Pressedienst Ausgabe 3-2008


Wohin brachte uns Charles Darwin?

Charles Darwin (1809–1882) brachte uns Menschen zu einem höheren Bewusstsein über die gleichartige Entstehung allen Lebens auf der Erde und damit zu einem höheren Bewusstsein über die relative Stellung des Menschen auf diesem Planeten. So könnte die kurz gefasste, einhellige Antwort der vergangenen wissenschaftlichen Tagung der Freien Akademie zum gleichnamigen Thema unter der souveränen Leitung des Wiener Evolutionswissenschaftlers Prof. Dr. Franz Wuketits lauten
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Die Tagung bestätigte bei allen Referenten und Teilnehmern den Kardinalsatz der Evolutionslehre, dass in der Biologie nichts einen Sinn mache, außer man betrachtet es im Lichte der Evolution. Ja, sie zeigte sogar, dass die Beschränkung auf die Biologie unnötig ist, denn auch die Entwicklung des Gemüts, seelischer, verstandesmäßiger und sozialer Vorgänge bei Lebewesen bis hin zur Kultur des Menschen sind evolutionsgeschichtlich gewordene Erscheinungen, so dass die Evolutionslehre eine Grundlage auch für die Human- und Sozialwissenschaften ist bzw. sein sollte. Freilich bleiben viele Lücken in der Evolutionstheorie – vor allem nicht bekannte Verzweigungen (connecting links) in den evolutionären Entwicklungsketten –, so dass die Evolutionstheorie insgesamt hypothetischen Charakter hat. Aber: hypothetisch ist die Evolutionstheorie, Tatsache jedoch ist die Evolution selbst.

Die Teleologie, das heißt die Vorstellung, dass die Entwicklung des Lebens auf der Erde einem sinnvollen Ziel folgt, ist erledigt. Das ist das eigentlich Revolutionäre der Evolutionslehre. Entdeckt hat Darwin die Teleonomie, das heißt, dass der Entwicklung von allem Lebendigen das Gesetz innewohnt, zu momentan noch überlebensfähigeren Artgestaltungen vorzudringen und zwar auf dem Wege der Variation bzw. Remutation (= Veränderung vorhandener Anlagen) und Selektion (= Auswahl der im Moment überlebensfä-higsten Varianten). Der Paläanthropologe Prof. Dr. Winfried Henke stellte daher heraus, dass der Kosmos eine „Schöpfung“ ohne Schöpfer ist; den evolutionären Vorgängen wohnt eine Gesetzmäßigkeit (nomen) inne, und es gibt keinen Lenker von außen. Um zu erklären, was entwicklungsgeschichtlich „richtig“, also „Fakt“, ist, braucht es keinen Schöpfer-Gott – wohl aber, so möchte der Berichterstatter ergänzen, möglicherweise dafür, um zu erkennen, was „wahr“, das heißt für den einzelnen Menschen unbedingt sinnstiftend ist. In der Natur gibt es keine mit Sinn erfüllten Absichten; es herrscht ausschließlich Wettbewerb. Es gilt allerdings keinesfalls das bei demokratiefernen Menschen so beliebte Wort vom „Recht des Stärkeren“: einen Vulgär-Darwinismus, der nur die Dummheit seiner Vertreter offenbart –, sondern im Gegenteil (!) das Recht des Tüchtigeren (bei gleicher Ausgangslage). Ein sogenannter Sozialdarwinismus, mit dem eine Gesellschaft legitimiert werden soll, in der ökonomisch Neoliberalismus und politisch Diktatur herrschen, wurde im Verlauf der Tagung radikal demontiert: das sog. „Recht des Stärkeren“ ist in Wirklichkeit die Abwesenheit von jeglichem Recht und jeglicher Rechtssprechung. Darwin selbst, das zeigte vor allem der beeindruckende Vortrag des Dortmunder Biologen und Biologiedidaktikers Prof. Dr. Bernhard Verbeek, ruft den Menschen auf, sein gattungsgeschichtlich gewachsenes Stammes- und Gruppenwesen hin zum Kosmopolitischen fortzuentwickeln und von seinen Stam-mesreligionen hin zu einer Weltreligion zu kommen. Darwin sagte 1859, dem Jahr der Veröffentlichung seiner Evolutionslehre, voraus, dass der Mensch an den Punkt kommen werde, wo er erkennen sollte, das bevorzugte Verhalten in und gegenüber der eigenen Gruppe auf den Umgang mit dem Fremden und damit auf alle Ethnien auszudehnen, wenn er als Gattung auf diesem Planeten eine – freilich relative – Überlebenschance haben will. Damit zeigt sich der Darwinismus als eine zutiefst humanistische Lehre und der Ordinärbegriff vom Sozialdarwinismus verdient diese Bezeichnung nicht, stellt vielmehr einen Missbrauch des authentischen Darwin dar.

Freilich genügt dieser Humanismus, wenn er denn überhaupt bekannt sein sollte, bestimmten Personen bzw. Gruppen nicht, die in der Evolutionslehre eine „Kränkung“ (Sigmund Freud) des Menschen in seinem Wesen sehen und umso hartnäckiger an der buchstäblichen biblischen Schöpfungslehre festhalten. Dies sind die sogenannten Kreationisten. Gemäß dem Vortrag von Prof. Dr. Dittmar Graf, Biologiedidaktiker an der Universität Dortmund, sind in Deutschland 20 % der Erwachsenen  und 40 % der regelmäßigen Kirchgänger in dem Sinn Kreationisten, dass sie die biblische Schöpfungslehre buchstäbisch für richtig halten und die Evolutionslehre deshalb ablehnen. Gerade in jüngster Zeit käme es in Europa, auch in Deutschland, beeinflusst durch Vorgänge in den USA, zu einer Renaissance des Kreationismus, etwa wenn Papst Johannes Paul II 1996 sagte, die Körperlichkeit des Menschen sei darwinistisch erklärbar, jedoch die „Geistseele“ des Menschen unmittelbar von Gott erschaffen. Um solchen Vorstellungen vorzubauen und Bestrebungen zu unterbinden, im Schulunterricht die Evolutionslehre (wieder) zu verbieten – oder gar Biologieunterricht, wie in Preußen zwischen 1882 und 1925 – plädierte Graf für mehr Wissenschaftspropädeutik im Schulunterricht. Denn wer ein Verständnis dafür hat, wie Wissenschaft arbeitet, akzeptiert auch eher die Evolutionslehre.

Zum Beispiel mit Darwins oben genannter Vorstellung von der Überwindung der evolutionär erworbenen Stammesliebe durch die Fremdenliebe sind wir beim Verhältnis von Natur und Kultur. Darwin selbst unterschied nicht streng zwischen erblich und kulturell bedingter Variation. Er kannte ja noch keine Gene und nicht einmal seinen Zeitgenossen Gregor Mendel (1822-1884) nahm er wahr. Freilich lässt sich Darwins Evolutionslehre voll mit der modernen Genetik und Molekularbiologie harmonisieren (= synthetischer Darwinismus), weshalb der „‘alte’ Darwin“ trotz späterer spektakulärster Entdeckungen auf dem Gebiet der Erblehre bis heute voll mit den „'neuen' Theorien“ vereinbar ist, wie Dr. Dr. Jan Bretschneider aus Weimar zeigte. Trotz blassem Erb-Begriff Darwins also ist seine Überzeugung, dass es keine von der Biologie der Lebewesen unabhängige Kultur gebe, bis heute voll gültig. Immer ist die Kultur, auch die Kultur des Menschen, geprägt durch die biologischen Erfordernisse, also durch das Überleben. Gemäß den Ausführungen des Wiener Ethnologen Prof. Dr. Erhard Oeser gibt es nach Darwin einen „moralischen Sinn der Tiere“, z. B. eine evolutionär entwickelte Pflicht, für seine Jungen zu sorgen, wobei hier bei komplexeren Lebewesen ein Verhaltensspektrum nachweisbar ist, also nicht von Instinkt, sondern von „Moral“ auszugehen ist. Darwin billigt auch Tieren „Sympathie“, „edle Treue“ und schließlich ein „Gewissen“ zu. In die hier angedeuteten evolutionären Vorgänge ist die Entwicklung der Moral und Kultur des Menschen voll eingebettet. Darwins Überzeugung vom Übergewicht des moralischen Sinns über jeden anderen Antrieb des Menschen, der im Wort „müssen“ zusammengefasst werden könne, korrespondiert der Pflichtethik des Philosophen Immanuel Kant (1724-1804). Nach Darwin gibt es auch hinsichtlich der moralischen und kulturellen Entwicklungen nur einen graduellen, keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Mensch und komplexeren Säugetieren. Nicht nur die Körperlichkeit, sondern auch Seele und Geist sind evolutionär entwickelt, und zwar beim Menschen die Körperlichkeit sehr langsam und seelische bzw. geistige Vermögen (gattungsgeschichtlich gesehen) eher schnell. Trotz dieses gattungsgeschichtlichen Tempos nimmt das menschliche Gehirn keine evolutionsgeschichtliche Sonderstellung ein, was durch die moderne Neurologie bestätigt wird. Auch der menschliche „Verstand, der die Gesetze des Universums erkennen kann“ und darüber weiß (= homo sapiens sapiens), kommt nach Darwin nicht außerevolutionär zustande. Das Bewusstsein ist eben nicht kultural, quasi schlagartig, sondern evolutionär entstanden. Obwohl Verstand, Moral und Kultur des Menschen voll evolutionsgeschichtlich geformt sind, ist die Teleonomie der Evolution nicht Moral, sondern Erfolg (im Sinne von besserer Überlebensfähigkeit). Der Mensch wird sich als moralisches und kulturelles Wesen von der Natur nicht emanzipieren können und sollen. Nach Prof. Dr. Verbeek geht es vielmehr darum, Rahmen zu schaffen, dass der Erfolgreiche nicht unmoralisch sein muss.

Wegen der Moralität aller komplexeren Lebewesen gibt es die Grenze zwischen Tier und Mensch nicht bzw. ist sie fließend. Hinsichtlich dieser grundlegenden, darwinischen Überzeugung korrespondieren Oeser und der Erforscher von Primaten Prof. Dr. Volker Sommer vom University College London. Er beobachtete eine kulturelle Vielfalt von Tieren gleicher Art, je nachdem, unter welchen Bedingungen sie leben. So gibt es z. B. Schimpansen aus dem einen oder anderen Kulturkreis. Sommer kommt zu der Überzeugung, dass es keinen Kulturbegriff gibt, bei dem Tiere ausgeschlossen werden können, oder aber man definiert Kultur so anspruchsvoll, dass wiederum auch Menschen auszuschließen wären. Und das wäre unhaltbar. Die kulturelle Zoologie behauptet daher die Kultur des Menschen voll und ganz als evolutionäres Kontinuum. Obgleich auch Tiere kumulative Kulturleistungen im Sinne einer kulturellen Ausprägung als vielschichtigem Komplex mehrerer einzelner Kulturleistungen kennen, gibt es beim Menschen doch Komplexitäten, die bei keinem Tier nachweisbar sind. Aber das sind eben graduelle und nicht prinzipielle Differenzen.

Auch Prof. Dr. Antweiler, Ethnologe an der Universität Trier, bestätigte die Sichtweisen von Oeser und Sommer voll, indem er die Ähnlichkeit von Bio- und Kulturevolution darlegte. Ein Unterschied bestehe allerdings darin, dass sich Kulturen im Unterschied zu einmal entwickelten biologischen Arten wieder verbinden könnten. Antweiler beschrieb, wie sich die kulturelle Entwicklung des Menschen im Einzelnen ereignet. Angeregt durch die darwinische Theorie besagt seine Theorie soziokultureller Evolution beim Menschen zum Beispiel, dass im Rahmen dieser kausalen Vorgänge der Zufall eine entscheidende Rolle bei der kulturellen Mutation des Menschen spielt. So können Medien zufällig etwas populär und prägend machen oder kann ein zufällig falsches Erinnern kulturell Einfluss gewinnen. Dann gibt es für die kulturelle Entwicklung richtungsgebende Kräfte im Sinne einer „geführten Variation“, z. B. durch Lernen. Kulturleistungen können geprägt sein durch Physik (z. B. Pfeile), durch naheliegende Funktionalitäten (z. B. Geld), durch räumliche Verbreitung über einen Kulturkreis hinaus (z. B. Feuergebrauch), durch organische Effekte (z. B. Drogen) oder durch der Kulturleistung immanente Strukturimplikationen (z. B. Verhalten in Cliquen). Diese Erklärungsansätze machen auch verständlich, weshalb es in den Kulturen verschiedener Kulturkreise bzw. Ethnien viele Universalien gibt, obgleich unser Verständnis von Kultur doch der Vorstellung von Differenz nahe steht.

Entsprechend dem skizzierten Gesamtverlauf der Tagung stellte der Tagungsleiter Prof. Dr. Wuketits in seinem Schlussreferat die Bedeutsamkeit Darwins für eigentlich alle heutigen Wissenschaftsdisziplinen heraus. Zum Beispiel sei in der Philosophie die Revision verschiedener Modelle hin zu einer naturalistischen Wende der Disziplin angemessen. Vieles Spekulative in der Philosophie könne auf einer naturalistischen Basis erklärt werden, so in der Erkenntnistheorie oder auch in der Ethik bzw. Moralphilosophie. Auch die Medizin könnte sich der Frage, warum Menschen krank werden und wozu sich Krankheiten teleonomisch gesehen (= gattungsgeschichtlich zweckmäßigerweise) entwickelt haben, evolutionstheoretisch nähern. Und die immer größere Anwesenheit von potentiellen menschlichen Feinden um uns könnte eine evolutionstheoretisch reflektierte Auswirkung auf die Psychiatrie haben. So hat die Tagung gezeigt, wie Darwin auf die Natur mitsamt dem Menschen in allen seinen Daseins-Dimensionen Licht geworfen hat. Wegen dieser Universalität der Evolution sollte die Evolutionstheorie interdisziplinär sein, um die Einheit der Erkenntnisstruktur aufzeigen zu können.

Dieter Fauth, Tagungsteilnehmer
 

„Feiern – die Freiheit nehm’ ich mir“

Unter diesem Thema fand ein sehr erfolgreiches DFW-Seminar vom 30.5. bis 1.6.2008 in Kassel statt, an dem 24 Vertreterinnen und Vertreter des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, der Deutschen Unitarier, des Humanistischen Freidenkerbundes Brandenburg, des Bundes für Geistesfreiheit Bayern und des Humanistischen Verbandes Deutschlands teilnahmen.

In einem intensiven und offenen Erfahrungs- und Ideenaustausch wurden die kulturellen Interessen kirchlich nicht gebundener Menschen in Deutschland, die qualitativ niveauvolle Gestaltung der verschiedenen Feiern freigeistiger Verbände im Lebenskreis und im Jahreskreis sowie die praktischen Arbeitsweisen in der weltlichen Fest- und Feierkultur erörtert. Im Mittelpunkt standen die säkularen Feiern im Lebenskreis: Namensfeiern/Lebensfeiern, Jugendfeiern/Jugendweihen, Ehefeiern/Trauungen und Trauerfeiern. Auch die Feste im Laufe des Jahres wurden besprochen: Morgenfeiern, Frühlings- und Herbstfeiern, Lichtfest, Feiern zur Sonnenwende, Gedenkfeiern zum Totensonntag und Volkstrauertag, Weihnachtsfeiern usw. Es wurden viele wesentliche Gemeinsamkeiten der verschiedenen Anbieter im freigeistig-humanistischen Spektrum herausgearbeitet. Eigenheiten und verbandliche Besonderheiten bei einzelnen Feierarten und -formen sind traditionell und regional zu beachten. Wichtige Aspekte der Symbolik und der Rituale wurden nach ihrer Aussagekraft, Zeitgemäßheit und Wirksamkeit geprüft. Kooperationen wurden besprochen und vereinbart. Gute Feierideen sollen in einem Feierkatalog eingearbeitet werden, auf dessen Grundlage dann mit den interessierten Menschen, die ihre weltliche Feier suchen und gestalten wollen, gesprochen werden kann. Eine gemeinsame Internetpräsenz soll entwickelt werden. Nicht zuletzt ist festzuhalten, das das Seminar in einer ausgesprochen angenehmen Atmosphäre des Miteinanders und des Interesses am Anderen stattfand. Den beiden Organisatorinnen und Serminarleiterinnen Edda Scharf und Ute Janz gilt besonderer Dank für ihr Engagement. Alle freuen sich auf ein Folgeseminar im Mai 2009.

Dr. Volker Mueller


Mitgliederversammlung der Freien Akademie wählte neues Präsidium


Auf der Mitgliederversammlung am 1.5.2008 kandidierte der bisherige Präsident der Freien Akademie e.V., Prof. Dr. Jörg Albertz (Berlin), nach 29 Amtsjahren nicht wieder. Ihm wurde für seine sehr erfolgreiche Tätigkeit herzlich gedankt. Als Nachfolger im Amt des Präsidenten der Freien Akademie wurde Dr. Volker Mueller (Falkensee, bei Berlin) gewählt.

Als weitere Präsidiumsmitglieder wurden als Vizepräsidenten PD Dr. Dieter Fauth (Würzburg) und Prof. Dr. Michael Breuer (Berlin), als Schatzmeister Prof. Dr. Rolf Röber (Marzling) und als Beisitzer Winfried Zöllner wieder bzw., im Falle von Michael Breuer, neu gewählt. Die Freie Akademie wird ihre wissenschaftliche, vor allem interdisziplinär und überkonfessionell angelegte Arbeit weiterführen und sich stets bemühen, für alle Interessenten gute Angebote zu unterbreiten.

Ihre neue Postanschrift lautet:

Freie Akademie
Dr. Volker Mueller
14612 Falkensee
Rudolf-Breitscheid-Str. 15.

 

Säkulares Europa – Integrativer Unterricht für die Werteerziehung in Europa


Konferenz vom 21.–23. November 2008 in der Jugend- und Bildungsstätte Klingberg/Scharbeutz.
Eine Veranstaltung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW)
in Zusammenarbeit mit der European Humanist Federation

Wie wird in Europa zu Nichtdiskriminierung und Toleranz, zu Menschenrechten und Grundwerten erzogen? In Deutschland liegt die Kulturhoheit bei den 16 Bundesländern, also gibt es 16 Schulgesetze mit differierenden Bildungs- und Erziehungszielen. Wie sieht diese Bestandsaufnahme in anderen europäischen Ländern aus? Ist Nichtdiskriminierung und Toleranz überhaupt ein Bildungs- und Erziehungsziel oder geht es vielmehr darum, die Schülerinnen und Schüler in Verantwortung vor Gott, im Geiste der christlichen Nächstenliebe bzw. dogmatischer Religionen zu erziehen?

Wie passt das mit den pluralistischen und multikulturellen Realitäten und den ungelösten Integrationsproblemen zusammen? Was ist der Kern des europäischen Wertekonsenses? Vielleicht ist das heterogene Bild Deutschlands aber auch ein Vorteil, um sich mit anderen europäischen Partnern zusammenzutun, um Toleranz und Nichtdiskriminierung in nicht nach Konfessionen aufgespaltenen Klassenverbänden einzuüben. Wie kann ein solcher integrativer Unterricht gestaltet werden? Welche Lernziele müssen im Vordergrund stehen, um ein Auseinanderklaffen von schulischer Wirklichkeit und realem Leben zu verhindern?

Europäische Aufklärung, Menschenrechte, Humanismus und ein friedliches und tolerantes Miteinander in Europa sind in Bildung und Erziehung zu erfahren, um gemeinsam leben zu lernen. Nicht nur Politik und Wirtschaft haben sich diesen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen, sondern gerade auch die Schule. Ohne gemeinsam vereinbarte Wertvorstellungen und ohne deren Vermittlung sind eine europäische Staatsbürgerlichkeit und der künftige mündige Europäer nicht möglich.

Wir laden alle Interessierten, vor allem auch in Bildung und Erziehung Tätigen, ein, mit uns diese Probleme und ihre Wirkungen auf unsere Erziehungssysteme in dem sich vereinigenden Europa zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen.

Auf dem Programm stehen u.a. folgende Vorträge:

Prof. Dr. Peter Struck: Wie kann eine Werteerziehung im säkularen Europa des 21. Jahrhunderts aussehen?
Werner Schultz: Integrativer Ethikunterricht und Humanistische Lebenskunde im Land Berlin
Peter Kriesel: Toleranz und Nichtdiskriminierung – eine Bestandsaufnahme der Kultusminister
Georges Liénard: Position der EU-Kommission und der EHF zur Werteerziehung in Europa
Andrew Copson: Überkonfessionelle Werteerziehung in England
Tryntsje de Groot: Erziehung zu Nichtdiskriminierung und Toleranz in Holland

Anmeldung direkt bei der:

Jugend- und Bildungsstätte Klingberg
z. H. Astrid Steinbach
Fahrenkampsweg 7
23684 Scharbeutz/Klingberg
Tel. 04524/9388 Fax 04524/1483
oder per E-Mail: info@bildung-klingberg.de

bis zum 15.10.2008

Konferenzgebühr 40 €

Übernachtungspreise bitte dort erfragen.

Dr. Volker Mueller und Horst Prem

 

„Licht und Leben“

Sehr früh schon in der Geschichte der Menschheit wurde die Sonne in ihrem Jahreslauf beobachtet und vermutlich auch schon verehrt als Licht- und Lebensspenderin.

Auch heute verehren viele Menschen die Sonne auf eigene Art, z.B. indem sie sich stundenlang bräunen lassen oder ihren Urlaub am liebsten „in der Sonne“ verbringen. Wir entwickeln auch ein eigenes Verhältnis zum Sonnenlicht als eine Quelle der Kraft und Energie, die nicht nur die Pflanzen direkt nutzen sollen, sondern auch wir Menschen über Solarenergie, so dass wir unseren Lebensstandard einigermaßen zu halten hoffen. Müssten wir da nicht ein neues religiöses Verhältnis zur Sonne entwickeln oder ist ein sachlich wissenschaftliches angemessener?

Es spricht Landessprecherin Renate Bauer bei der Freireligiösen Gemeinde Neustadt/Weinstraße, GDA-Wohnstift, Haardter Str. 6, am Sonntag, 22. Juni 2008, 10.00 Uhr. Veranstalter: Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz. Internet: www.freireligioese.de, E-Mail: pfalz@freireligioese.de

 

„Ein Leben für soziale Gerechtigkeit“

Franz Josef Ehrhart: Gedenken zum 100. Todestag

Am 20. Juli 1908, vor 100 Jahren, verstarb im Alter von 55 Jahren Franz Josef Ehrhart, eine der bedeutendsten Gestalten der pfälzischen Arbeiterbewegung. Als führender Sozialdemokrat, aktiver Gewerkschaftler und engagierter Freireligiöser kämpfte Ehrhart für die Rechte speziell der arbeitenden Bevölkerung.

Am Sonntag, 20. Juli 2008, 10.30 Uhr treffen sich Mitglieder der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz am Straßenschild Franz-Josef-Ehrhart-Straße in Ludwigshafen-West. Alle Mitglieder und Freunde und speziell die dortigen Anwohner sind dazu eingeladen, um mit Bild und Daten an ihn zu erinnern und ihn den Menschen, die seinen Namen auf ihrer Adresse so oft benutzen, nahezubringen. Anschließend geht es zu Ehrharts Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof, um einen Kranz niederzulegen und ihn an seinem Todestag zu würdigen. – Veranstalter sind Stadtverband, Unterbezirk Vorderpfalz und Regionalverband Pfalz der SPD sowie die Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz.
 

Neues Buch erschienen:

Robert Blum – ein Demokrat, Revolutionär und Freigeist


Robert Blum wurde zum berühmtesten Märtyrer der 1848er Revolution. Er machte sich einen Namen als Redner, Vereinsgründer und politischer Autor. Das vorliegende Buch beleuchtet sein Wirken für die Entstehung der neuen Religionsbewegung als Opposition zur katholischen Kirche
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Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften hat das Jahr 2007 als Robert-Blum-Jahr ausgerufen, um den vor 200 Jahren geborenen Freigeist Robert Blum zu würdigen. Der DFW und seine Mitgliedsverbände haben in Zusammenarbeit mit der Freireligiösen Gemeinde Berlin Robert Blum in einer zentralen Festveranstaltung und in einer wissenschaftlichen Tagung als standhaften Demokraten, Freiheitskämpfer und Revolutionär und als Freireligiösen gewürdigt. Ihre Ergebnisse und die Vorträge werden in diesem Buch dokumentiert.

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim
Angelika Lenz Verlag
Fasanenweg 8
31535 Neustadt
Tel. 05032-66297
Fax 06102-66263
E-Mail: info@lenz-verlag.de

103 Seiten, kart., ISBN 978-3-933037-58-9, € 8,90