Pressedienst Ausgabe 3-2005

 

Pariser Erklärung der IHEU

Der 16. Weltkongress der IHEU fand vom 5. bis 7. Juli in Paris statt, um an den 100. Geburtstag des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat zu erinnern. Basierend auf dem Erbe der nordamerikanischen Revolution, dem 1. Artikel der US-Verfassung (1791) und der mexikanischen Revolution, markierte dieses französische Gesetz das Ende einer Reihe von Ereignissen in der laizistischen Bewegung, angefangen bei der Aufklärung und der Französischen Revolution, um den Menschen in den Lebensmittelpunkt zu stellen.

Überall auf der Welt, auf allen Kontinenten, haben Humanisten seit Jahrhunderten für den Triumph der Gewissensfreiheit gehandelt und tun es immer noch. Die Gewissensfreiheit ist die Grundlage der menschlichen Emanzipation und kann vom Kampf für die demokratischen Freiheiten nicht getrennt werden.

"Der Mensch ist das Maß aller Dinge" sagte schon Protagoras vor Tausenden von Jahren im antiken Griechenland, der Heimat des Begriffs des Bürgers. Im alten Indien, 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wurde dieses humanistische Prinzip bereits durch die antiken Carvakas bestätigt: "Die Moral ist ein Phänomen der Natur. Sie ist ein sozialer Vertrag, eine Verbesserung und kein göttliches Gebot. Es ist absolut nicht notwendig, Instinkte und Gefühle zu kontrollieren. Sie sind Gebote der Natur. Das Ziel des Lebens ist leben und das Glück bleibt die einzige Weisheit." (Zusammenfassung)

Der Mensch, das ist zuerst sein Gewissen und seine Freiheit, es zu nutzen. Niemand hat mittels politischem, kulturellem, religiösem, wirtschaftlichem oder staatlichem Zwang die Berechtigung, uns Menschen unsere Gewissensfreiheit zu verbieten oder einzuschränken.

Gewissensfreiheit kann es dort nicht geben, wo die Religionen der Gesellschaft ihren Stempel aufdrücken. Laizität ist die Forderung gleicher Rechte für Religionsanhänger und Nichtreligiöse. Humanisten haben immer die Aktionen unterstützt, die die Laizität in der Gesellschaft und den Institutionen aufbauen, indem das Gleichheitsprinzip für Gläubige und Nichtgläubige gefordert wird.

Für die IHEU und ihre Mitgliedsorganisationen muss der Staat laizis-tisch bzw. neutral sein; das heißt weder religiös noch atheistisch. Zu fordern, dass es eine vom Gesetz anerkannte tatsächliche demokratische Gleichheit zwischen Gläubigen und Humanisten gibt, bedeutet auf keinen Fall, dass alle Mitglieder der IHEU alle Ansichten aus der gleichen philosophischen Perspektive sehen. Wir sind absolut nicht dazu verpflichtet, absurde und reaktionäre Behauptungen, egal wie alt sie sein mögen, zu respektieren. Wirklicher Humanismus bedeutet, die Gewissensfreiheit durch die Methode der freien Wahl auszuüben.

Die Eroberung gleicher Rechte für alle ist ein positiver Schritt in Richtung Laizismus, und die Trennung von Religionen und Staat ist dabei ein notwendiges Mittel. Die laizistischen Garantien dürfen somit nicht nur einfach legal sein, sie müssen Verfassungsrang haben – wie sonst kann man gleiche Gewissensfreiheit für alle garantieren? Ein Gesetz ohne Verfassungscharakter kann durch eine einfache Änderung der Mehrheitsverhältnisse ersetzt werden. Darum ist die institutionelle Trennung der Religionen und der Staaten überall auf der Welt eine Forderung der IHEU. Das ist die Aufklärung, die den Weg der Völker und der Nationen erleuchtet. Die Geschichte eines jeden Volkes, einer jeden Nation ist naturbedingt verschieden. Es gibt Länder wie die USA, dort ist der Staat laizistisch, aber nicht die Gesellschaft. In Frankreich sind Staat und öffentliche Schulen laizistisch, was durch das Gesetz von 1905 verankert ist, und die Bürger haben eine wirkliche Gewissensfreiheit. Es gibt so viele verschiedene Geschichten, wie es verschiedene Länder gibt.

Für die IHEU muss jeder Weg, der von den verschiedenen Völkern und Nationen genommen wird, letztendlich zur Trennung der Religionen und Staaten führen. Alle laizistischen Errungenschaften müssen beibehalten, verteidigt und erweitert werden. Darum hat der 16. Weltkongress der IHEU in Paris beschlossen, dass die Trennung von Kirchen und Staaten zu seiner internationalen Hauptthema wird. Der 16. Weltkongress wurde in den Räumen der UNESCO und der Universität Sorbonne in Paris vom 5.–7.07.2005 abgehalten, zwei große geschichtsträchtige Namen, die bereits im Kampf um den Sieg eines aufgeklärten Humanismus Zeugen waren. Der Kongress setzt sich ein für eine authentische Trennung von Religion und Staat, überall in der Welt.

 

Internationales Jugendtreffen in Paris IHEYO-Konferenz 2005

Bereits zum vierten Mal haben sich junge Humanisten und Freidenker aus aller Welt getroffen, um in Zusammenarbeit mit anderen neue Ideen für ihr Land zu erlangen, neue Kontakte zu knüpfen in Zeiten der Globalisation und ihre Aktivität in humanistischen Organisationen weiter zu entwickeln und zu stärken. 43 Konferenzteilnehmer aus 20 Staaten waren dieses Jahr vertreten, darunter Teilnehmer aus Zypern, der Dominikanischen Republik, Ukraine, Estland, USA, Russland, Indien, Israel, Belgien, Finnland, Norwegen, Island, Deutschland …. Themen der diesjährigen Veranstaltung der International Humanist and Ethical Youth-Organisation (IHEYO) im Juli 2005 in Paris waren "Interculturalism" und die aktive Teilnahme der Jugendlichen an neuen Projekten und Ideen für eine bessere Zukunft.

Innerhalb der sechs Tage, die wir vor allem in Marly-le-Roi, einem Vorort von Paris verbracht haben, waren die Teilnehmer dazu angehalten, eigene Projektideen im Austausch mit anderen zum Leben zu erwecken. Diese wurde in einem Wettbewerbsverfahren dann einer Jury vorgestellt, welche das beste Projekt bzw. die beste Idee für ein Projekt gekürt hat. Vielleicht sind unser Wissen und unsere Erfahrungen mit Humanismus sehr unterschiedlich, aber wir haben alle einen gemeinsamen Wunsch: die Verbreitung humanistischer Werte, besonders in der Jugend, wodurch wir uns eine bessere internationale und interkulturelle Verständigung in der Zukunft vorstellen können.

Vollgepackt mit neuen Ideen und vielen neuen Freundschaften quer über den Globus verteilt, ging es dann für alle Teilnehmer wieder zurück in ihre Heimat. In den nächsten Monaten heißt es dann, die geplanten Projekte in die Tat umzusetzen, weitere internationale Kooperationen zu beginnen, zu vertiefen oder auch verstärkt im Heimatort aktiv zu werden. Und auf eines freuen wir uns ganz besonders: das Wiedersehen bei der IHEYO-Konferenz 2006.

Silvana Uhlrich
Humanistischer Freidenkerbund Brandenburg

 

Die Bedeutung unseres Nachbarn - religiöse Toleranz in multikulturellen Staaten und Gemeinschaften

Die alten Erziehungsmuster kommen im 21. Jahrhundert an ihre Grenzen und werden durch den religiös motivierten Terrorismus und Fundamentalismus bedroht. In einer IARF-Konferenz zu obigem Thema vom 21.–24. Juli 2005 in Cluj-Napoca/Klausenburg wurden die damit zusammenhängenden Probleme beleuchtet. Folgende Schlussfolgerungen wurden gezogen:

" Religiöse Freiheit ist ein von dem Grundwert der Nicht-Diskriminierung und Toleranz abgeleiteter Wert.

" Die Verletzung der religiösen Freiheit ist aber gleichzeitig ein Frühindikator für schwelende ethnische Konflikte.

" Die Verfassungen können nur Grundwerte festschreiben.

" Deshalb ist es konsequent, wenn sich Artikel 2 und 4 der EU-Verfassung auf diese Grundwerte beschränken.

" In einer multikulturellen Gesellschaft, wie sie heute in allen europäischen Staaten existiert, kann das Monopol der Werteerziehung nicht mehr alleine den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften überlassen werden.

" Es macht Sinn, ähnlich wie in Brandenburg (LER) und nun auch in Berlin (Ethik), für alle Schüler einen integrativen Werteunterricht in den multikulturellen Klassenverbänden einzuführen, der Nicht-Diskriminierung und Toleranz in den Mittelpunkt der Werteerziehung stellt.

" Der konfessionelle Religions- und Weltanschauungsunterricht bleibt davon unberührt.

" Es muss aber eine Grammatik des Religions- und Weltanschauungsunterrichtes eingezogen werden, die über die konfessionellen Grenzen hinaus die Toleranzentwicklung und Nicht-Diskriminierung zum Inhalt hat.

" Die verfassungsmäßig garantierten Grundwerte stellen den übergeordneten Wertekonsens dar und stehen über den abgeleiteten Werten wie z.B. der religiösen Freiheit.

Die religiös motivierten Morde in den Niederlanden (van Gogh) und in Deutschland, hier insbesondere die Frauenmorde in türkischen Familien in Berlin, und die Terroranschläge in Europa und Übersee haben die Teilnehmer sehr nachdenklich gestimmt und zu dieser erweiterten Betrachtung geführt.

Horst Prem
DFW-Vizepräsident

 

Tsunami-Folgen in Indien 
Koordinator der Katastrophenhilfe Vikas Gora bei Freidenkerbund in Nauen zu Gast / Freidenker-Jugendgruppe plant Austauschbesuch und Hilfsprojekt vor Ort

Es ist ein Teufelskreis: "Der Tsunami überspülte weite Küstenabschnitte mit Meerwasser, das den Boden versalzen und auf lange Zeit unfruchtbar gemacht hat. Die Menschen verloren ihre Ernte und Lebensgrundlage, flüchten nun in Großstädte, wo sie in den Slums landen. Kinderarbeit und -handel, Prostitution und eine rasant steigende HIV-Infektionsrate sind die verheerenden Folgen", sagte Vikas Gora Anfang August in der Nauener Begegnungsstätte des Freidenkerbundes. Mit klaren Worten und Bildern erzählte der indische Gast des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland (HFH) von seiner Arbeit als Direktor des "disaster managements" (Katastrophenhilfe) im südindischen Andhra Pradesh. Der Bundesstaat mit der größten Küstenlinie Indiens (1050 Kilometer) war vom Tsunami am 26. Dezember vergangenen Jahres schwer getroffen worden.

Das von der Familie Gora aufgebaute Atheistische Zentrum und den HFH verbindet seit knapp zehn Jahren eine enge Freundschaft. Bereits vier Mal besuchten junge deutsche Freidenker aus dem Havelland das Zentrum, um vor Ort die Hilfsprojekte, sozialen Einrichtungen, Menschen und Kultur kennen zu lernen. Ebenso oft begrüßten die Freidenker indische Gäste im Havelland. Vikas Gora nutzte einen Europatrip, um beim HFH Station zu machen und von seiner aktuellen Arbeit zu erzählen. Denn in knapp zwei Monaten wird sich wieder eine deutsche Gruppe junger Freidenker und Humanisten auf den Weg nach Indien machen: Diesmal vor allem, um im von der Flutwelle heimgesuchten Gebiet zu arbeiten – und zu helfen.

Soforthilfe konnte der Verein bereits im Januar, nur wenige Tage nach der Katastrophe, leisten: "Der Freidenkerbund war die erste Organisation, die uns sofort mit Spendengeldern half", dankte Vikas Gora. Von den über 1200 Euro, die durch den Besuch des HFH-Vorsitzenden Volker Mueller direkt und in bar im Atheistischen Zentrum übergeben werden konnten, wurde zunächst die zerstörte Fischerausrüstung ersetzt. 280 Fischerfamilien gewannen somit relativ schnell wieder ein Stück Normalität zurück.

"Vijayawada, die Stadt, in der sich das Atheist Centre befindet, war von der Welle nicht direkt betroffen. Aber unsere Organisation arbeitet seit 28 Jahren in der Küstenregion, die sehr oft von verschiedensten Naturkatastrophen heimgesucht wird", berichtete Vikas Gora, der seit November 2004 die Katastrophenhilfe vor Ort koordiniert. Dürren, Überschwemmungen, Zyklone und zuletzt die Flutwelle – seit Jahrzehnten kamen die beiden Districts Krishna und Prakasam (vergleichbar mit deutschen Landkreisen) in Andhra Pradesh nicht zur Ruhe. "Der Tsunami aber richtete weitaus verheerendere Folgen als alle anderen Naturgewalten an." Langfristig müssen nun die Felder wieder fruchtbar und die Küstenhäuser bewohnbar gemacht werden, es fehlt noch immer an Booten und Netzen. Für die unabhängige Zukunft von Frauen werden Ausbildungsmöglichkeiten gebraucht. Vikas Gora betonte, dass sich nur so der Teufelskreis aus Armut, Verelendung, Zwangsprostitution und letztlich Aids durchbrechen ließe.

Momentan konzentriert sich die Arbeit des Atheistischen Zentrums auf 16 Dörfer in beiden Küstendistricts, weitere sollen dazu kommen. "Wenn wir einem Ort helfen wollen, dann komplett. Wir verteilen also nicht ein wenig Hilfe hier und ein wenig dort", sagte der 32-Jährige, der gerade an seiner Doktorarbeit zum Thema Katastrophenhilfe schreibt und bereits vier Hochschulabschlüsse vorweisen kann.

Die zwölfköpfige HFH-Jugendgruppe, die am 3. Oktober nach Indien aufbrechen wird, soll in kleineren Gruppen tagsüber in Dörfern nahe der Küste unterwegs sein. "Geplant ist, dass wir Mangrovenbäume pflanzen, die auf natürliche Art den Küstenstreifen befestigen. Außerdem sind Aufbauarbeiten an Häusern und Gesprächsrunden mit den traumatisierten Menschen vor Ort geplant", sagte HFH-Mitarbeiterin Katrin Jura, die die Reisegruppe leiten wird. Vikas Gora, der im Grunde genommen direkt aus den betroffenen Gebieten angereist war, konnte den Mitreisenden bereits viel über ihre Aufgaben vor Ort erzählen. Während ihres Aufenthalts wird er sie auch dort betreuen: "Das Atheistische Zentrum freut sich sehr über Eure Bereitschaft zur Hilfe. So können wir alle zusammen wieder ein Stück Zukunft für die Küstenbewohner und ihre Familien sichern."

Wer mit einer Geldspende, die ohne Abzüge und direkt übergeben wird, den Wiederaufbau in den indischen Distrikts Krishna und Prakasam unterstützen möchte, wendet sich bitte telefonisch an die HFH-Geschäftsstelle Nauen: 03321/ 450746, Mail: freidenker-havelland@web.de.

Sie kann auch überwiesen werden auf das Konto des HFH bei der Bank für Sozialwirtschaft, Nr.: 3329800, BLZ:10020500, Verwendungszweck: Spende Indienhilfe.

Marie Prott
Humanistischer Freidenkerbund Havelland

 

Weimarer Republik, ist es wieder soweit? Bestandsaufnahme wider die politische Perspektivlosigkeit

Vom 30.9.–3.10.2005 findet in Scharbeutz an der Ostsee ein Seminar zu diesem Thema statt, veranstaltet vom Jugend- und Familienbildungswerk Klingberg e.V. in Zusammenarbeit mit der Unitarischen Akademie und dem Dag-Hammarskjöld-Institut Stuttgart.

Inzwischen stehen wir alle in der Bundesrepublik vor dem Problem der fehlenden Perspektive, die sich nicht nur in den Arbeitslosenzahlen, sondern auch im dramatischen Rückgang der Geburtenzahlen niederschlägt. Alles Symptome, die in den 30er Jahren zum Zusammenbruch der Weimarer Republik geführt haben.

Wie erreichen wir wieder Vertrauen in die Zukunft unseres Gemeinwesens? Hat die Europäische Union mit ihrem gescheiterten Verfassungsentwurf dennoch stabilisierende Wirkung auf unser demokratisches Gemeinwesen, das offensichtlich erhebliche Schwierigkeiten hat, einen gesellschaftlichen Konsens herbeizuführen? Welche Aufgaben haben wir als Bürger, zu diesem Konsens beizutragen? Der Fragenkatalog kann endlos fortgesetzt werden.

Die Verfasser unseres GG haben durch die Erschwerung der Parlamentsauflösung eine Radikalisierung des politischen Lebens verhindern wollen. Wir befinden uns aber durch Sozialabbau und den eingeläuteten Prozess der Parlamentsauflösung auf einem gefährlichen Weg, der dem der Weimarer Republik ähnelt.

Strukturprobleme sind nicht durch Sozialabbau und Parlamentsauflösung in den Griff zu bekommen, sondern durch neue Ideen der Problemlösung. Diese Ideen wollen wir im Rahmen dieses Seminars sammeln und Vorschläge zur Lösung der Probleme vorzeichnen. Es geht um konsensfähige Strategien, die in die Politik eingebracht werden können und die Kurzatmigkeit der Parteiprogramme überwinden helfen.

Am Freitag gibt es nach einem gemeinsamen Abendessen um 19 Uhr eine Eröffnungsrunde. Am Samstag geht es um 9.15 Uhr weiter mit dem Vortrag von Olaf Christensen: "Ist die Bundesrepublik verfassungsrechtlich stabil?" Es folgen noch die Vorträge von Horst Prem: "Wie ist Generationengerechtigkeit erreichbar?", Stephan Mögle-Stadel: "Der Schatten von Weimar – Vom nationalen Parteien- zum globalen Wirtschaftsfaschismus", Uwe Janke: "Auswirkungen der Perspektivlosigkeit im kommunalen Bereich", Ernst Mohnike: "Erziehung zum Konsens im demokratischen Gemeinwesen" Eduard Lumpe: "Erfahrungen aus einem erfolgreichen Unternehmerleben", Wigmar Bressel: "Bürokratische Hemmnisse aus der Sicht eines Jungunternehmers", Helmut Kramer: "Bürokratische Hemmnisse bei der Leitung eines freien Ingenieurbüros", sowie Aussprachen dazu und eine Podiumsdiskussion: "Wo liegt der gesellschaftliche Konsens und die Perspektive?"

Tagungsort und Übernachtung: Jugend- und Bildungsstätte Klingberg, Fahrenkampsweg, 23684 Scharbeutz/Klingberg, Tel. 04524/9388 Fax 04524/1483. Anmeldun bis 15.9.05 an diese Anschrift, z.H. Astrid Steinbach. Seminarkosten inkl. Logis und Verpflegung bitte erfragen.

Horst Prem, Olaf Christensen

 

Praktische Humanität

Auf der 58. Landesversammlung der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz in Hassloch konnte Präsident Siegward Dittmann zwei verdiente Mitglieder mit dem silbernen Ehrenzeichen auszeichnen: Marianne Bauer, Hassloch, und Hugo Linnenfelser, Fußgönheim.

Marianne Bauer (75) führt seit vielen Jahren, zuerst gemeinsam mit ihrem Mann Werner und nach dessen Tod allein regelmäßig zweimal im Jahr Busausflüge für die Gemeinden Hassloch, Neustadt, Lambrecht und Iggelbach durch. Diese sind nicht nur bei Gemeindemitgliedern sehr beliebt, sie haben außerdem ein festes Stammpublikum gefunden. Darüber hinaus ist sie seit Jahren Kassiererin des Freireligiösen Wohlfahrtsverbandes Pfalz und kümmert sich seit 1994 um die Gemeindemitglieder in Hassloch. Dass sie nebenbei auch seit 1994 im Landesvorstand vertreten ist und bei den Seniorennachmittagen in Ludwigshafen aktiv dabei, versteht sich schon fast von selbst.

Genauso aktiv ist der zweite Geehrte, Hugo Linnenfelser (80). Nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1988 stellte er sich weiterhin ehrenamtlich der Gemeindearbeit zur Verfügung. Seit 1993 ist er nun Revisor der Landesgemeinde und der Gemeinde Ludwigshafen, übernahm allmählich auch weitere Revisionsaufgabe beim Freireligiösen Wohlfahrtsverband Pfalz und Ludwigshafen. Regelmäßig war er bei den Senioren mit seinen Diavorträgen zu Gast, arbeitete zusammen mit Peter Rauch an der Archivierung der Gemeindeunterlagen und erstellte ein ausführliches Findbuch über die wichtigsten Unterlagen.

Landessprecherin Renate Bauer beleuchtete kritisch sowohl den Umgang der Religionsgemeinschaften in Deutschland miteinander als auch den Umgang staatlicher und kommunaler Stellen mit den Religionen. Man erlebe eine zunehmende Missionierung der etablierten Kirchen, die oft genug zur Diskriminierung von Menschen mit anderen Auffassungen führe. Außerdem gebe es eine unverständliche Einbindung christlich-kirchlicher Rituale in staatliche Gedenkveranstaltungen. Hier haben die öffentlichen Verwaltungen doch die Aufgabe, solche Gedenktage der gesamten Bevölkerung zu vermitteln und deren Teilnahme anzusprechen. Das aber geschehe nicht, sondern man verletze den Grundsatz der Gleichheit.

Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz