Pressedienst Ausgabe 5-2005


Ehrenmitgliedschaft für Dr. Finngeir Hiorth

Der international geachtete norwegische Philosoph, Autor und Freigeist Dr. Finngeir Hiorth ist im Rahmen eines Kosmologie-Seminars in Neustadt am Rübenberge (bei Hannover) zum Ehrenmitglied der Freigeistigen Aktion für humanistische Kultur e.V. ernannt worden.

Der Autor zahlreicher freigeistiger Bücher, die internationale Verbreitung finden, konnte die Ehrung aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst entgegennehmen. Stellvertretend für den ehemaligen Dozenten der Universität Oslo nahm Prof. Dr. Hans-Günter Eschke (Jena) die Urkunde entgegen und bedankte sich im Namen Hiorths. Für den hiesigen Buchmarkt sind einige von Finngeir Hiorths Büchern vom Angelika Lenz Verlag in deutscher Sprache herausgegeben worden, und zwar: "Atheismus - genau betrachtet", "Humanismus - genau betrachtet", "Ethik für Atheisten" und als jüngstes Werk "Urknall - ja oder nein? Wissenschaft, Religion und Philosophie".


"Irgendwo ein Punkt"
Kosmologie-Seminar der Freigeistigen Aktion

Wer sind wir, woher kommen wir und wohin gehen wir? Das sind die uralten Fragen, die den Menschen angesichts des gestirnten Himmels überkommen. Bei einem kürzlich in Neustadt am Rübenberge (bei Hannover) abgehaltenen Kosmologie-Seminar gab es gute Gelegenheit, diese Fragen zu vertiefen. Die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. und der Angelika Lenz Verlag hatten in guter monistischer Tradition einen wissenschaftlich untermauerten Blick in den Bereich der Kosmologie ermöglicht. Die Teilnehmer bekamen in den zwei Tagen einen sowohl wissenschaftshistorischen als auch philosophischen und astrophysikalischen Hintergrund für die Problemstellung.

Die Kosmologie ist eine sehr weit in die Menschheitsgeschichte zurückreichende Wissenschaft, die zuerst fast immer Spekulation war und erst mit der Aufwärtsentwicklung der technischen Möglichkeiten allmählich ihre Bestätigung erfuhr. Obwohl das so ist, gerät man immer ins Staunen über die Geis-teskraft der antiken Astronomie, deren Denkergebnisse zum Teil bis heute Gültigkeit haben. Die bei ihnen bereits gesicherte Geozentrizität wurde im kirchengeprägten Mittelalter wieder zurückgenommen und musste im Kampf gegen die Inquisition mit viel Mut durch Menschen wie Tycho de Brahe, Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Giordano Bruno behauptet werden. Wenn wir uns an den Tod Brunos auf dem Scheiterhaufen erinnern, gewinnen wir einen Eindruck vom Ringen um ein säkulares und wissenschaftlich begründetes Weltbild.
Im Anschluss an diesen Exkurs, der von Arnher Lenz und Bernhard Ahl-brecht gestaltet wurde, gab Gerd Weidemann von der Volkssternwarte Hannover einen achtungsgebietenden Einblick in die Kosmosforschung unserer Zeit. Hier bekamen die Teilnehmer einen Eindruck vom Aufschwung der Physik, die zu einer Grundlagenwissenschaft für die Kosmologie wurde. Die Einsteinsche Formel E = mc2 führte, in diesen Zusammenhang gestellt, zu beachtlichen Einsichten in den Energiehaushalt unserer Sonne. Spätestens bei dem Hinweis, dass unsere Sonne eine unter vielen Milliarden ist und unser Milchstraßensystem ebenfalls nur irgendeines unter Milliarden ähnlicher Systeme ist, schrumpft die eigene Größe ins Unbedeutende. Die Raumzeit mit ihrer Dimension "Lichtjahr" bestärkte diesen Eindruck noch wesentlich, als zu erfahren war, wie viele Millionen Lichtjahre die Ausdehnung des Universums beträgt.
Der "Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet ... meine Wichtigkeit". Dieser Eindruck Kants bei der Himmelsbeobachtung war der "geistige" Aufhänger Dr. Volker Muellers für seinen Vortrag: "Immanuel Kant zwischen Kosmologie und Aufklärung". Sehr plastisch stellte der Vortragende die Bedeutung Kants für die philosophische Begleitung der Kosmologie heraus. Zugleich aber positionierte er Ernst Haeckel mit seiner stärker säkularen wissenschaftlichen Leistung dagegen. Natürlich würdigte er in seinen Ausführungen in Haeckel auch den Begründer des Monismus. Insgesamt rundete Volker Mueller den Eindruck ab, dass Gott in der Kosmologie keinen Platz hat.
In einem Resümee muss festgehalten werden, dass die Annäherung an dieses zutiefst weltanschauliche Thema in einer säkularen, nichtreligiösen Haltung vollzogen wurde, die in jeder Betrachtungsphase von einer achtungsvollen Ethik erfüllt war.
Im Rahmen des Kosmologie-Seminars der Freigeistigen Aktion wurde der norwegische Philosoph, Autor und Freigeist Dr. Finngeir Hiorth zum Ehrenmitglied der F.A. ernannt (siehe vorstehenden Bericht).

Peter Reuther
Freireligiöse Gemeinde Berlin



HUMANISTISCHE UNION fordert angesichts der Krise der Staatsfinanzen den finanziellen Solidaritätsbeitrag der Kirchen

Der staatliche Sozialabbau nimmt von Tag zu Tag schlimmere Ausmaße an. Angesichts des finanziellen Kahlschlags, der mit dem Abschluss der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD droht, wird die Situation für sozial Schwache immer prekärer. Für sie bedeuten Mehrwertsteuererhöhung, faktische Rentenkürzungen etc. ein Leben unterhalb des Existenzminimums. Wo bleiben angesichts der Abbrucharbeiten am verfassungsrechtlichen Sozialstaatsprinzip die großen christlichen Kirchen?

- Der Staat nimmt den Kirchen die Arbeit ab, ihre Mitgliedsbeiträge (ca. 7,9 Mrd. Euro jährlich) zu kassieren.
- Öffentliche Kassen finanzieren kirchliche Einrichtungen mit rund 10 Mrd. Euro jährlich, aufgebracht von allen SteuerzahlerInnen - ob Kirchenmitglieder oder nicht, ob Moslems oder Atheisten. - Die Steuereinbußen aufgrund der Absetzbarkeit der Kirchensteuer als Sonderausgabe belaufen sich zur Zeit auf rund 3,7 Mrd. Euro im Jahr.
Als völlig selbstverständlich sehen es die Kirchen wohl auch an, dass sie von allen Steuerzahlungen befreit sind, auch von der Vermögenssteuer. Sie zahlen keine Gerichtskosten und Verwaltungsgebühren, und die Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses schlägt mit rund 630 Mio. Euro zu Buche.
Aus Steuermitteln werden auch die sogenannten Staatsleistungen und Sonderzuweisungen aufgrund von Konkordaten und Kirchenverträgen bezahlt. Die Staatsleistungen, genauer die Dotationen der Bundesländer, belaufen sich auf rund 420 Mio. Euro jährlich. Diese Zahlungen sind Ersatzleistungen für Enteignungen von Kirchengütern aus der Reformationszeit (!) und aus der Zeit der Kriege Napoleons (!); sie werden sogar von den neuen Bundesländern eingefordert. Die Rechtskonstruktion ist abenteuerlich, auch angesichts der Umstände, unter denen die Kirchen im Laufe der Geschichte an ihr Vermögen gekommen sind. Seit der Weimarer Reichsverfassung 1919 besteht der Verfassungsauftrag, diese Staatsleistungen abzulösen.
Die Kirchen sollten von sich aus ein Zeichen setzen und auf weitere Zahlungen aus Staatsleistungen verzichten. Ein solcher Schritt wäre ein wirksames Signal in der eskalierenden Krise der Staatsfinanzen. Sollten aber die Kirchen weiter auf ihren Sonderprivilegien beharren und sich jeder Einsicht verweigern, dürfen die politisch Verantwortlichen einer gesetzlichen Neuordnung der Kirchenfinanzierung nicht länger ausweichen.

Rückfragen bitte an: Martina Kant (Bundesgeschäftsführerin),
Tel.: (030) 204 502-56, E-Mail: info@humanistische-union.de


Lebenskunde als Alternative zum Religionsunterricht

Die Brandenburger Regionalverbände der Humanisten und Freidenker bemühen sich seit einigen Jahren, dass auch ihr gemeinsamer Dachverband, der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg e.V. (HVBB), als freie Weltanschauungsgemeinschaft das Recht - wie die beiden christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften - erhält, ein eigenes Unterrichtsangebot an Brandenburger Schulen entwickeln und gestalten zu dürfen. Der Humanistische Freidenkerbund Brandenburg e.V. ist hierbei von Anfang an ein aktiver Mitwirkender. Nachdem ein entsprechender Antrag des HVBB vom Potsdamer Bildungsminis-terium abgelehnt wurde, musste eine Klage des HVBB beim Landesverwaltungsgericht und nun auch beim Landesverfassungsgericht behandelt werden. Hier gilt das grundsätzliche Gleichstellungsgebot aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, neben dem katholischen und evangelischen Religionsunterricht auch "Humanistische Lebenskunde" an märkischen Schulen unterrichten zu dürfen.

Das Landesverfassungsgericht in Potsdam teilte nun mit, dass am 15. Dezember 2005 mit einem Urteil zu rechnen sei. Der Staat ist sowohl nach dem Grundgesetz und der Landesverfassung als auch nach europäischem Recht zu "weltanschaulicher Neutralität" verpflichtet. Niemand dürfe wegen seiner religiösen, weltanschaulichen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden; dies gilt ebenso für diejenigen Menschen in Brandenburg, die eine freie humanistische bzw. freidenkerische Weltanschauung besitzen und sich selbst als konfessionell nicht gebunden betrachten. Das gesellschaftliche Fundament in Brandenburg wie im übrigen Deutschland ist nicht christlich, sondern weltanschaulich und kulturell vielfältig geprägt. Die Bevorzugung der Kirchen zur alleinigen Durchführung eines Religionsunterrichtes ist nicht gerechtfertigt, denn wir leben in einem säkularen Staat.
Das Bestreben des Humanistischen Freidenkerbundes, mit dem HVBB ein freiwilliges Unterrichtsfach Lebenskunde auch in Brandenburg einzuführen, steht nicht im Gegensatz zu der Unterstützung eines werte- orientierenden integrativen Unterrichts für alle Schüler, wie er in dem staatlichen Schulfach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) im Bundesland Brandenburg gut realisiert wird. Lebenskunde soll z.B. auch nur in der Grundschule, eventuell in der Sekundarstufe II sowie an Schulen, wo kein LER durchgeführt wird, stattfinden. Lebenskunde ist eine Alternative zum Religionsunterricht, nicht zu LER.
Der HVBB bereitet sich solide aufgrund vieler Forderungen von Eltern, neben dem kirchlichen Religionsunterricht auch "Humanistische Lebenskunde" für konfessionslose Schüler anzubieten, auf einen eigenen humanistischen Unterricht in Lebenskunde vor. Die Regionalverbände des HVBB haben durch ihr zum Teil jahrelanges Wirken vor Ort in der Jugendarbeit, in der Hilfe für Menschen mit sozialen Problemen, in der Gestaltung eigener kultureller Angebote wie der Jugendfeier, den Namensfeiern, der weltlichen Trauerkultur, in der Jugend- und Erwachsenenbildung, in den Aktivitäten gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Toleranz und Demokratie in Brandenburg und vielem mehr bewiesen, dass sie ein verlässlicher und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil sozialer und kultureller Wirklichkeit in Brandenburg sind.

Dr. Volker Mueller
Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg



Ludwig-Feuerbach-Gesamtausgabe in Gefahr

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) musste mit großer Sorge zur Kenntnis nehmen, dass das Schicksal der neuen Gesamtedition der Werke, des Briefwechsels und Nachlasses von Ludwig Feuerbach in 22 Bänden ungeklärt ist und die für die Vollendung der Gesamtedition notwendigen materiellen und personellen Voraussetzungen bisher nicht vollständig geschaffen werden konnten.

Mit dem Ende der Förderung der vollständigen Edition des Gesamtwerks des großen deutschen Denkers, Philosophen und Religionskritikers zum 31.12.2004 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften blieben die drei Bände 15, 16 und (der Abschlussband) 22 noch unvollendet.
Der Herausgeber der Gesamtausgabe, Prof. Dr. Werner Schuffenhauer weist darauf hin, dass dringend Hilfe nötig ist. Für eine alsbaldige Fertigstellung haben er und andere (teilweise arbeitslose) Wissenschaftler Bemühungen unternommen, die noch notwendigen Arbeiten zum Abschluss zu bringen. Angesichts der Bedeutung des Vorhabens, dass zur Stellung Feuerbachs im philosophischen Leben des 19. Jahrhunderts und dass neben der Pflege seines Werkes durch eine bislang unerreichte Vollständigkeit seiner Veröffentlichungen, seines Briefwechsels und auch nachgelassener handschriftlichen Fragmente viele neue Erkenntnisse vermittelt werden, ist es gelungen, durch die Bundesagentur für Arbeit und das Land Berlin eine großzügige Förderung zu erreichen. Bedingung dieser Förderung ist allerdings der Einsatz von Eigenmitteln in Höhe von insgesamt 21000 Euro, die jedoch nicht vorliegen.
Prof. Werner Schuffenhauer weist auf die Inhalte der drei noch fehlenden Bände hin: Die noch abzu-schließenden Arbeiten betreffen erstens den Band 15 (Nachlass III: Erlangen 1835/36), mit den bedeutenden "Vorlesungen über die Geschichte der neueren Philosophie", die - entgegen den traditionellen Darstellungen - nicht erst mit Descartes, sondern bereits mit der italienischen Aufklärung anheben - und reichen bis zur klassischen deutschen Philosophie, mit G. W. F. Hegel als ihrem Höhepunkt. Des weiteren enthält der Band Studien, Kritiken und Aphorismen aus den Jahren 1823-1840, d.h. aus der Erlanger und der Bruckberger Zeit, in der sich Feuerbach zu einem schöpferischen philosophischen Kritiker entwickelte.
An zweiter Stelle steht der Band 16 (Nachlass IV: 1840-1869), mit Beiträgen aus der Bruckberger und der Nürnberger Zeit, zum "Wesen des Christentums" und dem "Wesen der Religion", die hochinteressante Studie "Zinzendorf und die Herrnhuter", Ergänzungen zur "Theogonie", Fragmente zu "Spiritualismus und Materialismus" und vor allem die unvollendete Schrift "Zur Moralphilosophie" aus den Jahren 1868/69.
Drittens bietet der Abschlussband 22 der Feuerbach-Gesamtausgabe einmal 139 Briefe aus den letzten Lebensjahren (1869-1872) und 100 bisher kaum bekannte Briefe von und an Feuerbachs Gattin Bertha und die Tochter Leonore (aus den Jahren 1856-1920, die viel zur Biographie und zur Beurteilung der Persönlichkeit Feuerbachs beizutragen vermögen). Sie bieten teilweise interessante Beiträge zur Nürnberger Lokalgeschichte, da sie vorwiegend Nürnberger Absender oder Empfänger-Adressen tragen.
Mit dem Abschluss der Briefwechsel-Edition finden sich dann in der Gesamtausgabe insgesamt über 1200 Briefe und Brief-Entwüfe mit über 120 Korrespondenten, darunter mit so bedeutenden Persönlichkeiten des geistig-kulturellen und politischen Lebens der Epoche wie Arnold Ruge, Otto Wigand, Georg Herwegh, Karl Marx, Gottfried Keller, Jakob Moleschott, Karl Vogt, Richard Wagner, Ferdinand Lassalle oder dem französischen Arbeiterführer Edouard Vaillant.
Der Abschlussband enthält weiter Nachträge zu den 12 Schriftenbänden, darunter eine Reihe erst in jüngster Zeit bekannt gewordener Veröffentlichungen, und schließlich Dokumente und Abbildungen, Dubiosa und Corrigenda sowie Indizees der Gesamtausgabe. Zu den Arbeiten am Abschluss der Gesamtausgabe gehört schließlich die Erfassung aller wesentlichen, im Arbeitsprozess der Gesamtausgabe ermittelten und benutzten archivalischen und bibliographischen Grundlagen der Editionsarbeit.

Der DFW ruft alle Interessenten auf, einen Beitrag bzw. eine Spende für die geforderten Eigenmittel bereitzustellen. Damit würde ein wichtiger Beitrag zur Wahrung des Andenkens an den großen religionskritischen Philosophen, aufklärerischen Denker und freigeistigen Kämpfer geleistet werden. Zugleich würde so ein wichtiger Beitrag zur Pflege und Vollendung einer beachtlichen kulturgeschichtlichen Leistung erbracht.


Für mehr Flexibilität in der Bestattungsform

Zu ihrem Tag der Bestattungskultur konnte die Freireligiöse Gemeinde Ludwigshafen auch Bestattungssprecher aus Bayern begrüßen. Nach einem Workshop für Freireligiöse Bestattungssprecher eröffnete Ursula Kuntz-Kief, Altrip, den öffentlichen Teil des Tages mit einem Vortrag zum Thema Freireligiöse Bestattungskultur. Sie wies darauf hin, dass sie als freireligiöse Bestattungssprecherin besonders darauf achte, mit Wahrhaftigkeit und Achtung die verstorbene Person zu würdigen und die Hinterbliebenen dabei zu unterstützen, die der verstorbenen Person und die ihnen gemäße Form des Abschiednehmens zu finden. Die innere Haltung, die dabei der Sprecher selbst zum Tod und zu den Menschen entwickele, müsse in diesem Prozess deutlich werden als Stütze und Trost und als Ermutigung, den eigenen Weg zur Bewältigung der Verlusterfahrung zu gehen.

Der Bestatter Michael Scherer, Limburgerhof, erläuterte im folgenden Vortrag die Möglichkeiten einer Bestattungsvorsorge, die Menschen zu ihren Lebzeiten treffen können. Er stellte die rechtlichen Fragen in diesem Gebiet dar, den Sinn einer Bestattungsvorsorge, der nicht nur darin gesehen werden sollte, die Angehörigen finanziell zu entlasten, sondern auch, für sich selbst schon eine würdige Bestattung gemäß der eigenen Vorstellung sichern zu können. Es sei immer auch eine Hilfe für die Angehörigen, wenn Wünsche zur Bestattungsforrn schon zu Lebzeiten in der Familie diskutiert würden, um so auch unterschiedliche Vorstellungen zu erfahren und ausgleichen zu können. Er erläuterte die einzelnen Schritte, die es dabei zu beachten gelte und die Finanzierungsmöglichkeiten. Er wies auch auf Nachteile einer Bestattungsvorsorge hin.
Frank Schöneberg, Bestatter aus Landau, stellte in seiner Beschreibung, was eine Totenmaske sei und wa-rum und wie sie zustande komme, einen gleichzeitig sehr alten und in der Form neuen Weg des Erinnerns und der Trauerarbeit dar. Das Abnehmen einer Totenmaske, das Festhalten der Gesichtszüge einer verstorbenen Person in einem Gipsabdruck, könne nicht nur dazu dienen, eine Erinnerung an den Verstorbenen zu bewahren, sondern auch bei der Bewältigung der Trauer helfen, so seine Erfahrung. Er wies darauf hin, dass nicht nur für bedeutende Menschen Totenmasken angefertigt würden, sondern diese jedem zugänglich seien. Wichtig sei ihm, die Einzigartigkeit eines verstorbenen Menschen auch darin zu würdigen, dass eine solche Maske mit einer verlorenen Form gewonnen werde, also jede Maske ein Unikat bleibe. Man solle sich die Entscheidung, eine solche Maske von einem Verstorbenen ahnehmen zu lassen, möglichst früh überlegen, da dafür ja nur der Zeitraum zwischen Tod und Beisetzung, im Normalfall maximal sieben Tage, bleibe.
Renate Bauer, Ludwigshafen, Landessprecherin, erläuterte in ihrem Schlussvortrag Patientenverfügung, Sterbebegleitung und Trauerbegleitung als notwendige Teile ihrer Betreuung von Menschen. Patientenverfügungen seien nicht nur Wege, den eigenen Willen deutlich zu machen für einen Zeitpunkt, wo man selbst als sterbender Mensch sich nicht mehr artikulieren könne, sondern auch Hilfen, sich das eigene Leben bewusst zu machen und mit den Angehörigen sich dem Thema Tod, Krankheit, Alter zu nähern und zu einem gegenseitigen Verständnis der persönlichen Wünsche zu gelangen.
Wichtig sei bei einer solchen Verfügung auch die Einbeziehung einer bevollmächtigten Person, die die niedergeschriebenen Vorstellungen vertreten könne. Sterbebegleitung sei wichtig nicht nur für den sterbenden Menschen, sondern auch für die Angehörigen sowohl zu deren Entlastung als auch zur Beratung und Unterstützung in der Würdigung des Sterbenden. Dass auch nach der Beisetzung Menschen Hilfe finden müssen in der Trauerbegleitung, sei ihr seit fast 20 Jahren ein Anliegen. Trauerbegleitung könne und solle nicht Trauer abkürzen, sondern in der Bewältigung helfen, ein Netz sein für schwere Momente, denn Trauern sei ungewohnt, verwirrend, wirke oft abschreckend auf andere und führe immer wieder zur Vereinsamung. Hier zuzuhören, anzuregen, in schweren Zeiten Stütze zu sein, wenn ein Mensch sich ganz in die Trauer hineinfallen lassen müsse, Blockaden zu erkennen und überwinden zu helfen, sei dabei die Aufgabe einer guten Trauerbegleitung. Immer gelte es, die innere Haltung der Trauernden he-rauszuarbeiten, wodurch jemand zurück ins Leben finde. Sie warnte dabei vor vorschnellen Lösungs- und Trös-tungsversuchen in Form von ausschließlichem Jenseitsbezug, denn die Hinterbliebenen müssen weiter im Jetzt zurechtkommen.
In der lebhaften Diskussion, die sich jedem Vortrag anschloss, wurde unter anderem diskutiert, welche Bestattungsmöglichkeiten zugänglich seien und ob die vor Ort angebotenen MögIichkeiten den Bedürfnissen der Menschen noch gerecht würden. Allgemein wurde der Wunsch nach mehr Flexibilität in der Bestattungsform deutlich, so die Anregung, Bestattungen unter Bäumen auch auf städtischen Friedhöfen und nicht nur in einem Friedwald zu ermöglichen oder Rasengräber einzurichten.

Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz


Zwei runde Geburtstage im Jahr 2006:
Freigeistige Aktion für humanistische Kultur und
Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg werden 100 Jahre alt

Im kommenden Jahr feiern die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. (F.A.) und die Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg, beide Mitglied im Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) ihre 100. Geburtstage.

Unter anderem ist vorgesehen, dass die 1906 als Deutscher Monistenbund gegründete F.A. in Zusammenarbeit mit dem Angelika Lenz Verlag ein Buch über Geschichte und Wirken des Monistenbundes herausgibt, an dessen Entstehung sich eine Reihe von Autoren beteiligt. Das Haeckel-Haus in Jena, die "Villa Medusa", wird 2006 eine Ausstellung präsentieren, die das Wirken des Gründers Ernst Haeckel zum Thema haben soll.
Die im Laufe ihrer Geschichte zweimal umbenannte F.A. (seit den 50er Jahren bis 2003 hieß sie Freigeistige Aktion/Deutscher Monistenbund e.V.) ist ein relativ kleiner, jedoch recht aktiver Bund, dessen Mitglieder im gesamten Bundesgebiet und im europäischen Ausland verteilt leben.
Die alle zwei Jahre stattfindende Bundesversammlung wählte kürzlich Arnher E. Lenz erneut zum Vorsitzenden, Klaus Hofmann zum stellvertretenden Vorsitzenden, Angelika Lenz zur Kassenführerin, Manja Stegemann zur Schriftführerin sowie Dr. Peter Jäckel als Beirat. Im Anschluss wurde am selben Wochenende ein Kosmologie-Seminar veranstaltet (s. Seite 1 f.).
Die ebenfalls 1906 gegründete Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg wird im März 2006 zu einer Matinee einladen und am 24. September 2006 die offizielle 100-Jahr-Feier in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle ausrichten. Gleichzeitig findet am 24.09.2006 der Hessische Landestag der Freireligiösen Landesgemeinschaft Hessen, K.d.ö.R., statt, deren Mitglied die Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg ist.
Geplant ist, dass sich die Freigeistige Aktion an der Feier der Freireligiösen Gemeinde Neu-Isenburg beteiligt. Damit würde eine alte Tradition fortgeführt, da Freireligiöse und Monisten schon in früheren Zeiten gemeinsame Ziele verfolgten und im Sinne der freigeistigen Bewegung zusammengearbeitet haben.