A Humanist Outlook in Global Life –

Deutsche und indische Freidenker über ihr Leben in der Einen Welt

Auf der Grundlage eines seit acht Jahren bestehenden Jugendaustausches zwischen dem Atheist Centre, Indien, und dem Humanistischen Freidenkerbund Brandenburg entstand während des letzten Zusammentreffens von deutschen und indischen jungen Freidenkern und Humanisten in Deutschland im August 2004 eine Deklaration zu wesentlichen globalen Problemen und Fragen unseres weiteren Zusammenlebens aus säkular humanistischer Sicht.

Die Deklaration steht unter dem Motto Mahatma Gandhis: „You must be the change you wish to see in the world.“ In ihr wurde die aktuelle Lage beider Länder betrachtet und versucht, eine Zukunftsvision zur Lösung von gegenwärtigen Problemen zu entwickeln. Unsere Themenschwerpunkte waren: humanistische Grundgedanken und Ideen, Intoleranz, Gleichberechtigung der Geschlechter und Globalisierung.

Humanität wird weltweit durch Humanismus reflektiert. Innerhalb unserer Deklaration wurde Humanität in drei Dimensionen unterteilt: die physische, die mentale und die humane Dimension. Die physische umfasst die Bereitstellung von genügend Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Grundlagen, die mentale Ebene das Recht auf Wissen und eine qualifizierte Bildung und die humane Ebene steht für humanistisches Verhalten. Dabei wird davon ausgegangen, dass die ersten zwei entwickelt und aufgebaut werden müssen, damit die dritte entstehen kann. Gegenwärtige Probleme wie Konsumgesellschaften, Selbstorientierung und Engstirnigkeit, Macht und Gewaltentwicklung durch Nukleartechnik und Kriege machen die Umsetzung jedoch schwer. Die Idee ist es, Menschen für diese Dinge zu sensibilisieren, sie zu öffnen, zu interessieren und für Frieden und Freiheit zu aktivieren.

Leben in Toleranz beinhaltet die Akzeptanz aller menschlichen Lebensformen, vor allem von Familie, Religion, Rasse, Hautfarbe, Aussehen, Geschlecht, Generation und Gedanken. Über die Welt verstreut gibt es viele verschiedene Probleme, aber Intoleranz gibt es überall und ist immer gleich. In Indien gibt es das inhumane Kastensystem, welches immer noch in den Traditionen verankert das ganze alltägliche Leben mitbestimmt und beeinflusst. Dazu kommen aktuelle Probleme wie Alkoholismus, Familien- und Eheprobleme. In Deutschland gibt es hauptsächlich Probleme mit Rassismus, mit weltanschaulicher Intoleranz und mit der Differenz zwischen arm und reich, die die sozialen Unterschiede gerade in der heutigen Zeit verstärkt zum Ausdruck bringen. Im Familienbereich kommen Probleme wie Alkoholismus, Gewalt und Missbrauch dazu. Dabei ist Toleranz die Basis des Lebens. Durch die Öffnung und Weiterbildung der Menschen sollen Probleme dieser Art gelöst werden. Jugendliche sollen durch Konfrontation und Einblicke in andere Bereiche ihren eigenen Horizont erweitern können und somit die Zukunft in ein tolerantes Miteinander führen.

Gleichberechtigung der Geschlechter beinhaltet nach Artikel II der Menschenrechte die freie Wahl und Entscheidung in allen individuellen Angelegenheiten inkl. der sexuellen Zugehörigkeit und die Gleichberechtigung aller in Bezug auf Geschlecht, Rasse, Hautfarbe etc. In dieser Diskussion wurden die theoretische und praktische Seite beider Länder gegenübergestellt in den Bereichen: Arbeit, Bildung, Heirat/Familie und LGBT. Als Ausblick für die Zukunft ging es in erster Linie um die Beibehaltung der erreichten Ziele und um eine vergrößerte und weiter greifende Aufklärung der Menschen, um Toleranz, Verständnis und Akzeptanz für alle zu erreichen.

Globalisierung umfasst die Zusammenführung und Berührung der Kulturen, welche die globale Kommunikation und das Verständnis erweitern und fördern. Nachteile der Globalisierung sind eindeutig der Focus auf Profit und der starke Verbrauch der Rohstoffressourcen. Das Motto „All different, all equal“ verbindet die menschliche Verschiedenheit durch die Individualität eines jeden mit der Gleichheit bei der Einhaltung der Menschenrechte und Werte. Als Ausblick dieses Themenschwerpunktes steht die Nutzung der Unterschiede zur eigenen bereichernden Horizonterweiterung.

Als Fazit unserer Deklaration steht der besondere Hinweis auf die Wichtigkeit unseres humanistischen Jugendaustauschprogramms. Weitere Austauschprogramme, wie auch Schulreisen, Auslandssemester oder internationale Kontakte ermöglichen uns, den globalen Rahmen in eine überschaubare und familiäre Umgebung zu verwandeln, die uns in unserem Denken und Handeln stark beeinflussen und weiterentwickeln kann. Wir sind überzeugt von der menschlichen Kraft der gegenseitigen Verständigung und wünschen uns diese Möglichkeiten für alle Menschen.

Silvana Uhlrich  (Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg)