Gemeinsam gegen Terror und Fundamentalismus

Erklärung zu den Ereignissen in Beslan

Unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme haben die Angehörigen der vielen toten Kinder und Erwachsenen, die durch den terroristischen Akt in Beslan/Russland umgekommen sind. Wir trauern mit ihnen und allen Menschen guten Willens auf unserer Erde!

In Sorge um das friedliche und freie Zusammenleben der Menschen und den zivilgesellschaftlichen Konsens appelliert der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) an alle Menschen – unabhängig von Religionen und Weltanschauungen –, Gefühlskälte, Hass, Intoleranz und  Kreuzzugsmentalität bei der Fürsorge und Erziehung der Kinder zu überwinden. Die Geiselnahme und grausame Opferung der Kinder in Beslan ist eine Herausforderung aller Völker dieser Welt. Sie macht deutlich, dass es keine Alternative zum Aufbau liebevoller und verlässlicher Eltern-Kind-Beziehungen, humanistischer Erziehung, zärtlicher Zuwendung, Verlässlichkeit und Geduld gibt. Eine „Erziehung“ zum menschenverachtenden Märtyrertum, wie sie in einigen islamistischen Gruppen praktiziert wird und eine Voraussetzung für derartige Terrorakte ist, steht im Gegensatz zum zivilgesellschaftlichen Konsens der Menschenrechte. Diesen Konflikt müssen vor allem die islamischen Länder selbst lösen.

Die Trennung von Politik und Religion im Islam ist nicht zu erreichen durch das Überstülpen westlicher, demokratischer Grundordnungen über Länder mit einer ganz anderen Tradition, so wie es anderswo die Vereinigten Staaten von Amerika versuchen.

Genauso wenig kann man Terror und Nationalitätenkonflikte wie in Russland durch Krieg lösen. Dies ist in der Geschichte immer misslungen. Demokratische Herrschaftsbegrenzung, Toleranz und Rechtstaatlichkeit müssen auch in asiatischen Staaten zu Werten von Bedeutung aufsteigen und das System der Scharia ablösen.

Insofern könnte unter anderem die Integration der Türkei in die Europäische Union ein Zeichen für eine friedliche Koexistenz von Ländern unterschiedlicher religiös-weltanschaulicher Herkunft sein. Nur mit erfolgreichen nachhaltigen Beispielen kann der Hass in der Erziehung überwunden werden und langfristig ein Beitrag zur künftigen Verhinderung dieser vielen toten Kinder und anderer Unschuldiger wie in Beslan geleistet werden. Der DFW fordert daher:

          eine umfassende Aufklärung über die Ereignisse in Beslan,

          die Wahrung der Presse- und Informationsfreiheit auch in Russland,

          die friedliche Lösung aller ökonomischen, politischen und ethnischen Konflikte sowie

          eine ehrliche Analyse der wirklichen Ursachen für Terror – weltweit und in Beslan.

Berlin, 13.9.2004       

Dr. Volker Mueller (Präsident) / Horst Prem (Vizepräsident)