Pressedienst Ausgabe 5-2007


Bundesversammlung in Offenbach am Main

Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands hat neues Präsidium gewählt

Am 10. November 2007 wurde in Offenbach am Main die im zweijährigen Turnus stattfindende Bundesversammlung des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) abgehalten. Bei einem kleinen Empfang im Rathaus begrüßte Oberbürgermeister Horst Schneider das Präsidium des Bundes sowie den Vorstand der gastgebenden Frei-religiösen Gemeinde Offenbach.

Die fast 150-jährige Organisation – die Jubiläumsveranstaltung ist im Jahre 2009 in Mannheim geplant – wählte bereits zum dritten Mal in Folge den Mannheimer Weinkaufmann Rainer Schrauth, Vorsitzender der Freireligiösen Landesgemeinde Baden, zu ihrem Präsidenten. Als Vizepräsidenten unterstützen ihn Siegward Dittmann aus Ludwigshafen, Manfred Gilberg aus Darmstadt und Richard Sickenberger aus Offenbach. Neu im Amt als Schatzmeister des Bundesverbandes und damit auch dessen Vorstandsmitglied ist Joachim Koch, Landessekretär der Freireligiösen Landesgemeinde Baden.

Am Nachmittag nahmen die Delegierten und weitere Gäste an einer Ehrung anlässlich des 200. Geburtstags von Robert Blum, einer exponierten Persönlichkeit der freireligiösen Bewegung und Märtyrer der 1848er Revolution, in Karben-Petterweil teil, veranstaltet vom Magistrat der Stadt Karben und den „Petterweiler Geschichtsblättern“ in der dortigen Festhalle und am Robert-Blum-Denkmal. Dr. Holger Behr, Sprecher der Freireligiösen Landesgemeinschaft Hessen, wies in seiner dortigen Rede die Aktualität der Forderungen Blums eindringlich nach.

Bei der Festveranstaltung zum Abschluss der Tagung am 11. November 2007 begrüßte der Offenbacher Gemeindevorsteher Ulrich Urban Vertreter der Stadt und des öffentlichen Lebens sowie aus vielen freireligiösen Gemeinschaften und befreundeten Organisationen, so Dr. Volker Mueller vom Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) aus Falkensee bei Berlin. Hauptredner war der frühere Landesprediger der badischen Freireligiösen, Dr. Eckhart Pilick aus Karlsruhe, der in seiner Ansprache zu Ehren Robert Blums zahlreiche bisher unbekannte Facetten der Person dieses kämpferischen Demokraten, Revolutionärs und Freireligiösen in profunder Weise darlegte.

Rainer Schrauth
Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD)


24. DFW-Seminar: Ethik ohne Kirche II – Deutschlands nicht repräsentierte Bevölkerung

25.–27. Januar 2008 in der Franken-Akademie Schloss Schney bei Lichtenfels

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) lädt Ende Januar zu einem Seminar mit dem Titel „Ethik ohne Kirche II - Deutschlands nicht repräsentierte Bevölkerung“ nach Schloss Schney bei Lichtenfels ein. Vor einem Jahr hatte der DFW in Schney begonnen, die „Brüsseler Erklärung“ zu unterzeichnen, die dazu geführt hat, keinen Gottesbezug in die Präambel des europäischen Ver-fassungsvertrages aufzunehmen.

Inzwischen wird über einen Mini-Vertrag für Europa geredet, und es sind hochinteressante Urteile des BVerfG zum verbindlichen Ethikunterricht in Berlin und zur Klage der norwegischen Humanisten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zur Dominanz der christlichen Kirchen im norwegischen Schulgesetz ergangen. Beide Urteile haben den DFW dazu angeregt, in einer Petition den Deutschen Bundestag zu bitten, den Artikel 7 (3) GG ersatzlos zu streichen, weil er die Integrationsaufgabe des Staates behindert.

Der DFW fragt: Wie kann der Staat seiner Integrationsaufgabe nachkommen? Ist es nicht an der Zeit, demokratische Prinzipien, Toleranz, Gewaltenteilung und die Bedeutung der Menschenrechte in einem zukünftigen Werteunterricht herauszuarbeiten, der die Klassenverbände nicht nach Konfessionen aufteilt? Der Europarat hat in einer Resolution auf die Gefahren des Kreationismus in der Erziehung hingewiesen, die beachtenswert ist. Das Office for Democratic Institutions and Human Rights der KSZE hat „Toledo Guiding Principles on Teaching about Religions and Beliefs in Public Schools“ formuliert.

Den fundamentalistischen Anfeindungen, die unsere durch die Aufklärung gereiften Grundwerte derzeit erleben, ist nur mit Ruhe und überlegter Vernunft zu begegnen. Der Mensch ist empfänglich für Platons Ideen von dem Wahren, dem Guten und dem Schönen. Auf dieser Rille arbeiten alle Offenbarungsreligionen. Die Kant’schen Fragen „Was kann ich wissen?", „Was soll ich tun?", „Was darf ich hoffen?", „Was ist der Mensch?" führen in eine Werteerziehung jenseits der Trug- und Scheinbilder. Ist der Atheismus, wie ihn beispielsweise Dawkins in seinem Buch „Der Gotteswahn" beschreibt, eine Antwort?

Darum geht es bei diesem Seminar, zu dem der DFW in Zusammenarbeit mit dem Bund für Geistesfreiheit, den Deutschen Unitariern und dem Humanistischen Bildungswerk Bayern einlädt.

Auf dem Programm stehen u.a. folgende Themen: „Stand der Behandlung der Petition zur Streichung Artikel 7(3) GG“, „Europas Beitrag zu Nichtdiskriminierung und Toleranz“, „Wie ist ein bundesweiter Ethik-Pflichtunterricht erreichbar?“ „Kirche ohne Ethik“, „Bedeutung der Urteile von BverfG und ECHR für den Werteunterricht“, Podiumsdiskussion mit den Referenten: „Wie kann eine ethische Erziehung für die reale Welt aussehen?“

Tagungsort und Übernachtung: Franken-Akademie Schloß Schney, Schlossplatz 8, 96215 Lichtenfels, Tel. 09571/97500. Anmeldung bitte schriftlich an: Horst Prem, Prinz-Otto-Str. 9, 85521 Ottobrunn, Tel. 089/6096255 Fax 089/6090177 erbeten bis 12. Januar 2008.

Seminarkosten inkl. Logis und Verpflegung zwischen 105 € und 140 € – bitte Details erfragen. Überweisung der Seminarkosten an Deutsche Unitarier München, Stichwort "Schney", Freisinger Bank e.G., Konto Nr. 415 9799, BLZ 70169614.

 

Kirchen – eine Voraussetzung für Ethik?

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) hat sich in Zusammenarbeit mit der Europäischen Humanistischen Föderation, deren Mitglied er ist, in letzter Zeit in intensiven Debatten und Konferenzen über die Wege zu einer Staatsbürgerlichkeit im sich vereinigenden Europa und über die Möglichkeiten einer ethischen Wertegemeinschaft der Europäischen Union mit einem integrativen Werteunterricht verständigt und folgende wesentliche Aspekte für die weitere freigeistig-humanistische Arbeit in Deutschland und Europa herausgearbeitet:

In Deutschland existiert weiterhin ein Monopol von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften für eine konfessionelle Trennung der Schülerinnen und Schüler im Werte-Unterricht. Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften (DFW) tritt für ein grundsätzlich integratives Schulcurriculum ein, in dem Schüler gemeinsam und nicht getrennt nach den Konfessionen der Eltern unterrichtet werden. Eine breite Bildung, die junge Menschen auf das Leben Erwachsener in einer pluralistischen Gesellschaft vorbereitet – unter Einbeziehung einer Erziehung in Werten und Bürgerschaftlichkeit –, und der Förderung von Denkfähigkeit und Kreativität sind Voraussetzungen für einen Wertekonsens in ganz Europa.

Um den fundamentalistischen Angriffen auf die Menschenrechte entgegenzutreten, muss sich Europa auf das Modell des säkularen Staates konzentrieren, wie es in der Aufklärung entwickelt wurde. Weiterhin wollen wir, dass alle Schulen alle Schüler aus allen Religions- und Weltanschauungsrichtungen zusammenbringen und unterrichten, so dass sie voneinander und miteinander lernen können. Da wir bezweifeln, dass konfessionelle Schulen zum sozialen Zusammenhalt beitragen oder die Rechte der Schüler voll anerkennen, wenden wir uns klar gegen Pläne der Regierung, die Zahl konfessioneller Unterrichte in öffentlichen Schulen auszuweiten.

Der DFW begrüßt sehr die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe vom 15. März 2007, dass der Pflichtunterricht in Ethik für alle Schüler in Berlin mit dem Grundgesetz übereinstimmt. Dieser Pflichtunterricht in „Ethik“ für alle ist der Weg, dem ein säkularer Staat zu folgen hat, wenn er sich auf die Integration unterschiedlicher Kulturen in die friedliche Entwicklung des Staates konzentriert. Außerdem scheint dies ein gu-ter Weg zu sein, um eine Übereinstimmung in europäischer Bürgerschaftlichkeit zu entwickeln. Der DFW stimmt voll den „Toledo-Leitlinien für den Unterricht über Religion und Weltanschauung an öffentlichen Schulen“ der OSCE/ODIHR zu. Diese Leitlinien müssen der Focus in der Entwicklung der europäischen Bürgerschaftlichkeit sein. Europa wird nicht überleben ohne eine Kernübereinkunft hinsichtlich der Werte, wie sie durch die Menschenrechte und die Position eines säkularen Staates beschrieben sind. Die Schulsysteme in Europa müssen dahingehend angepasst werden. Menschenrechte und nicht Konfessionen sind Voraussetzung für eine Ethik des 21. Jahrhunderts.

Humanistische und freigeistige Organisationen müssen in diese Erziehung eingebunden sein, denn ein Drittel aller Bürger Europas gehört keiner spezifischen Religion an, sondern lebt ein selbstbestimmtes und ethisch ausgerichtetes Leben. Humanisten und freigeistige Menschen müssen eine Werteerziehung fördern, die auf den Menschenrechten und der gegenseitigen Achtung aufbaut. Sie sind darauf vorbereitet, an einer solchen Erziehung mitzuwirken, um anderen dabei zu helfen, zu erfahren, wie Menschen ohne Gott und Dogma denken und leben. Die Organisationen müssen auch darauf vorbereitet sein, freiwillige humanistische Werteerziehung zu gestalten für diejenigen, die darüber mehr wissen wollen. Deswegen fordern sie gleiche Rechte, gleiche Einbeziehung und gleiche öffentliche Unterstützung wie andere Religionen und Weltanschauungen.

Dies sind die Hauptresultate, die vor allem in den Konferenzen „Ethik ohne Kirchen“ und „Ein säkulares Europa – der Weg zur europäischen Bürgerschaftlichkeit“ erarbeitet wurden.

Dr. Volker Mueller (Präsident) / Horst Prem (Vizepräsident)

 

Freidenker-Jugendgruppe aus Brandenburg ist von ihrer Indienreise zurückgekommen

Eine zwölfköpfige Jugendgruppe aus Brandenburg reiste im Rahmen des Jugendaustauschprogrammes des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland e.V. (HFH) unter Leitung von Volker Mueller und Ilka Busch für zwei Wochen nach Indien. Schon seit elf Jahren gibt es einen fruchtbaren und kontinuierlichen Jugendaustausch mit der Partnerorganisation des HFH im indischen Unionsstaat Andhra Pradesh, dem Atheist Centre in Vijayawada

Der Jugendaustausch hat wieder Jugendlichen aus Deutschland und Indien die Möglichkeit gegeben, miteinander in Kontakt zu treten, um ihr Verständnis für eine andere Lebensgestaltung zu fördern und ein tolerantes Miteinander über ihre nationalen und sozialen Grenzen hinaus zu leben. Die Aufnahme von Kontakten und Freundschaften, das Kennenlernen der Familien der Jugendlichen und die Einbindung der Jugendlichen in die aktuellen Lebensbedingungen vor Ort lassen eine starke Verbundenheit entstehen und die jungen Leute eine größere Sensibilität erfahren, welche diese in ihr eigenes Land wieder mitnehmen.

Die deutschen 16- bis 23-jährigen Jugendlichen lernten Südindien und seine Menschen kennen, vor allem Kultur, Religionen und Weltanschauungen, soziale Lebenssituationen, das Bildungssystem und Lerneinstellungen, das Verhältnis von Mann und Frau, Probleme der Ernährung und des Gesundheitssystems sowie Armut und Reichtum als krasse Gegensätze. Fakten des Lebens, die sonst nur aus Schule, Fernsehen, Computer oder vom Hörensagen bekannt sind, wurden direkt erfahren. In vielen Interaktionen mit jungen Indern in Schulen, in Colleges in Vijayawada, in der Universität Guntur, im Goethe-Institut in Hyderabad, in der Radio-Station Andhra Pradesh, in Jugendeinrichtungen und sozialen Projekten für Straßenkinder und HIV-infizierte Kinder, in abgelegenen Dörfern usw. und in gemeinsamer praktischer Arbeit wurde das anfangs Unbekannte und Fremde zu etwas selbst Erlebtem und individuell Erfahrenem. Gemeinsame Projekttage und Workshops unter dem Motto „Learning together – live together“ wurden erfolgreich durchgeführt.

Die teilnehmenden Jugendlichen erfahren ihre Eindrücke meist als „unvergessliche Erlebnisse“, welche ihr Leben und ihre Lebensanschauung stark beeinflussen. Ihre Weltsicht, ihr kultureller Horizont und ihre soziale Einstellung ändern sich.

Natürlich haben wir auch viele kulturelle Sehenswürdigkeiten in Andhra Pradesh besucht, den enormen Straßenverkehr erlebt und das indische Essen genossen. Die Freundlichkeit und Freundschaft der indischen Menschen hat uns am meisten beeindruckt. Wir sind dankbar für die ausgezeichnete Partnerschaft mit dem Atheist Centre in Vijayawada.

Dr. Volker Mueller

 

Event zur Toleranz-Kampagne

Internationale Kampagne für mehr Miteinander und gegenseitiges Verständnis geht Anfang Dezember mit großer Veranstaltung in Rathenow/Havelland zu Ende

Verschiedene Lebensstile führen zu vielen Unterschieden, das erleben Menschen tagtäglich in ihrem Leben. Oft ist es nicht leicht, mit diesen Unterschieden umzugehen, andere Lebensweisen und -formen zu akzeptieren und zu tolerieren.

DDie IHEYO („International Humanist and Ethical Youth Organization“), als Dachverband für humanistische Jugendarbeit weltweit, fördert die Toleranz und Gleichberechtigung aller Menschen – egal aus welchem sozialen Hintergrund sie kommen und welchen Glauben sie haben.

Im Dezember dieses Jahres findet in vielen europäischen Ländern ein von der IHEYO initiiertes Toleranz-Event statt, das im Internet öffentlich präsentiert wird. Vor Ort organisiert ein Mitgliedsverband der IHEYO die groß angelegten Veranstaltungen. Dieses Projekt ist nicht nur eine Chance auf eine fruchtbare Kollaboration und ein besser ausgebautes Netzwerk zwischen den einzelnen Organisationen in Europa. Es soll vor allem Jugendliche vor Ort ermutigen, mit anderen jungen Menschen aus Europa in Kontakt zu treten. An der Aktion beteiligen sich humanistische Organisationen in Belgien, Norwegen, Finnland, Rumänien, Mazedonien und Serbien.

In Deutschland wird die Toleranzveranstaltung anlässlich des Tages der Menschenrechte am Sonnabend, dem 8. Dezember 2007, vom Humanistischen Freidenkerbund im Havelland (HFH) organisiert, der Gründungsmitglied der IHEYO ist. Die große Toleranz-Party mit viel Musik, Möglichkeit zum Dialog und zur Diskussion und einem friedlichen Miteinander bildet den Abschluss der Toleranz-Kampagne. Sie wurde vom HFH während der interkulturellen Woche im Havelland gestartet und fand Ende September in ganz Brandenburg große Aufmerksamkeit. Aufgabe der Kampagne soll es sein, Toleranz und Respekt unter den jungen Menschen gegenüber Minderheiten weiterzuvermitteln und zu fördern. Bis zum Abschluss-Event boten und bieten zahlreiche Diskussionsrunden zu unterschiedlichen Themen, Filmnachmittage und Workshops für junge Menschen die Gelegenheit, über Toleranz im Umgang mit Anderen zu sprechen.

Höhepunkt der Kampagne ist dann die Veranstaltung am 8. Dezember im Kulturzentrum in Rathenow. Die Veranstaltung für die ganze Familie bietet Konzerte von Musikgruppen verschiedener Stilrichtungen, es gibt Infostände von Amnesty International, AndersArtig e.V. (Verein für die Interessen Schwuler und Lesben aus Potsdam), Ausstellungen, einen indischen Basar und viele weitere Höhepunkte, die einen Besuch lohnenswert machen.
Die European Youth Foundation hat 2005 der IHEYO eine finanzielle Förderung zukommen lassen, die es ermöglichte, eine internationale Konferenz zum Thema „Humanism, Interculturalism and Active Citizenship“ zu verwirklichen. Als Ergebnis dieser Konferenz führte IHEYO eine weitere Konferenz ein Jahr später durch, die sich anlehnend an die Resultate des Vorjahres um die Weiterentwicklung und den Austausch von Bildungs- und Lehrmethoden im Bereich des kritischen Denkens bemühte. Toleranz ist eine der wichtigsten Fähigkeiten und Grundbedingung, um in einer friedlichen und gleichberechtigten Welt zu leben. Die Jugend ist die Zukunft und IHEYO, als internationale Jugendorganisation, sieht es als ihre Aufgabe an, Jugendliche verstärkt im Bereich interkultureller Toleranz und Menschenrechtsthemen zu bilden und aufzuklären. Junge Frauen und Männer sollen verstärkt Druck in der Gesellschaft ausüben, um diese im Heute und in der Zukunft zu verbessern und lebenswerter zu gestalten.
Mehr Informationen zur Toleranz-Kampagne und zum Event am 8.12.2007 gibt es bei der Organisatorin Silvana Uhlrich, 2. Vizepräsidentin der IHEYO, unter silvana.uhlrich@iheyo.org.

Marie Prott (Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg)

 

Wer mindestens eine Fremdsprache spricht, sollte sich für die Menschenrechtsarbeit in Europa engagieren

IHEU (Internationale Humanistische und Ethische Organisation) und EHF (Europäische Humanistische Föderation) als Nichtregierungsorganisationen (NGO)

Wozu braucht man internationale Organisationen im freigeistigen Raum? Viele Regelungen werden inzwischen nicht mehr allein auf nationaler Ebene vorbereitet, sondern auch auf internationaler Ebene und wirken auf die einzelnen Länder zurück. Die Gesetze auf europäiischer Ebene wirken sich auf unsere Regelungen in Deutschland aus z.B. Internationale Konventionen bekräftigen Rechte, die einklagbar sind, zumindest, wenn man in Europa wohnt in einem Land, das dem Europarat angeschlossen ist. Solche Konventionen aber stärken auch das Bewusstsein der Menschen von ihren Rechten, verändern auch dadurch die Welt.

An ihnen arbeiten nicht nur Regierungsvertreter, sondern auch jene vielfältigen Nichtregierungsorganisationen, die als Lobbyisten bei den internationalen staatlichen Zusammenschlüssen zugelassen sind. Lobbyarbeit betreiben auch IHEU und EHF. Dies leisten fast ausschließlich Ehrenamtliche, die mit ungeheuer viel Einsatz dafür eintreten, dass die Menschenrechte hochgehalten werden, Religions-, Weltanschauungs- und Gewissensfreiheit als Rechte der einzelnen verstanden werden. Sie machen sich für Schwache stark.

Die EHF arbeitet ausschließlich auf europäischer Ebene, in Brüssel bei der EU-Kommission und am Europaparlament, außerdem bei der OSCE, die IHEU beim Europarat, der UN in New York und den verschiedenen Unterorganisationen der UN wie UNESCO in Paris und Menschenrechtsrat in Genf.

Die EHF kämpft dafür, die Neutralität Europas in Religions- und Glaubensfragen hochzuhalten, und eine Privilegierung der Kirchen zu verhindern. Dies geschieht durch Kontakte mit Parlamentariern, mit den Beratern des EU-Präsidenten, auch mit Gesprächen mit Präsident Barroso selbst. Auf regelmäßigen Arbeitsessentreffen werden einzelne Themen aus diesem Arbeitsbereich mit Brüsseler Bürokraten diskutiert.

Die IHEU arbeitet am Europarat mit Schwergewicht Religions- und Glaubensfreiheit und Wahrung der Menschenrechte. Sie ist tätig bei der UN, dort befindet sich auch das Zentrum für Bio-Ethik, an dem die einzige fest angestellte Lobbyistin derartige Themen von Fragen der Klonierung über Familienplanung und Frauenrechte hinsichtlich Sexualität wie auch der Einfluß von Gentechnik auf die Umwelt diskutiert werden.

Andere zentrale Themen sind Gewissensfreiheit und Frauen- und Kinderrechte. Darum geht es auch beim Menschenrechtsrat in Genf, wo sich einige Repräsentanten der IHEU speziell für die Verhinderung von Heiraten Minderjähriger einsetzen. Diese immer noch weitverbreitete Praxis in Indien, Afrika, aber auch unter Einwanderern nach Europa führt dazu, dass Mädchen zu wenig Bildung erhalten, sexuell ausgebeutet werden und oft zu früh schwanger werden und dadurch erkranken oder gar sterben. Ein Ziel der Arbeit ist auch, die Regierungen westlicher Länder auf dieses Problem aufmerksam zu machen und mitzuhelfen, dass Mädchen, die in ihren Ländern aufwuchsen, nicht zurück in die Herkunftsländer der Familie verschleppt und vorzeitig verheiratet werden. Zu diesem Kampf für die Rechte von Kindern, speziell Mädchen gehört auch die Verhinderung der weiblichen Beschneidung. Bei der UNESCO in Paris gab es verschiedene Wechsel bei den Repräsentanten, die nun erst wieder mit voller Kraft anfangen zu arbeiten. – Wer Lust und Zeit hat und mindestens eine weitere Sprache spricht, kann sich ebenfalls mitengagieren. Die Arbeit lohnt sich auch für junge Menschen, die als Studenten/innen etwa internationale Arbeit von anderer Seite her kennenlernen.

Renate Bauer