesfreiheit Bayern zusammen.

In Zukunft wird der DFW verstärkt das Wirken kleinerer Mitgliedsvereine fördern. "Wir haben lieber zehn aktive als 1000 Mitglieder, die sich nur in der Kartei befinden, sonst aber nie in Erscheinung treten", betonte Horst Prem. Nach wie vor stehe das Ziel, die Kräfte im Dachverband zu bündeln und gezielt einzusetzen, im Vordergrund. "Wir müssen auch die bilaterale Zusammenarbeit zwischen zwei Einzelverbänden unter unserem Dach weiter ausbauen", ermahnte Dr. Volker Mueller. Das Wirken auf internationaler Ebene will der DFW durch die Mitgliedschaft in der International Ethical and Humanist Union (IHEU) und der European Humanist Federation (EHF) ausweiten. "Gemeinsam können wir uns so in politische Diskussionen, wie das Schaffen einer laizistischen Verfassung für die Europäische Union, einbringen", sagte Dr. Volker Mueller. Horst Prem schlug vor, sich aktiv an der EU-Initiative "Citizens for Europe to promote European Citizenship" zu beteiligen und Vorschläge für eine integrative Werteerziehung in Europa zu sammeln.

Für 2007 hat der Dachverband das Robert-Blum-Jahr ausgerufen, das im kommenden September mit einem Festakt in Berlin begangenen wird. Langfristig werden zudem das 60-jährige Bestehen des DFW und das Charles-Darwin-Jahr zum 200. Geburtstag des Wissenschaftlers in 2009 vorbereitet.


Marie Prott

Das geschäftsführende Präsidium: Horst Prem (DU),
Dr. Volker Mueller (HFB) und Siegward Dittmann (BFGD) (v.l.n.r.)

Der HVD-Bundesvorsitzende Dr. Horst Groschopp mit den
Delegierten Dr. Peter Jäckel (FL) und Eike Möller (DU) (v.r.n.l.)

Delegierte im Pausengespräch: Ingeborg Laszlo (BFGD),
Prof. Dr. Helmut Kramer (DU) und Friedrich Patzier (bfg Bayern) (v.l.n.r.)