Humanism for global peace and social justice

Ein Bericht von der IHEYO-Jugendkonferenz in Kampala, 20.- 24. Mai 2004

Was ist Humanismus? Wahrscheinlich die am häufigsten gestellte Frage auf der Konferenz in Kampala/Uganda, hinterlässt sie doch anscheinend immer noch eine gewisse Unsicherheit bei der Bestimmung einer Definition. Was macht mich als Humanist aus? Was macht mich zum Humanisten? Die Antwort ist am Ende für mich sehr leicht: meine Persönlichkeit!
Groß geworden und erzogen nach sozialen Regeln und genormten Verhaltensweisen war ich doch schon immer im Denken, Fühlen, Begreifen und Handeln eine frei denkende Humanistin. Die begriffliche Auseinandersetzung kam erst viel später. Im Vergleich zur Begriffsbestimmung von Humanismus in Verbindung mit der Auffassung von Humanismus aller Nationen war diese jedoch nicht leicht zu finden. In Afrika ist es offensichtlich und ohne Hinterfragung der Hinter- gründe ein Bedürfnis der Menschen, für ihr Recht auf Frieden zu kämpfen. Freiheit für alle Menschen, Freiheit in ihrer Wahl der Weltanschauung, freie Meinungsäußerung. Selbstverständlich! Keiner wird behaupten, dass der Wunsch nach Frieden nicht in seine Liste gehört. Doch was ist mit der Freiheit im Denken, Fühlen, Handeln - also auch mit der Freiheit der sexuellen Zugehörigkeit? Die Antwort ist auch eindeutig: Homophobie!
Homosexualität ist in Afrika eines der größten Tabus. Vom Gesetz her verboten, in der Masse als unnormal und als westlicher moderner Einfluss verurteilt, ist die Diskriminierung der Gay-Lesbian-Bewegung enorm hoch. Beispiele reichen von Gefängnisstrafen, Verweigerung des Schulbesuches oder Erstellung des Personalausweises bis zu Übergriffen mit grober Gewalt und Vergewaltigung. Daraus begründet sind viele Homosexuelle unter dem Deckmantel der Diskriminierung unter eine Maske geschlüpft, welche sie vor sozialer Abgrenzung und Abweisung beschützt. Verwunderlich, bedenkt man doch, dass es viele humanistische Organisationen allein schon in Kampala gibt, die sich den Kampf um die Menschenrechte auf ihre Fahne geschrieben haben. Also, wo ist ihre Unterstützung? Victor Makusa, die einzige aktive Öffentlichkeitskämpferin der Gay-Lesbian-Bewegung, referiert frustriert und ärgerlich über ihre erfolglosen Ersuche und Hilferufe an sogenannte humanistische Organisationen. Die afrikanische Gesellschaft ist so stark mit der Tradition und dem religiösen Background verbunden, dass es so gut wie keine Unterstützung für diskriminierte Minderheiten zu geben scheint. Die Unterstützungsverweigerungen erfolgen mit homophoben Begründungen und der Angst einer Stellungnahme bzw. Symphatiebekundungen zu einer Minderheit. Das ist die Kehrseite der Medaille.
Welche Möglichkeiten haben nun wir als junge internationale Organisation? Können wir einer diskriminierten Minderheit in Afrika (und auch weltweit) genügend Unterstützung zukommen lassen? Aus persönlichem Aktivismus und Stellungsnahmen heraus wurde die Frage nach Unterstützung sofort und ohne zu zögern von Seiten der europäischen Länder angenommen und ein Meeting zur Festigung der Unterstützungshilfen einberufen. Beginnend mit nationalen Bemühungen um Lesben- und Schwulen-Organisationen wurde auch die organisatorische und finanziell mögliche Unterstützung zugesagt.
Was ist nun Humanismus? Viel besprochen, oft definiert - und praktiziert? Hier ist ein erster Punkt, zu dem wir bei der aktiven Entstehung und Verbreitung von Humanismus beitragen können. Helfen wir den afrikanischen Minderheiten der Gay-Lesbian-Bewegung, ihr Recht auf Selbstentscheidung sexueller Zugehörigkeit durchzusetzen. Helfen wir ihnen im humanistischen Sinne, so zu leben, wie es jedem Menschen zusteht: selbstbestimmt, selbstverantwortlich und frei entscheidend.

Silvana Uhlrich
Mitglied des Humanistischen Freidenkerbundes