Pressedienst Ausgabe 4-2007


„Robert Blum (1807–1848) – Demokrat, Revolutionär, Freigeist“

Festveranstaltung und Tagung des DFW zum Robert-Blum-Jahr 2007

Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften hat das Jahr 2007 als Robert-Blum-Jahr ausgerufen, um den vor 200 Jahren geborenen Freigeist Robert Blum zu würdigen. Der DFW und die Freireligiöse Gemeinde Berlin haben am 23. September 2007 in Berlin Robert Blum in einer bundesweiten Festveranstaltung als standhaften Demokraten, Freiheitskämpfer und Revolutionär und als Freireligiösen geehrt.

Nach der Eröffnung der Festveranstaltung durch den Präsidenten des DFW, Dr. Volker Mueller, hat Walter Momper (SPD), Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, in seinem Grußwort Blum als bedeutsamen Demokraten und einen der Begründer einer freireligiösen Bewegung in Deutschland gewürdigt. In dem Grußwort von Wolfgang Thierse (SPD), Vizepräsident des Deutschen Bundestages, wurden die Leistungen Blums für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sowie seine freiheitsgeschichtliche Bedeutung für die Gegenwart hervorgehoben. Weitere Gäste aus der Politik und aus verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Vereinigungen waren anwesend, unter ihnen der Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, Herr Rainer Schrauth, und der Präsident der Freien Akademie, Herr Prof. Dr. Jörg Albertz.

Die Festansprache hielt Dr. Hinrich Enderlein (FDP). Blums Leben und Wirken, seine Bedeutung in der Demokratiegeschichte und bei der Entwicklung von Religion und Weltanschauung außerhalb der Kirchen standen dabei im Mittelpunkt. Er hob besonders wichtige religionspolitische Fragen einer Trennung von Staat und Kirche bis heute hervor. Das „Robert-Blum-Kollegium“ unter der Leitung von Kirsten Reuther hat dann auf hervorragende Weise mit Schauspiel und Musik kurzweilig und auf hohem künstlerischem Niveau das Leben Blums nahegebracht.

Am Vortage setzte man sich in einer gut besuchten historischen und wissenschaftlichen Tagung des DFW mit dem Wirken und den Standpunkten Robert Blums intensiv auseinander. Als Referenten kamen zu Worte: Dr. Wolfgang Heyn (Zentrum zur Erforschung der freireligiösen Bewegung, Berlin), Prof. Dr. Frank Engehausen (Historisches Seminar der Universität Heidelberg), Hans Jörg Schmidt (Stadtarchiv Schriesheim) und Ute Janz (Freireligiöse Landesgemeinde Baden, Ludwigshafen). Die Tagungsergebnisse werden publiziert werden.

Nicht nur sein Märtyrertod am 9. November 1848 ist Anlass, sich mit ihm zu beschäftigen, sondern sein enormer Einsatz für eine demokratische, rechtsstaatliche und freiheitliche deutsche Republik. Die demokratiegeschichtliche Erinnerung an Robert Blum lediglich auf seine standrechtliche Erschießung zu reduzieren – wir denken an das geflügelte Wort „erschossen wie Robert Blum“ –, wird dieser historischen Persönlichkeit und der bleibenden Leistung Blums nicht gerecht. Als deutscher Politiker des revolutionären Vormärz, Akteur der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49 und Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche hat er Bedeutendes für unsere Gegenwart geleistet. Er war Wortführer der Linksliberalen in der Nationalversammlung und einer seiner zeitweiligen Vizepräsidenten. Seine Auffassungen über Demokratie, Volkssouveränität und Freiheit sind eine historische Wurzel unseres geltenden Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Robert Blum wurde am 22. und am 23. September 2007 ebenfalls als Mitinitiator und Gründer einer neuen religiösen Bewegung in Deutschland, die in Opposition zur römisch-katholischen Kirche stand, gewürdigt. Dies ist ein bisher vernachlässigtes Thema. Blums Engagement für eine freie Religion, in der das Denken frei und der Glaube ohne Zwang sei, ist mit den zeitgenössischen Bestrebungen in Zusammenhang zu sehen. Die Religionsfrage und die gesellschaftspolitische Frage nach der Allianz von Thron und Altar hat gerade in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts große Sprengkraft. Dabei ist u.a. an Johannes Ronges Kritik der Zurschaustellung des sog. „Heiligen Rocks“ 1844 in Trier zu denken, die zu einem religiösen Aufbruch in Deutschland und zur Entstehung freireligiöser Gemeinden, zunächst in Form deutschkatholischer Gruppen und der Lichtfreunde, führte.

Blum gehört zu den Vätern und Gründern der freireligiösen Bewegung in Deutschland und ist ein bedeutsamer Freidenker und Humanist gewesen. Der DFW ist stolz auf seine historischen Verdienste für Demokratie und Freiheit in Deutschland.

Dr. Volker Mueller


„200. Geburtstag von Robert Blum“ - Bundesversammlung der Freireligiösen steht im Zeichen des Freigeists

Die Bundesversammlung des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) findet am 10. und 11. November 2007 im Haus der Freireligiösen Gemeinde Offenbach statt.

Im Robert-Blum-Jahr, ausgerufen vom BFGD und dem Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) gibt es neben der Delegiertenversammlung am 10. November noch weitere Programmpunkte, die im Zeichen des Gedenkjahres stehen. So soll am Samstag, 10. November, eine Fahrt zur Robert-Blum-Gedenkstätte nach Petterweil stattfinden und am Sonntag, 11. November, eine Feierstunde im Haus der Frei-religiösen Gemeinde am Schillerplatz 1 in Offenbach.

Robert Blum, deutscher Politiker der Märzrevolution und Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, wurde 1848 standrechtlich erschossen.

Seit 1835 war er ständiger Mitarbeiter der liberalen Zeitung für die elegante Welt. 1836 arbeitete er kurz in der Leipziger Freimaurerloge Balduin zur Linde mit. 1839 wirkte Blum im oppositionellen Hallgarten-Kreis mit. Die liberal-republikanische Bewegung in Sachsen erlebte mit Blum als gutem Organisator und überzeugendem Redner seit 1840 einen erheblichen Aufschwung. Im gleichen Jahr erschienen erstmalig die Sächsischen Vaterlandsblätter, in denen 1844 der offene Brief Johannes Ronges veröffentlicht wurde.

Im März 1845 fand unter der Führung Blums das erste deutsch-katholische Konzil in Leipzig statt, das den Beginn der freireligiösen Bewegung darstellt, und der Redeübungsverein (Tarnname) wurde gegründet. 1846 wurde Blum Stadtverordneter in Leipzig, Zwickau delegierte ihn 1848 ins Frankfurter Vorparlament, wo er zu einem der Vizepräsidenten und in den Fünfzigerausschuss gewählt wurde. Er führte die radikalliberale Fraktion an, die das Prinzip der Volkssouveränität vertrat. Während der Wiener Oktoberrevolution trat Blum im Wiener Gemeinderat, im Reichstagsausschuss und im Studentenausschuss auf, wo er am 23. Oktober eine viel beachtete Rede über die auf Freiheit basierte Ordnung hielt. Am 25. Oktober trat Blum in das Elitekorps ein und nahm als Kommandeur der ersten Kompanie an der militärischen Verteidigung des revolutionären Wien teil.

Am 4. November wurde Blum verhaftet und am 8. November von einem Standgericht zum Tode durch den Strang verurteilt, später zum Tod durch Pulver und Blei „begnadigt“. Unter Missachtung seiner Abgeordnetenimmunität wurde er am 9. November um 9 Uhr exekutiert. Sein Tod unterstreicht die Machtlosigkeit der Frankfurter Nationalversammlung und macht ihn zum Symbol der gescheiterten Märzrevolution. Für die junge Demokratiebewegung in Deutschland wird er zu einer ihrer wesentlichen Leitfiguren, ja zu einem Märtyrer.

Der DFW hat Robert Blums 2007 in mehreren Veranstaltungen gedacht und sein Erbe für gegenwärtige Problemstellungen nutzbar gemacht.

 

Freigeistige Aktion für humanistische Kultur hat einen neuen Vorstand gewählt

Die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. (FA) hat einen neuen Vorstand gewählt. Auf ihrer Bundesversammlung am 5. Oktober in Neu-Isenburg standen der Vorsitzende Arnher E. Lenz, der Stellvertretende Vorsitzende Klaus Hofmann und die Kassiererin Angelika Lenz nach langjähriger Tätigkeit nicht mehr für Neuwahlen zur Verfügung. Gewählt wurde wie folgt: Ortrun E. Lenz M.A. als Vorsitzende, Melanie Hofmann als Stellvertretende Vorsitzende, Jasmin Hofmann ist die neue Kassiererin, Manja Stegemann ist weiterhin die Schriftführerin und Beisitzer blieben Dr. Peter Jäckel und Dr. Erich Satter, Revisoren sind Walter Witt und Dr. Volker Mueller.

Ortrun Lenz dankte den zurückgetretenen Vorstandsmitgliedern und hob besonders die Arbeit von Arnher und Angelika Lenz hervor, die zwei Jahrzehnte lang die Geschicke der FA gelenkt hatten und vor allem mit ihrer Seminarorganisation viel zur Entwicklung der FA beigetragen haben. Vor allem Arnher Lenz hat mit der inhaltlichen Gestaltung einer ganzen Reihe von Seminaren über einen langen Zeitraum viele für Freigeister wichtige Themen bearbeitet. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Gegenden Deutschlands, auch aus anderen Verbänden. Arnher Lenz: „Die Arbeit mit und in der Freigeistigen Aktion hat mir nach meinem Eintritt zum 1. Januar 1981 von Anfang an viel Spaß und Freude bereitet. Den Vorsitz hatte ich 1987 übernommen, nachdem Willi Henkel im Alter von 90 Jahren aus Altersgründen nicht mehr kandidierte. Gemessen an Willi Henkels Alter bin ich zwar mit 72 Jahren noch verhältnismäßig jung, jedoch ist es an der Zeit, der mittleren und jungen Generation die Verantwortung durch eine Wahl in den Vorstand zu übertragen.“

Zum Schluss wies er auf die Arbeit des Angelika Lenz Verlages hin, der traditionell eng mit der FA zusammenarbeitet. „Ich möchte mich bei allen, die mich auf diesem Weg und beim Eintreten für Geistes- und Gewissensfreiheit begleitet und mit mir gemeinsam dafür gestritten haben, bedanken. Ein ganz besonderer Dank gebührt unserer Autorenrunde, die wesentlich zur Formulierung unserer Anliegen und zur Profilierung im Rahmen des Dachverbandes und darüber hinaus beigetragen haben, sowie den Referenten unserer Seminare, die geholfen haben, das Vereinsleben zu bereichern.“

Das am folgenden Tag durchgeführte Seminar „Ethik in einer europäischen Wertegemeinschaft“ brachte wieder einmal eine Reihe von interessanten Vorträgen, deren Ergebnisse demnächst in einer Broschüre veröffentlicht werden sollen. Kurzfassungen der Referate von Dr. Erich Satter (Graz/Wiesbaden) und Dr. Oliver Vollbrecht (Frankfurt) stehen demnächst auf der Homepage www.freigeistige-aktion.de zum Download bereit.

Ortrun E. Lenz

 

Toleranz-Kampagne 2007

Diese besondere Aktivität gestaltet der Humanistische Freidenkerbund Havelland e.V. (HFH) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Humanistischen und Ethischen Jugendorganisation (IHEYO) vom 22.9. bis 8.12.2007.

Aufgabe der Kampagne soll es sein, Toleranz und Respekt unter den Menschen, vor allem den jungen, gegenüber Minderheiten in einem öffentlichen Event darzustellen und weiterzuvermitteln. In der Kampagne wollen wir Informationen zum Thema geben, die eigene Aufmerksamkeit und Obacht der jungen Leute für Probleme anderer Jugendlicher anregen und junge Menschen zum Thema Toleranz weiterbilden und mitwirken lassen. Toleranz ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, um in einer friedlichen und gleichberechtigten Welt zu leben, sie hat religiös-weltanschauliche, kulturelle, individuelle und soziale Dimensionen und ist eine Grundlage für Freiheit und Selbstbestimmung. Die Jugend ist unsere Zukunft, und wir als Vereinigung im Havelland (HFH) und als internationale Jugendorganisation (IHEYO) sehen es als unsere Aufgabe an, Jugendliche noch mehr zur interkulturellen Toleranz und zu Menschenrechtsthemen zu bilden und aufzuklären, damit wir einen stärkeren Druck auf unsere Gegenwart machen können, um diese zu verändern.

Im Dezember dieses Jahres wird es in den an der Toleranz-Kampagne teilnehmenden Ländern Belgien, Norwegen, Finnland, Deutschland, Polen, Rumänien and Ungarn einen Toleranzevent zum „Tag der Menschenrechte“ geben. In Brandenburg wird er am 8. Dezember 2007 in Rathenow mit viel unterschiedlicher Kultur, anregenden Gesprächen und Informationen sowie Toleranz fördernden menschlichen Begegnungen stattfinden.

In den Wochen davor sind vielfältige Veranstaltungen zu historischen, aktuell politischen und kulturellen Themen, vor allem in Schulen und Jugendeinrichtungen, geplant.

Diese Kampagne ist eine gute Chance für Kooperation und ein besseres Netzwerk zwischen den einzelnen Jugendverbänden und Organisationen in Europa. Sie soll vor allem auch Jugendliche ermutigen, mit anderen jungen Menschen aus Europa und im eigenen Lebensumfeld in Kontakt zu treten. Wir sind offen für alle interessierten Menschen und Organisationen.

We are a global family - but we are all equal and all different!

Informationen und Anmeldungen sind zu richten an:

Humanistischer Freidenkerbund Havelland e.V.
14641 Nauen, Karl-Thon-Str. 42.
Tel.: 03321-450746. Email: freidenker-havelland@web.de
International Humanist and Ethical Youth Organisation
c/o Silvana Uhlrich, 14471 Potsdam, Geschwister-Scholl-Str. 63 A.
Tel.: 0331-9676123. Email: silvana.uhlrich@iheyo.org

Humanistischer Freidenkerbund Havelland e.V

 

Für die Streichung des Art. 7 Abs. 3 GG

Das Präsidium des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, für die ersatzlose Streichung des Artikels 7 Absatz 3 des Grundgesetzes einzutreten. Daraufhin hat Horst Prem, Vizepräsident des DFW, beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eine Petition eingereicht:

Der Petent bittet den Deutschen Bundestag, die Streichung des Artikels 7 Abs. 3 Grundgesetz (GG) zu beschließen.
Als Begründung wird ausgeführt: Artikel 7 (3) GG lautet: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.“

In der Praxis führt der Artikel 7 (3) GG zur Aufspaltung der Klassenverbände nach Konfessionen bzw. Religionen und Weltanschauungen. Dies widerspricht der Offenheit für eine Vielfalt der Meinungen und Auffassungen, die konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen sind. Er behindert die auf Toleranz und Nicht-Diskriminierung beruhende Integrationsaufgabe des Staates in einer pluralistischen Gesellschaft bis hin zur Gefährdung des inneren Friedens.

Integration setzt nicht nur voraus, dass die religiös oder weltanschaulich geprägte Mehrheit jeweils anders geprägte Minderheiten nicht ausgrenzt; sie verlangt auch, dass diese sich nicht abgrenzt und sich dem Dialog mit Andersdenkenden und Andersgläubigen nicht verschließt. Die Fähigkeit aller Schüler zu Toleranz und Dialog ist eine Grundvoraussetzung nicht nur für die spätere Teilnahme am demokratischen Willensbildungsprozess, sondern auch für ein gedeihliches Zusammenleben in wechselseitigem Respekt vor den Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen anderer.

Artikel 7 (3) GG in seiner jetzigen Formulierung eröffnet die Möglichkeit, die Integrations- und Nichtdiskriminierungs-Aufgabe des Staates zu umgehen. Im Zeitalter der durch internationalen Terrorismus bedrohten Grundwerte Europas ist hier Handlungsbedarf insbesondere auf dem Erziehungssektor geboten.

Artikel 7(3) GG ist mit dem Grundgesetz, dem Urteil des BVerfGE - 1BvR 2780/06 - vom 15.03.2007 und dem ECHR-Urteil 15472/02 vom 29. Juni 2007 nicht vereinbar und ist daher ersatzlos zu streichen.

Die Petition kann online unterzeichnet werden.

 

Freidenker-Jugendgruppe fährt nach Indien

Es ist wieder soweit: Eine zwölfköpfige Jugendgruppe aus dem Havelland reist im Rahmen des Jugendaustauschprogrammes des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland e.V. (HFH) vom 13. bis 27. Oktober 2007 nach Indien. Die Reise wird durch das Landesjugendamt mit Mitteln des Bundesjugendplans und durch das Jugendamt Havelland gefördert. Schon seit 11 Jahren gibt es einen fruchtbaren und kontinuierlichen Jugendaustausch mit der Partnerorganisation des HFH im indischen Unionsstaat Andhra Pradesh, dem Atheist Centre in Vijayawada.

Der Jugendaustausch gibt Jugendlichen aus Deutschland und Indien die Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten, um ihr Verständnis für eine andere Lebensgestaltung zu fördern und ein tolerantes Miteinander über ihre nationalen und sozialen Grenzen hinaus zu leben. Die Aufnahme von Kontakten und Freundschaften, das Kennenlernen der Familien der Jugendlichen und die Einbindung der Jugendlichen in die aktuellen Lebensbedingungen vor Ort lässt eine starke Verbundenheit entstehen und eine größere Sensibilität bei den jungen Leuten erfahren, welche diese in ihr eigenes Land wieder mitnehmen. Toleranz und Humanität stehen im Vordergrund.

Die deutschen und indischen Jugendlichen lernen das jeweils andere Land und ihre Menschen kennen, vor allem Kultur, Religionen und Weltanschauungen, soziale Lebenssituationen, das Bildungssystem und Lern-einstellungen, das Verhältnis von Mann und Frau, das indische Kastensystem, Probleme der Ernährung und des Gesundheitssystems sowie Armut und Reichtum als krasse Gegensätze. Fakten des Lebens, die sonst nur aus Schule, Fernsehen, Computer oder vom Hörensagen bekannt sind, sind auf diese Weise direkt erfahrbar. Die eigene Lebenseinstellung steht auf dem Prüfstand. In vielen Interaktionen mit jungen Indern in Schulen, Jugendeinrichtungen, sozialen Projekten, in abgelegenen Dörfern usw. und in gemeinsamer praktischer Arbeit wird das anfangs Unbekannte und Fremde zu etwas selbst Erlebtem und individuell Erfahrenen, zu einem freundschaftlichen Miteinander. Die teilnehmenden Jugendlichen erfahren ihre Eindrücke meist als „unvergessliche Erlebnisse“, welche ihr Leben und ihre Lebensanschauung sehr stark beeinflussen. Ihre Weltsicht, ihr kultureller Horizont und ihre soziale Einstellung ändern sich.

Nach der Rückkehr von unserer Jugendaustauschreise werden im Rahmen von Projekttagen an Schulen und von verschiedenen Veranstaltungen die gesammelten Erfahrungen und Eindrücke der Jugendlichen weitervermittelt

Dr. Volker Mueller

 

Präsident Barroso traf die EHF

Eine Delegation der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) hatte auf Einladung des Präsidenten der EU-Kommission Barroso ein Treffen mit ihm am 5. Juli 2007.

Im Rahmen einer lebhaften und offenen Diskussion drückte die EHF ihren Wunsch aus, vollkommen in diejenigen EU-Beratungen hinsichtlich öffentlicher Belange einbezogen zu werden, die moralische und ethische Überlegungen betreffen.
Die EHF verdeutlichte ihre Interessen bezüglich der Menschenrechtsdebatte in Polen, wie sie von den polnischen Humanisten berichtet wurden.
Der Präsident teilte unsere Sorgen wegen der Menschenrechtsverletzungen, die leider in verschiedenen Ländern der Europäischen Union auftreten.
Der Präsident der EU-Kommission begrüßte den EHF-Vorschlag, in einen Dialog einzutreten und wünschte, die Beziehung zur EHF fortzusetzen.
Die EHF-Delegation schenkte Präsident Barroso ein Buch mit dem Titel „Der europäische Traum“, das die EHF aus Anlass des 50. Jahrestages der Römischen Verträge herausgebracht hat.

Georges Liénard
General Secretary of the EHF