Pressedienst Ausgabe 6-2007


DFW übernimmt Mitverantwortung für eine familienfreundlichere Gesellschaft im Rahmen des Bundesforums Familie

Seit Ende Oktober 2007 ist der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) Mitglied des Bundesforums Familie. Das Forum ist der Zusammenschluss bundesweit tätiger gesellschaftlicher Kräfte, die aktiv Verantwortung für eine familienfreundliche Gesellschaft übernehmen.

Aus den unterschiedlichen gesellschaftlichen und weltanschaulichen Bereichen heraus soll ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für Veränderungen geschaffen werden, die für Familien zukunftsfördernde Bedingungen sicherstellen. Ziel des Bundesforums ist, wie es in seinen Statuten festgehalten ist, eine in die Zukunft gerichtete, kreative und innovative Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Sozialem, Politik und Kultur im Sinne einer die Familie in ihren unterschiedlichen Formen fördernden Weise.

Die im Bundesforum zusammen geschlossenen Organisationen achten und respektieren die unterschiedlichen Wertorientierungen. Familiäre Belange sind in allen gesellschaftlichen Bereichen tangiert. Die Berücksichtigung familienrelevanter Belange in allen gesellschaftlichen und politischen Gestaltungsbereichen ist daher Querschnittsaufgabe, der sich das Bundesforum stellt. Die bestehende strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber den Bedürfnissen von Familien - insbesondere von Kindern - soll durch eine an der Lebenswirklichkeit orientierte Politik für und mit Familien sowie durch eine aktiv geförderte "Kultur des Aufwachsens" ersetzt werden. Dabei müssen sowohl intergenerationelle als auch interkulturelle Tatbestände verstärkt Beachtung finden. Die vom Bundesforum zu erarbeitenden Vorschläge haben dem Grundsatz der Nachhaltigkeit zu entsprechen und einer immer mehr zusammen wachsenden Weltgemeinschaft Rechnung zu tragen.

Daran wird der DFW aktiv mitwirken.


DFW-Seminar zur Fest- und Feierkultur

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften führt vom 30.5. bis 1.6.2008, in Kassel ein Seminar zur "Fest- und Feierkultur" durch.

Hier sollen Fragen der Gestaltung von weltlichen Feiern wie Namensfeier, Jugendweihe/ Jugendfeier, Ehefeier und Trauerfeier in den freigeistigen und humanistischen Vereinigungen besprochen werden und ein intensiver Erfahrungsaustausch erfolgen. Seminarleiterinnen sind Ute Janz und Edda Scharf. Interessenten sind herzlich eingeladen.

 

„Wohin brachte uns Charles Darwin?“

Tagung der Freien Akademie vom 1. bis 4. Mai 2008 in Schney

Die Freie Akademie lädt zu einer Arbeitstagung ein, die Charles Darwin in den Mittelpunkt stellt. Das Jahr 2009 wird ein doppeltes Darwin-Jubiläumsjahr: Der große englische Naturforscher kam 1809 zur Welt, wir begehen also 2009 seinen 200. Geburtstag. Vor 150 Jahren (1859) erschien sein bahnbrechendes Werk „Über die Entstehung der Arten“. Darwin war nicht der eigentliche Begründer der Evolutionstheorie – das war vielmehr der Franzose Lamarck mit seinem Werk „Zoologische Philosophie“, welches genau 50 Jahre davor (1809) erschien. Aber erst Darwins Werk verhalf der Idee der Veränderung der Organismenarten zum entscheidenden Durchbruch.

Diese Idee hat unser Weltbild revolutioniert wie kaum eine andere, denn sie schließt auch den Menschen mit ein, nicht nur hinsichtlich seiner Anatomie und Physiologie, sondern auch in Bezug auf seine psychischen, geistigen und kulturellen Leistungen. Nimmt man Darwin und die Evolutionstheorie wirklich ernst, dann sind wir Menschen lediglich „modifizierte Affen“. Diese Konsequenz ist bis heute nicht verkraftet – daher wird die Evolutionstheorie nach wie vor vielerorten angezweifelt (oder bekämpft), und Vertreter der Schöpfungslehre gewinnen immer noch (oder schon wieder) treue Anhänger. Auch dort, wo der Evolutionsgedankegrundsätzlich akzeptiert wird, sucht man häufig noch Zuflucht in anderen Vorstellungen wie der eines „intelligent design“. Ziel der Tagung ist es, Darwins Evolutionstheorie, ihre Voraussetzungen und Konsequenzen sowie den heutigen Stand der Diskussionen um die Abläufe und Mechanismen der Evolution aus der Perspektive verschiedener Disziplinen zu beleuchten. Es soll auch diskutiert werden, ob es zur Evolutionstheorie heute noch eine ernsthafte Alternative gibt. Nicht zuletzt bleibt zu hoffen, dass die Tagung helfen wird, viele Missverständnisse zu beseitigen, die sich immer noch um Darwin und seine Gedankenwelt ranken.

Die Arbeitstagung findet in der Frankenakademie Schloss Schney statt. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung betragen für die drei Tage pro Person pauschal 150.- € (Zuschlag für Einzelzimmer jeweils 15.- €), beginnend am 28. April mit dem Kaffee (15.00 Uhr) und endend am 1. Mai mit dem Mittagessen (12.00 Uhr).

Tagungsbeiträge zur Deckung der Kosten betragen für Mitglieder der Freien Akademie: Einzelperson 70.- €, Familie 90.- € und für Nichtmitglieder: Einzelperson 90.- €, Familie 120.- €. Studenten und Auszubildende zahlen 50 % der entsprechenden Kosten. Der Besuch einzelner Vorträge ist möglich. Kosten pro Vortrag 15.- €.

Die Tagungsbeiträge und die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind unmittelbar nach Eintreffen im Tagungsbüro zu bezahlen.

Wissenschaftliche Tagungsleitung: Prof. Dr. Franz M. Wuketits, Institut für Wissenschaftstheorie, der Universität Wien, Sensengasse 8, A-1090 Wien, E-mail: Franz.Wuketits@univie.ac.at.

Technische Tagungsleitung: Frau Alke Prem, Prinz-Otto-Straße 9, 85521 Ottobrunn, Telefon: (089) 60 96 255, Fax: (089) 60 90 177, E-mail: Horst.Prem@gmx.net.

Geschäftsstelle der Freien Akademie: Rüdnitzer Chaussee 48-50, 16321 Bernau, Telefon: (0 33 38) 396 30, Fax: (0 33 38) 396 32, E-mail: info@freie-akademie-online.de, Internet: www.freie-akademie-online.de

 

Die Arbeit freier Verbände in der Dritten Welt

Wem die Arbeit für Religions- und Weltanschauungsfreiheit in Europa schwierig vorkommt, sollte einmal auf andere Kontinente schauen. Die Internationale Ethische und Humanistische Union (IHEU) unterstützt seit mehreren Jahren gezielt verschiedene Projekte in Afrika und Indien, Projekte, in denen es nicht nur um die Förderung freien Denkens geht, sondern auch schlicht um die Möglichkeit, Menschen Verdienst- und Überlebensmöglichkeiten zu schaffen.

In Indien laufen zur Zeit zwei große Projekte, die vom dort lebenden Sekretär der IHEU, Babu Gogineni, betreut werden: 1. WIN (Abkürzung für Women of India Network: Netzwerk indischer Frauen), 2. Dalits: Aufhebung des Tabus der Unberührbaren.

Ein weiteres Projekt wird in ähnlicher Form vom Atheisten Zentrum Indiens durchgeführt.

WIN ist ein sich selbst organisierendes Gesundheitsfürsorgeprogramm in Slumgegenden Mumbais. In Gesundheitsfragen kümmern sich ausgebildete Frauen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft um Frauen und Kinder, beraten sie und klären über Sexuallität und Verhütung auf. Sie bilden auch weitere Frauen aus, die in anderen Nachbarschaften gleiches tun. Ziel ist es, diese Zentren finanziell unabhängig zu machen durch minimale Beiträge der Ratsuchenden. In einigen Fällen ist dies auch schon gelungen. Für einige Zentren bestehen Patenschaften durch humanistischen Organisationen.

Sich für die Rechte der Dalits in Indien einzusetzen ist trotz deren verfassungsrechtlich verankerter Gleichberechtigung und Abschaffung aller Kasten nicht leicht. Die IHEU geht zwei Wege. Sie versucht zum einen, im ländlichen Bereich dafür zu sorgen, dass in den Dörfern alle Kasten gemeinsam essen. Normalerweise würde niemand aus einer „höheren“ Kaste mit jemandem aus einer „niederen“ oder gar mit den sogenannten „Dalits“ (Unberührbaren) zusammen essen. Ist diese Sperre überwunden und kein Unheil geschehen, sind wichtige Tabus gebrochen und weitere können nun überwunden werden. Gleichzeitig zeigt man den Menschen, mit welchen Tricks Zauberer und die so genannten Gottesmänner arbeiten und leistet so ein Stück Aufklärung hinsichtlich der verbreiteten Vorstellungen von Hexerei und Magie.

Dieser Kampf gegen Hexerei und Magie ist auch in Afrika wichtig. Dort fördert die IHEU Personen vor Ort, die Aufklärung zu diesem Thema leisten. Der Glaube an Hexerei wurde schon von anderer Seite, so in Artikeln in den Zeitschriften GEO und der „Zeit“ als Geisel Afrikas bezeichnet. Daher wird von den Humanisten in Nigeria neben ihrer Arbeit an den Universitäten und Schulen eine intensive Aufklärung zu diesem Thema betrieben.

In Uganda wiederum wird der Auf- und Ausbau mehrerer weiterführender Schulen gefördert. Verschiedene humanistische Organisationen, vor allem aus England, sind als Paten sehr engagiert. Sie stellen nicht nur Gelder bereit für den Bau der Schulen, sondern auch Stipendien, um armen Schülern den Besuch zu ermöglichen. Gleichzeitig fördern sie den Erwerb von Schweinen und Ziegen, sodass Familien sich ein eigenes Einkommen verdienen können.

Sehr wichtig ist weiter die Arbeit in den ugandischen Frauenorganisationen. In der einen wird jungen Prostituierten geholfen, sich andere Erwerbsmöglichkeiten anzueignen; das andere Frauenprojekt konzentriert sich auf Aufklärung in Gesundheit, Verhütung und Frauenrechten und betreibt darüber hinaus eine Zuflucht für geschlagene Frauen.

Alle diese Projekte werden nach Möglichkeit von einheimischen Personen durchgeführt, unterstützt durch sehr engagierte Humanisten aus Europa und USA. Dieser Weg, Verbesserungen zu erreichen, ist sicher sehr mühsam und wirkt wie ein Tropfen auf einem heißen Stein. Aber zumindest diesen Menschen ist geholfen.

Vielleicht wäre es ein interessantes Thema für Religionsunterricht oder für Jugendseminare, sich einmal mit solchen Projekten intensiver zu befassen.

Renate Bauer

 

IHEU-Appignani Center for Bioethics ist seit drei Jahren aktiv

Die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU) hat seit drei Jahren ein eigenes Zentrum für Bioethik. Das IHEU-Appignani Center for Bioethics wurde im Herbst 2004 eingerichtet. Es wurde unterstützt von der Louis Appignani Foundation und Larry Jones und ist in der Nähe der United Nations in New York angesiedelt. Genaueres über Aktivitäten und Projekte kann der Website entnommen werden: www.humanistbioethics.org.

Das Center wurde eingerichtet, um IHEU-Mitgliedsorganisationen anzuregen und ihnen zu helfen, Positionen sowohl hinsichtlich traditioneller als auch moderner bioethischer Fragen zu entwickeln, die aus der Medizin, den Lebenswissenschaften und der Biotechnologie entstehen, indem es sie mit Informationen, Analysen und Positionspapieren versorgt und eine menschenzentrierte Annährung an Fragen der Bioethik in der UN, UNESCO und dem Europarat verteidigt.

Während der vergangenen drei Jahre diente das Center erfolgreich als Forum für aktuelle Beratungen über ein breites Spektrum von Themen einschließlich Stammzellenforschung, Organtransplantation, den Markt für menschliche Eizellen, Gentechnik, reproduktive und sexuelle Rechte, die HIV/AIDS-Epidemie, die weibliche Beschneidung u.a. (Weitere Details über die Veranstaltungen und Aktivitäten des Centers können im Internet unter www.humanistbioethics.org angesehen werden.)

Das Center hat seit seiner Eröffnung die öffentliche Debatte gefördert durch die Organisation von Konferenzen, Podiumsdiskussionen und Symposien. Es leitet außerdem unabhängige Forschungsgruppen in Schulen und ist regelmäßig in den Medien vertreten. Als Direktorin des Centers schreibt Ana Lita sowohl eine vierteljährliche Kolumne über Bioethik für das International Humanist Network als auch eine wöchentliche Kolumne in den Humanist Network News. Zusätzlich schreibt sie regelmäßig Beiträge für ein Online-Web-Blog, das vom Women’s Bioethics-Project betrieben wird. Schließlich dient sie in ihrer Eigenschaft als Direktorin als Hauptrepräsentantin der IHEU im Sozial- und Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen, wo sie an regelmäßigen Unterrichtungen teilnimmt und was eine Schnittstelle mit anderen Nicht-Regierungs-Organisationen, Ländervertretungen und diplomatischen Einsätzen darstellt.
Das Center hat einen beratenden Vorstand. Biografische Skizzen der derzeitigen Vorstandsmitglieder stehen auf der Website.

Die IHEU lädt ihre Mitgliedsorganisationen ein, sich mehr in die Arbeit ihres Bioethik-Centers einzubringen und glaubt, dass diese unschätzbare Beiträge zum Center leisten können, die der IHEU helfen können, ihre künftige Arbeit voranzubringen. Auch Kommentare zu bereits geleisteter Arbeit und Empfehlungen für künftige Projekte sind sehr willkommen.

Ana Lita (Direktorin des IHEU-Appignani Center for Bioethics)
Sonja Eggerickx (IHEU-Präsidentin)

 

Situation in Italien: Kolloquium der Consulta Torinese – Es bewegt sich doch!

Zumindest in Italien bewegt sich auch auf nationalem Gebiet einiges in Richtung auf deutlichere Trennung von Staat und Kirche.

In Verbindung mit den jährlichen Vollversammlungen der internationalen Verbände EHF (Europäische Humanistische Vereinigung: ihr gehört der Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, BFGD, direkt an) und der IHEU (Internationale Humanistische und Ethische Union: ihr gehört der BFGD über den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften, DFW, an) fand im Juni 2007 in Turin auch ein Kolloquium über die Situation von Staat und Kirche statt, veranstaltet von der „Consulta Torinese per la Laicità delle Istiuzioni“ (Verband Turins für die Weltlichkeit der Institutionen). Ein italienisches Mitglied des Europaparlaments, Vertreter der Consulta Torinese, Professoren und Sprecher aus anderen europäischen Ländern verglichen die säkularen Entwicklungen in den westeuropäischen Ländern miteinander. Die italienischen Redner machten besonders deutlich, wie schwierig die Situation in ihrem Lande sei aufgrund der Anwesenheit des Vatikans in ihrem Land und dessen ständige offizielle und inoffizielle Einmischung in ihrem Land. Sie hoben die engen Verbindungen zwischen allen Parteien und der katholischen Kirche hervor und erläuterten ihre Ziele. Es wurden insgesamt 20 Ziele erwähnt, von sehr umfassenden wie der Sicherung der Rechte von Frauen hinsichtlich ihrer Bestimmung über ihre eigene Reproduktivität, das heißt z.B. Zugang zu Verhütungsmitteln und zum Schwangerschaftsabbruch, aber auch Kampf gegen Gewalt in der Familie und Verhinderung der Ausbeutung der Prostitution. Es gehören dazu die gleichen Rechte für Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, die Anerkennung von Patientenverfügungen, die Straffreiheit von passiver Sterbehilfe, der Kampf gegen Menschenhandel, eine Abschaffung des katholischen Religionsunterrichts zugunsten eines interreligiösen Unterrichts, der Kampf gegen Kreationismus, die Aufhebung des Konkordats mit dem Vatikan, eine neues Recht zur Religionsfreiheit mit gleichen Rechten für alle, die Verringerung staatlicher Unterstützung für die katholische Kirche, die Abschaffung religiöser Symbole in öffentlichen Räumen usw.

Der Abgeordnete des Europaparlamentes hob hervor, wie bestimmend für Europa die säkulare Kultur mit ihrer Betonung der individuellen Rechte sei. Andere Sprecher äußerten sich allerdings skeptisch, inwieweit diese säkulare Kultur wirklich auch politisch unterstützt werde, denn viele Politiker würden sich scheuen, sich klar dazu zu bekennen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang die Arbeitsgruppe für Trennung von Religion und Politik im europäischen Parlament. Sie zeige sich als sehr wachsam hinsichtlich Versuchen, national oder international die Bevorzugung von Religion oder bestimmten Religionen gesetzlich oder vertraglich zu verankern. In Kontakt mit dieser Arbeitsgruppe entstand auch die Idee zur Brüsseler Erklärung.

Als Fazit dieses Kolloquiums kann hervorgehoben werden, dass hartnäckige konsequente Arbeit für die Wahrung gleicher Rechte aller auf religiös-weltanschaulichem Gebiet doch einiges erreichen kann, national wie international.
Wie langwierig der Kampf für Religions- und Weltanschauungsfreiheit sein kann, zeigt das am 29. Juni 2007 gefällte Urteil des Gerichtshofes für Menschenrechte in Straßburg. Ihm lagen die Klagen mehrerer Familien vor, die ihre Kinder vom protestantischen Zwangsreligionsunterricht in Norwegen befreien lassen wollten, und vor ihren eigenen Gerichten scheiterten. Das Gericht in Straßburg bestätigte nun ihre Klage. Der Kampf dauerte über zehn Jahre. Die Betroffenen dürfen nun selbst mit Champagner darauf anstoßen
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Renate Bauer

Prof. Dr. Hans-Günter Eschke verstorben

Der engagierte Freidenker und Philosoph Hans-Günter Eschke, emeritierter Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, verstarb am 27. November 2007 nach langer schwerer Krankheit. Er gehörte zu den Gründern des Deutschen Freidenker-Verbandes in Thüringen, arbeitete über viele Jahre im Bundesvorstand des DFV mit und setzte sich stets für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den freigeistig-humanistischen Verbänden ein.

Hans-Günter Eschke wurde als Sohn eines Buchdruckers am 26. April 1930 in Halle/S. geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er die Oberschule besuchen und diese 1949 mit dem Abitur erfolgreich abschließen. 1951 wurde er zum Studium der Außenpolitik und des Völkerrechts an die Deutsche Verwaltungsakademie, die spätere Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften, delegiert. Hier eröffnete sich ihm ein aussichtsreiches wissenschaftliches Schaffen. Nach bestandenem Staatsexamen erhielt Hans-Günter Eschke eine Aspirantur am Institut für Gesellschaftswissenschaften und erfüllte Lehraufträge zur formalen Logik und zum philosophischen Materialismus.

Am 2. Dezember 1955 schlossen Hans-Günter und Traudel Eschke den Bund der Ehe, der etwas mehr als 51 Jahre Bestand hatte. Im Laufe der Jahre wurde aus der Zweisamkeit eine Familie: von 1952 bis 1962 erblickten drei Töchter und zwei Söhne das Licht dieser Welt.

Nach beruflichen Stationen in Jena an der Friedrich-Schiller-Universität und an der Lomonossov-Universität Moskau sowie seiner Promotion zum Dr. phil. beschäftigte er sich zielgerichtet mit weltanschaulich unterschiedlich begründeten Menschenbildern und Persönlichkeitskonzepten und setzte sich mit der Anthropologie auseinander. Der Mensch in seiner Gesamtheit beschäftigte ihn und ließ ihn nicht wieder los. Er war auch Gegenstand seiner Promotion B, die er im März 1974 erfolgreich verteidigte. Als Hochschullehrer für dialektischen und historischen Materialismus in Jena hat Hans-Günter Eschke in Lehre und Forschung Beachtliches geleistet.

In den Jahren 1989/90 stellte sich Hans-Günter Eschke vor neue Herausforderungen im Thüringer Verein für Bildung und Wissenschaft, der späteren Rosa-Luxemburg-Stiftung, und im Deutschen Freidenker-Verband. Und er fand auch gute Kontakte zum Angelika Lenz Verlag, in dem er u.a. das „Lexikon Freien Denkens" mit herausgab und mehrere Bücher veröffentlichte. Bei seiner publizistischen Tätigkeit hat ihn ein Thema immer wieder beschäftigt und bis zuletzt nicht losgelassen: die Menschenwürde:

Hans-Günter Eschke war immer voller Pläne und Ideen; sie trieben ihn vorwärts, auch dann, als er zunehmend gegen gesundheitliche Beeinträchtigungen angehen musste. Er setzte seine ganze Persönlichkeit, vor allem sein philosophisches Wissen und seine menschliche Kompetenz für Aufklärung und Humanismus ein.
Wir verlieren einen engagierten, bescheidenen und solidarischen Mitstreiter und guten freigeistigen Freund.

Dr. Volker Mueller
Präsident des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V.