Pressedienst Ausgabe 1-2007


Europäische Verfassung ohne Gottesbezug!

Im Rahmen einer Tagung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. in der Frankenakademie Schloss Schney wurde die Notwendigkeit bekräftigt, dass im Verfassungsvertrag für die Europäische Union kein Gottesbezug aufgenommen werden soll. Die aktuellen Forderungen des Papstes Benedikt XVI. sowie der deutschen Bundeskanzlerin und derzeitigen EU-Ratspräsidentin, Dr. Angela Merkel, nach der Aufnahme eines Bezugs zum christlichen Gott in die EU-Verfassung sind anmaßend und werden vom DFW abgelehnt. Der DFW fordert daher, die Neutralität in allen Religions- und Weltanschauungsfragen in der Europäischen Verfassung zu wahren sowie Gewissens-, Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit strikt zu sichern.

Der DFW-Präsident, Dr. Volker Mueller, erklärte: "Es ist dem DFW ein besonderes Anliegen, Geistesfreiheit, Humanismus und kulturelle Toleranz zu fördern sowie die Neutralität aller Staatlichkeit in Religions- und Weltanschauungsfragen zu sichern. Die Weiterentwicklung des europäischen Gedankens und der Wertegemeinschaft des sich vereinigenden Europas wird von uns ebenso unterstützt wie die schrittweise Erweiterung der Europäischen Union und der verfassungsrechtlich verbindlichen Grund- und Menschenrechte.
Der Entwurf der Verfassung der EU schützt die Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Die EU ist eine säkulare internationale Organisation. Die EU-Verfassung soll daher keine einzelne Religion oder Weltanschauung hervorheben oder einen privilegierenden Rechtsstatus der christlichen Kirchen zulassen, da Europa schon immer einen multireligiösen und weltanschaulich-pluralistischen Hintergrund hatte. Einen wie auch immer formulierten Bezug in der Präambel oder an anderer Stelle der Verfassung zu einem Gott oder vorrangig zu einer christlich-abendländischen Tradition Europas lehnen wir ab. Dieser Bezug wäre sowohl historisch nicht gerechtfertigt als auch weltanschaulich diskriminierend."
Um die religiös-weltanschauliche Freiheit zu verteidigen, wende sich der DFW gegen jegliche Diskriminierung kultureller Traditionen oder existierender demokratischer Gemeinschaften. Die Entwicklung und Wahrung von Toleranz als universellem Denk- und Verhaltensprinzip müsse daher ein zentrales Anliegen der EU werden. Dieses Bestreben müsse in Übereinstimmung stehen mit der "UN-Declaration on the Elimination of All Forms of Intolerance and Dis-crimination Based on Religion or Belief", die von der Generalversammlung der UNO am 25. November 1981 angenommen wurde.
Abschließend wiederholt der DFW seine Forderung, die EU-Verfassung durch einen Volksentscheid am Tage der Europa-Wahl 2009 in allen EU-Staaten bestätigen zu lassen.


Dialektisches Denken bei Nikolaus von Kues und Jakob Böhme

Zu einem Seminar über Nikolaus von Kues und Jakob Böhme lädt die Freigeistige Aktion am 28. April nach Neustadt/Rbge. ein. Anhand dieser beiden Persönlichkeiten soll die Entwicklung des dialektischen Denkens vorgestellt werden. Nikolaus von Kues genießt besonders in freireligiösen/freigeistigen Kreisen eine große Wertschätzung. Jakob Böhme, als Lutheraner und Schuhmacher bekannt, hat auf mehrere nach ihm gekommene Denker zum Teil großen Einfluss ausgeübt. Selbst Hegel erkannte in Böhmes Spekulationen die in ihnen enthaltenen dialektischen Ansätze. Böhmes pantheistische Gleichsetzung von Natur und Gott wurde natürlich vom offiziellen Christentum schärfstens missbilligt und führte zu Anfeindungen.


Bei Nikolaus von Kues ist der Sachverhalt anders. Er wurde 1401 als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Mit siebzehn fing er an zu studieren und schloss sein Studium nach sechs Jahren ab. Studienorte waren Heidelberg (1416/17) und Padua (1417-23). Er studierte Mathematik, Physik, Astronomie, Medizin, antike Philosophie und Jura - jedoch nicht Theologie. Mit 22 erwarb er den Doktortitel in Jura, erst danach studierte er in Köln erstmals Theologie. Seine kirchliche Laufbahn begann er dann mit 26 Jahren. Vermutlich hat sich seine naturwissenschaftliche Ausbildung in einigen seiner theologischen Schriften niedergeschlagen, was ihn, von einem freidenkerischen Standpunkt aus betrachtet, interessant macht.
Anmeldungen zu dem Tagesseminar, das von 10 bis 17 Uhr im Schloss Landestrost stattfinden wird, bitte an Arnher Lenz, Fasanenweg 8, 31535 Neustadt, Tel. 05032-66297, Fax 66263, mail: arnher.e.lenz@t-online.de.

 

Die Geschichte der Frauen in der freireligiösen Bewegung

Zu diesem Thema findet vom 17.-20. Mai 2007 in Berlin ein Seminar statt. Veranstalterin ist die Arbeitsgemeinschaft Frauen im Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands. Auf dem Programm stehen u.a. auch die Besichtigung der Dauerausstellung zur Geschichte der Freireligiösen in den Räumen der Freireligiösen Gemeinde Berlin, die ihren Sitz am Prenzlauer Berg, Pappelallee 15 hat, sowie des gleich nebenan befindlichen freireligiösen Friedhofsparks. Weitere Informationen bei Gerda Fleddermann, Wallgasse 3, 96476 Bad Rodach, Tel. 09564-3679.

 

Neue Broschüre

"Heidenspaß am Haidplatz" heißt eine neu erschienene Broschüre des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) Regensburg. In ihr wird die Regensburger Veranstaltung "Heidenspaß statt Höllenqual" am 10. September 2006 anlässlich des Papstbesuches dokumentiert. In der Broschüre finden sich alle Reden, Liedtexte, Sketche und Gedichte der Veranstaltung. Zusätzlich wurden auch andere Aktivitäten im Umfeld des Papstbesuchs aufgenommen, wie die Beschlagnahmung zweier Bilder nach §166, der "Papst-Wasser-Klau" oder Ausschnitte aus einem Kasperltheater. Die reich bebilderte Broschüre ist gegen einen Unkostenbeitrag von 3 Euro (zzgl. Versand) erhältlich beim: bfg Regensburg, Waldweg 1, 93105 Tegernheim.


Tagung der Freien Akademie 2007:

Mensch und Ökonomie -
Wirtschaften zwischen Humanität und Profit

Termin 28. April - 01. Mai 2007
Ort Gutshof Havelland, Falkenrehde (bei Berlin)
Tagungsleitung PD Dr. Dieter Fauth

Spätestens seit Anfang 2005, als viele Firmen in Deutschland die Verlagerung von Arbeit in Billiglohnländer bereits umfassend betrieben und - wie etwa die Deutsche Bank - trotz hoher Gewinne massenhaft Angestellte entließen, ist die Frage nach der Menschlichkeit unserer Wirtschaft öffentlich geworden. Kontrovers diskutiert wird, ob beim Wirtschaften der Profit oder der Mensch an oberster Stelle stehen sollte. Darauf gibt es keine einfachen, schon gar keine romantischen Antworten. Profit und Menschlichkeit sind möglicherweise keine Gegensätze, sondern spannungsreich aufeinander bezogene Beweggründe wirtschaftlichen Handelns. Offen ist, ob die Wirtschaft dem Menschen dann optimal dient, wenn sie Profitinteressen den Interessen der Menschen an Arbeitsplatzsicherheit, Konsumtion und der Erhaltung einer lebenswerten Umwelt unterordnet oder aber - gerade im Kontext der Globalisierung - die genannten Interessen der Menschen langfristig nur auf dem Wege konsequenter Profitmaximierung zu verwirklichen sind.

Die Tagung: Mensch und Ökonomie - Wirtschaften zwischen Humanität und Profit möchte mit der Ökonomie einen grundlegenden Lebensbereich des einzelnen Menschen und der Gesellschaft bedenken. Reflektiert werden sollen nicht nur die möglichen Handlungsoptionen des Menschen, sondern auch die anthropologisch-philosophischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns. Kurzatmig, rein pragmatisch gefundene Handlungskonzepte sind kein Ziel der Tagung. In diesem umfassenden Erkenntnisansatz sollen sich die Tagungsteilnehmer dem Thema auf zwei Zugangsweisen annähern, die für sich entfaltet werden und miteinander ins Gespräch kommen. Zum einen sollen einschlägig engagierte Gruppen und gesellschaftliche Akteure ihre Sichtweisen aus ihrer Perspektive entfalten. Zum anderen sollen sich eher beschreibende, analytisch vorgehende einschlägige Wissenschaftsvertreter dem Tagungsthema widmen. Methodisch geschieht dies alles vor allem in Form von Vortrag und Diskussion. Weiterhin sollen alle Tagungsteilnehmer die Gelegenheit haben, sich mit einem ausgewählten Themenaspekt in einer Arbeitsgruppe unter der Leitung je eines Tagungsreferenten vertieft zu befassen. Abgeschlossen wird die Tagung mit einem für Wortbeiträge der Tagungsteilnehmer offenen Diskussionsforum, auf dem eine Auswahl der Tagungsreferenten einen abschließenden Diskurs zum Thema führen. Ein besonderes Angebot im Rahmen der Tagung ist die Exkursion der Tagungsteilnehmer zu der Gemeinnützigen Obstbausiedlung Eden bei Oranienburg. Diese Siedlung ist nach sozialökonomischen Konzepten errichtet und bis heute geführt, wobei Grund und Boden nach dem Erbbaurecht statt als Privateigentum genutzt wird und der Geldfluss zur Finanzierung der genossenschaftlichen Vorhaben ohne Zinsnahme (bei Anlage und Leihe) geregelt ist. Diese freiwirtschaftlichen Prinzipien als dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus spielen auch sonst im Tagungsverlauf eine wichtige Rolle.


Zukunftswünsche - Zukunftsängste
Wie wünschen wir uns die Welt?

Unitariertag Niedernhausen/Wiesbaden 25.-28. Mai 2007

Alle Entscheidungen und Handlungen in der Gegenwart sind auf die Zukunft gerichtet; deshalb sollten sie sinnvoll sein. Nach unitarischer Auffassung sollte der autonome Mensch seinen eigenen Sinn für sein Leben finden. Dazu ist Unabhängigkeit unsere von Fremdbestimmung, Selbstständigkeit und der Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, notwendig.

Ich entwickle zur Gestaltung meines Lebens Vorstellungen bzw. ich habe Wünsche, nach denen ich mein Handeln und Tun ausrichten möchte. Dabei entstehen auch Zweifel, Sorgen, Hindernisse und vor allem Ängste, von denen ich mich nicht terrorisieren lassen darf. Der Schriftsteller Salman Rushdie hat es einmal so formuliert: Ich kann meine eigene Lebensvorstellung nur realisieren, "indem ich der Angst nicht gestatte, mein Leben zu beherrschen, auch wenn ich Angst habe". Solche Lebensvorstellung und Lebensführung ist nur möglich in einem entsprechend freien Umfeld, das wir glücklicherweise in unserem Staat weitgehend vorfinden: Wir leben in einem Rechtsstaat, in einer Demokratie mit einem Mehrparteiensystem, in einem real existierenden Pluralismus. Der Säkularismus in unserem Land wird angestrebt, wenn auch die völlige Trennung von Staat und Kirche noch nicht erreicht ist. Die Meinungsfreiheit hat sich bei uns als ein hohes Gut herausgebildet und um die Gleichheit aller Bürgerinnen und Bürger wird sich immerhin bemüht.

Mit unserem Motto des Unitariertages wollen wir einen Beitrag leisten zur Bewusstmachung und - wenn es uns denn gelingt - zu Lösungsvorschlägen allgemein gesellschaftlicher Probleme, die uns Angst machen, mit denen wir aber auch Wünsche verbinden. Dazu haben wir uns auf drei Felder beschränkt:
o Unsere Kinder: Zukunftsträume - Zukunftsängste
o Unsere Wirtschaft und die Menschenrechte
o Unsere Ressourcen: die Zukunft von Wasser, Öl und Klima

Immer öfter höre und lese ich den Ruf nach dem "Staat", der sich dieser Probleme annehmen sollte. Richtig ist aber, dass wir Bürgerinnen und Bürger der Staat sind und nicht nur die Regierenden. Daher lade ich nicht nur alle Unitarierinnen und Unitarier zu unserem Unitariertag ein, sondern auch alle Gäste, die an den genannten Problemen mitarbeiten wollen.


Eike Möller

Als Arbeitsgruppen sind u.a. geplant:

Prof. Wolfgang Deppert: Zukunftshoffnungen trotz Zukunftsängsten: Zusammenhänge von Wirtschaft und Religion
Gunde Hartmann: Das misshandelte Kind - wie können wir helfen?
Wilken Möller (GITG GmbH): Muss der Faktor Arbeit billiger werden?
Dr. Volker Mueller: Gemeinsam leben lernen! Werteerziehung für alle und/oder Religionsunterricht oder Lebenskunde?
Horst Prem: Unsere Ressourcen: Wasser, Öl und Klima
Dr. Inga Scharf: Was Frauen wollen: Mütter, Karrierefrauen, Rentnerinnen - wie wünschen wir uns die Welt?
Prof. Dr. Karsten Urban: Bildung nur noch für Reiche - wie soll unser Bildungssystem in der Zukunft aussehen?

Weitere Informationen zum Unitariertag, z.B. über Unterkunft, Verpflegung, Preise, Kinderbetreuung, Arbeitsgruppen, Ausflugsprogramm etc. gibt es im Internet unter www.unitarier.de.