Pressedienst Ausgabe 1-2006


1906 wurde der Deutsche Monistenbund gegründet:
Freigeistige Aktion für humanistischeKultur feiert 100-jähriges Bestehen


Die Freigeistige Aktion für humanistische Kultur e.V. kann in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Sie wurde am 11. Januar 1906 in Jena als Deutscher Monistenbund gegründet. Der damals schon zur Legende gewordene Ernst Haeckel hatte die Gründung initiiert. Der Forscher, Zoologe, Künstler und Buchautor Haeckel war damals bereits für seine wissenschaftlichen Leistungen mit vielen Ehrendoktorwürden honoriert worden. Sein Buch Die Welträtsel war schon in viele Sprachen übersetzt worden und ein internationaler Bestseller.

Die Gründer des Monistenbundes kritisierten die dualistische Weltanschauung, die als "zwiespältiges Lebensbild, wie es dem kindlich naiven Denken der Vorfahren genüge", bezeichnet wurde. Dagegen sollten nun die Kulturwerte aufgezeigt werden, "die in einer monistischen, das Weltbild einheitlich betrachtenden, alle Lebensfunktionen auf ihren inneren Zusammenhalt zurückführenden Weltanschauung beschlossen liegen".
Abgeleitet vom griechischen "mónos" - "allein, einzeln, einmalig, einzig" bedeutet Monismus "Einheitslehre". Die Gegensätze hierzu sind Pluralismus und Dualismus. Haeckel: "Gott und Welt sind ein einziges Wesen. Der Begriff Gottes fällt mit demjenigen der Natur oder der Substanz zusammen. Diese pantheistische Weltanschauung steht im Prinzip sämtlichen angeführten und sonst noch möglichen Formen des Theismus schroff gegenüber …" Die Monisten wollten eine monistische Ethik in Schule, Erziehung und Kultur begründen.
Ein Jahr nach seiner Gründung hatte der Monistenbund 2500 Mitglieder, auf seinem Höhepunkt später 6000 Mitglieder in 40 verschiedenen Ortsgruppen. Die Gruppe blieb also relativ klein, wurde aber dennoch stets in der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen. In christlichen Kreisen wurde die monistische Weltanschauung als bedrohlich empfunden, so dass der DMB zum Konkurrenten des Christentums erklärt wurde.
Die freigeistige Bewegung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer stärker. Zum Volksbund für Geistesfreiheit (VfG) zählten 1928 noch 155 Mitgliedsgruppen. Die Zahl der Konfessionslosen in Deutschland, die 1910 noch 205.900 betragen hatte, war 1928 auf fast das Sechsfache gestiegen (1.200.000). Die Nationalsozialisten jedoch stoppten diesen Aufwärtstrend abrupt und trugen vermutlich erheblich dazu bei, dass Staat und Kirche weiterhin in der heute bekannten Verstrickung nebeneinander existieren können.
Nachdem der Monisten-Bund 1933 durch die Gestapo aufgelöst worden war, erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg am 11. November 1946 in München die Neugründung des Vereins. Er wurde unter dem Namen "Deutscher Monistenbund für wissenschaftliche Weltanschauung und ethische Kultur" eingetragen. Zum Zeitpunkt der Auflösung vor dem Krieg war natürlich auch das Vermögen und die Bibliothek konfisziert worden. Die Bibliothek hatte ca. 5000 Bände umfasst.
Aus Anlass der Neugründung wurden eine neue Satzung und ein Kulturprogramm verfasst und eingereicht. Unter "Zweck und Ziel des Bundes" heißt es u.a.: "Der Monistenbund erstrebt die Zusammenfassung aller nicht mehr auf kirchlicher Basis stehenden Vereinigungen und Personen, die ihr Leben durch logische Schlußfolgerungen aus einer auf wissenschaftlicher Forschung beruhenden einheitlichen Weltanschauung und nicht an Hand unbewiesener Dogmen, Gesetze und kirchlicher Vorschriften gestalten wollen. (...) Die monistische Weltanschauung variiert in verschiedenen Formen, ist also nicht starr oder dogmatisch festgelegt, da die wissenschaftliche Forschung als ihre Grundlage fortschreitet und daher veränderlich ist (...)." In den folgenden Jahren wurde die Satzung immer wieder überarbeitet und an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst.
1956 hatte der Deutsche Monisten-Bund (DMB) sieben Ortgruppen, und zwar in München, Stuttgart, Hamburg, Hannover, Köln, Berlin und Düsseldorf. In diesen Ortgruppen waren ungefähr die Hälfte der Vereinsmitglieder ansässig. Die andere Hälfte waren Einzelmitglieder, die im Bundesgebiet verstreut wohnten, die meisten davon waren schon vor 1933 im DMB organisiert gewesen. Auch gab es einige Mitglieder in der damaligen Ostzone, die für den Bund nicht aktiv werden konnten, sowie diverse Mitglieder im Ausland.
Auf der Bundeshauptversammlung im September 1956 wurde ein Antrag auf Namensänderung gestellt, dass der Deutsche Monistenbund in "Humanistischer Verband" umbenannt werden sollte. Dieser Antrag löste eine bundesweite Namensdiskussion aus, die darin gipfelte, dass alte Monisten dafür sorgten, dass es nicht zu dieser Umbenennung kam. Stattdessen einigte man sich dann bei der Bundesversammlung auf "Freigeistige Aktion - Deutscher Monisten-Bund" (FA-DMB).
Schon immer war es ein großes Anliegen der FA-DMB, eine Trennung von Staat und Kirche zu fördern. Damit zusammenhängend war das Problem des konfessionell gebundenen Religionsunterrichts in den Schulen. Zur Durchsetzung eines religionskundlichen Unterrichts wurde 1956 die "Gesellschaft zur Förderung des religionskundlichen Unterrichts e.V." (GzFdrU) gegründet.
1989 begann der FA-Vorstand, regelmäßig Wochenend-Seminare durchzuführen. Themen waren beispielsweise "Kommunikation", "Judentum", "Ernst Haeckels 'Welträtsel'", "Menschenrechte", "Opus Dei - Fundamentalismus im Abendland", "Die Kirche und unser Geld". Die jüngsten Seminare beschäftigten sich mit "Ludwig Feuerbach", "Werten" und jüngst mit "Kosmologie".
Die FA ist Mitglied im Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V., der Nachfolgeorganisation des Deutschen Volksbundes für Geistesfreiheit. Weiterhin ist die FA korporatives Mitglied im Förderverein Ernst-Haeckel-Haus. Seit 1957 war die FA Mitglied in der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union. Seit 2005 ist die FA über den DFW in der IHEU vertreten.
2003 wurde auf der Bundesversammlung der FA in Berlin beschlossen, den Namen von "Freigeistige Aktion - Deutscher Monistenbund e.V." umzuändern in "Freigeistige Aktion - für humanistische Kultur e.V." In der Begründung heißt es u.a.: "Die Entwicklung der vergangenen hundert Jahre hat gezeigt, dass es zu einem Wandel in der freigeistigen Terminologie gekommen ist. Die Namensänderung vor rund fünfzig Jahren hat den Akzent schon von der reinen naturphilosophischen Ausrichtung auf mehr Aktion im Sinne eines sich Einsetzens für freigeistige/humanistische Belange signalisiert. Durch die neue Veränderung werden wohl die meisten Menschen leichter verstehen, was unser Anliegen ist. Die Traditionslinie, der wir folgen, wird dadurch nicht aufgegeben, jedoch wird sie zeitgemäß interpretiert und fortgesetzt. Unser Anliegen ist es, vor dem Hintergrund der Grundrechte-Charta der UN an der Würde des Menschen ausgerichtete Kulturarbeit zu leisten." Dieser Antrag wurde auf der Bundesversammlung 2003 angenommen, und somit änderte die ehemalige FA-DMB ihren Namen in Freigeistige Aktion - für humanistische Kultur e.V. Die FA entwickelt sich also ganz im Sinne Haeckels immer weiter und passt sich den sich stets ändernden Gegebenheiten von Zeit zu Zeit an. Der derzeitige Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf der publizistischen und der Seminartätigkeit sowie sich aktuell ergebenden Projekten. - Seit ca. 15 Jahren ist die Freigeistige Aktion ein gemeinnütziger Verein.

Ortrun E. Lenz
Beisitzerin im Vorstand der FA

Ist Europa noch zu retten?
Plädoyer für eine soziale Bildungspolitik

Zu diesem Thema trafen sich traditionell Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen freigeistigen und humanistischen Vereinigungen zum inzwischen 22. Seminar des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften. Es fand kürzlich in der Frankenakademie Schloss Schney statt.

Die sehr kompetenten Referenten und das rege Publikum haben das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet und intensiv diskutiert. Eingeleitet wurde das Seminar durch Thesen von Dr. Volker Mueller (Falkensee) und von Horst Prem (Ottobrunn), die auf Grundfragen der Werteerziehung in der Gegenwart, auf das nicht mehr vorhandene Monopol der Religionen und die Notwendigkeit der Allianz für Toleranz und Nicht-Diskriminierung in Europa, ja auf der Erde eingingen. Auf die konkrete Situation der Wertevermittlung in Schule und Gesellschaft gingen jeweils Renate Bauer (Ludwigshafen) und Peter Kriesel (Brandenburg/Havel) ein. Der Respekt vor Traditionen und kultureller Vielfalt führe auch zu neuen Herausforderungen für die Schule, die integrierend und werteorientierend tätig sein soll. Berlins Bestrebungen, ähnlich wie Brandenburg mit "LER" einen Ethikunterricht für alle einzuführen, wurden hierbei als besonders zukunftsträchtig herausgearbeitet.
Dr. Georges Liénard von der Europäischen Humanistischen Förderation (Brüssel) ging auf die Probleme der Vermittlung von humanistischen Grundwerten und Menschenrechten für alle in der Europäischen Union ein und stellte die aktive Mitwirkung der freigeistig-humanistischen Verbände als wesentlich heraus. Heiko Porsche (Hamburg) rundete die Thematik mit seinen Ausführungen über den bevorstehenden Abschluss der Staatsverträge des Landes Hamburg mit den beiden christlichen Kirchen ab, in denen er die unzeitgemäße Privilegierung nur einer Religion und ihrer kirchlichen Institutionen kritisierte.
Insgesamt haben die Seminarteilnehmer folgende Ergebnisse festgehalten:
- In einer multikulturellen Gesellschaft, wie sie heute in allen europäischen Staaten existiert, muss das Monopol der schulischen Werteerziehung durch die traditionellen Religionsgemeinschaften aufgehoben werden. Die verfassungsmäßig garantierten Grundwerte und Menschenrechte stellen den übergeordneten Wertekonsens dar und stehen über den abgeleiteten Werten wie z.B. der Freiheit der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften.
- Es macht Sinn, ähnlich wie in Brandenburg (LER) und nun auch in Berlin (Ethik und Kulturen), für alle Schüler/innen einen integrativen Werteunterricht einzuführen, der Nicht-Diskriminierung und Toleranz mehr in den Vordergrund der Werteerziehung stellt.
- Das Projekt der EU, eine Europäische Staatsbürgerlichkeit (European Citizenship) zu entwickeln, wird ausdrücklich unterstützt. Europa ist eine Wertegemeinschaft und nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft! Dabei suchen und unterstützen wir Wege für engere Zusammenarbeit und mehr Miteinander in Europa. Hierfür initiieren und fördern wir den europaweiten Austausch zur Weiterentwicklung der Werteerziehung z.B. durch Lehrerkonferenzen sowie Jugendaustausch.


Die Pressefreiheit und die Karikaturen

"Manche Menschen glauben an einen Gott. Andere glauben an mehrere. Manche sehen sich selbst als Agnostiker und haben keine festgelegte Meinung. Und schließlich gibt es auch noch Atheisten. Sie alle müssen zusammen leben. Und dieses gemeinsame Leben muss seit der ersten Erklärung der Menschenrechte die Glaubensfreiheit und gleiche Rechte für alle sicherstellen." (Henri Pena Ruiz)

Die Europäische Humanistische Föderation (EHF) ist der Ansicht, dass nur ein pluralistischer Staat Glaubens- und Gewissensfreiheit garantiert. Diese Freiheit schließt die Freiheit ein, zu glauben oder nicht zu glauben, und dieser oder jener Religion anzugehören oder auch nicht, ohne dass irgendeine Religion oder ein Glaube privilegiert oder Einschränkungen unterworfen werden darf, die Ausnahmen von den allgemeinen Gesetzen bilden würden. Dieser Pluralismus ist unabdingbar für ein "Zusammenleben".
Ohne Pressefreiheit kann es keinen Pluralismus geben. Und "Pressefreiheit ist nicht nur anwendbar auf 'Informationen' oder 'Ideen', die man bevorzugt erhält oder die als defensiv empfunden werden, sondern auch auf solche, die Anstoß erregen, schockieren oder stören". Die Regel, dass der islamische Fundamentalismus nicht gezeigt werden darf, ist eine religiöse Regel, die nur Moslems betrifft, was die Auswirkung haben kann, dass sie sich betroffen fühlen. Keinesfalls kann ein striktes religiöses Verbot die Beschneidung der Pressefreiheit rechtfertigen. Von daher kann die Tatsache, dass die fraglichen Karikaturen Anstoß erregen oder die Gefühle einer Gemeinschaft (religiös oder nicht) verletzen, auf keinen Fall ein Veröffentlichungsverbot rechtfertigen.
Dennoch ist die Pressefreiheit nicht grenzenlos: eine Behauptung, ein Buch, eine Zeichnung können Anstiftung zu Hass, Gewalt oder Diskriminierung gegen eine Person, eine Gruppe, eine Gemeinschaft oder Mitglieder einer Gruppe oder Gemeinschaft sein, basierend auf Rasse, Hautfarbe, Abstammung oder nationaler oder ethnischer Herkunft. In diesem Fall wären sie verwerflich und könnten per Gesetz verboten werden.
Im Falle der Jyllands-Posten-Karikaturen kann man den Verantwortlichen den Vorwurf machen, dass sie den Islam mit krimineller Intoleranz und Terrorismus gleichsetzen. Diese Identifikatoin ist unwahr, zumal Moslems ihre Religion als Botschaft des Friedens und des Einklangs ansehen.
Dennoch existiert auch ein intoleranter und terroristischer Islamismus, und die EHF verurteilt die Tatsache, dass die gewalttätigen, hasserfüllten Reaktionen, deren Zeuge wir waren, weit mehr als irgendwelche Karikaturen dazu beitragen, dass die Verbindung zwischen Islam und Intoleranz und die Stärkung der radikalsten Standpunkte in den Köpfen der Leute aufrechterhalten wird.
Religionen haben viel zum universellen Denken, zur Kultur und Philosophie beigetragen. Religionen transportieren seit jeher die Ansichten vieler Menschen. Dennoch haben sie auch allzu oft Botschaften transportiert, die bedeutungslos, unwahr oder Hass provozierend sind, und tun es noch heute. In der Vergangenheit waren Religionen schon zu oft die Wurzel der Konflikte und man kann auch sagen, dass die religiöse Intoleranz in Europa praktisch konstant geblieben ist. Jegliche Bedrohung der Pressefreiheit muss mit der gleichen Festigkeit bekämpft werden, gleich welchen Ursprungs.
Keine Religion ist über Kritik erhaben. Keine kann Immunität oder einen besonderen Status für sich beanspruchen. Die EHF ist gegen jeden Versuch, durch Legalisierung oder Gerichtsverfahren das Recht zur Herausforderung und zur Kritik - innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen - jeglicher Religionen, ihrer Doktrinen und der Aktionen derjenigen, die sich als religiös bezeichnen, zu beschneiden. Auf der anderen Seite lehnt die EHF vehement ab, den Islam mit Terrorismus gleichzusetzen. Sie ist ebenfalls gegen eine verallgemeinernde Verurteilung von Dänen, Franzosen, Norwegern oder Europäern durch Muslime oder den Islam, genauso wie gegen alle Gewalttaten, die im Sinne einer Rache und im Namen eines beleidigten Propheten begangen werden.
Weiterhin unterstützt die EHF all diejenigen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, die sich gründlich mit dem delikaten Punkt der manchen Koranversen innewohnenden Gewalt befassen. Für jeden Laien, Moslem oder nicht, klingen solche Texte von vor 1500 Jahren, wenn sie aus dem Kontext genommen werden, wie Aufrufe zum Hass gegen Juden, Christen und Ungläubige, zur Demütigung von Frauen und zum Fortführen eines Heiligen Krieges. Dennoch ist klar, dass die meisten Moslems den Islam als eine Friedensreligion leben. Mögen ihre Stimmen laut und deutlich ertönen, und möge diese Vision die Oberhand gewinnen. Und mögen moslemische Autoritäten es eindeutig verdammen, ihren Propheten oder Gott in ein politisches oder Mordinstrument zu verwandeln. Dieser Appell richtet sich ebenso an die Führer der anderen Religionen.
Die EHF wird ihre Appelle zum gegenseitigen Verständnis über alle Traditionen und Glauben hinweg fortführen. Sie ruft die Menschen auf, untereinander Brücken zu bauen, um zu zeigen, was uns vereint, um alle zu unterstützen, die für den Fortschritt eintreten, und um die zusammenzubringen, die aus unserem gemeinsamen Erbe alles ziehen können, was eine Öffnung in Richtung Dialog und Moderne begünstigt.

EHF Board of Directors, Paris

"Utopien zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Perspektiven utopischen Denkens"
Freie Akademie tagt vom 28. April bis 1. Mai 2006 auf Schloss Schney

Seit geraumer Zeit befindet sich das utopische Denken vor neuen Herausforderungen. Zum einen scheint es, als ob die Erfahrungen mit politischen Diktaturen aufs Ganze bezogene alternative Gesellschaftsentwürfe vollständig diskreditiert haben; zum anderen scheinen die aktuellen Erfahrungen mit der globalen Ökonomie und ihren Sachzwängen das Denken immer fester auf unmittelbar Machbares zu verpflichten. Pragmatik scheint vor visionärem Denken und perspektivischem Handeln Vorrang zu haben.

Wenn das menschliche Denken doch einmal die Kraft zur Übersteigung der Realität findet, dann scheint dies nicht mehr in der Form utopischen Denkens, sondern in Form religiöser oder irrationaler Vorstellungen oder aber in Form technizistischer Prognosen zu geschehen. Wir möchten herausarbeiten, dass das utopische Denken davon deutlich verschieden ist, denn es vertraut auf die konstruktiven Kräfte der Vernunft, es motiviert zum Vordenken und zur Zukunftsverantwortung, und es kann normative Bilder möglicher alternativer Gemeinwesen entwerfen. Naturwissenschaft und Technik haben innovative methodische Vorgehensweisen entwickelt, die wissenschaftlichen Fortschritt erst ermöglicht haben. Komplexes und interdisziplinäres Erfassen von Tatsachen und deren "Verlängerung" in die Zukunft schaffen neue Sichtweisen sowohl in den Wissenschaften und der Philosophie als auch in Politik, Ökonomie und Kultur. Der Rolle des Utopischen bei diesem Erfassen soll auf der Tagung der Freien Akademie nachgegangen werden.
Wissenschaftliche Leitung: Dr. Volker Mueller und Dr. Falko Schmieder.

Jugendfeier bei der Freireligiösen Landesgemeinde

Die Freireligiöse Landesgemeinde Pfalz bietet für nicht konfessionell gebundene Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren ein Fest zum Erwachsenwerden, die Jugendfeier, an.

Mit diesem Angebot reagieren wir auf die Wünsche von Familien, die für ihre heranwachsenden Jugendlichen eine Möglichkeit suchen, diese Lebensphase mit einem festlichen Ritual herauszuheben und damit anzuerkennen. Auf Vorbereitungstreffen können die Teilnehmer/innen ihnen wichtige Themen ansprechen, der Ablauf der Feier wird gemeinsam mit ihnen und ihren Familien gestaltet.
Die Jugendfeier findet am Samstag, 20. Mai 2006 (nachmittags) im Johannes-Ronge-Haus, Wörthstr. 6 a, in Ludwigshafen-Mitte in einem festlichen Rahmen statt. Anmeldungen hierzu werden noch angenommen. Interessierte können sich informieren unter Tel. 0621 / 512582 oder im Internet unter www.freireligioese.de.


Heft 21 der Schriftenreihe für freigeistige Kultur
"Politik für einen gesellschaftlichen Konsens oder das Ende der deutschen Demokratie?"

hrsg. v. Volker Mueller und Horst Prem (DFW), Angelika Lenz-Verlag 2005, 72 S., 7,20 Euro, ISBN 3-933037-53-0

Die Beiträge in diesem Heft setzen sich aus freigeistiger Sicht mit aktuellen und grundlegenden Problemen der Arbeit und der Arbeitslosigkeit sowie den gesellschaftlichen Auswirkungen einer fehlerhaften Energie- und Steuerpolitik auseinander. Sie fördern die Diskussionen darüber, dass sich Deutschland in seinen sozialen Verhältnissen wandeln muss! Aber nicht so wie es sich viele Politiker in den alten Denkstrukturen vorstellen, denn Sozialabbau kann nicht der Weg der sozialen Marktwirtschaft sein. Alternativen zu der verfahrenen Politik wurden im Rahmen des 21. DFW-Seminars aufgezeigt, auf dem die Beiträge vorgetragen wurden.
Dieses Heft soll dazu beitragen, Verbündete zu finden, die erkannt haben, dass Sozialsysteme konkurrieren und nicht Wirtschaftsräume. Wenn wir die Errungenschaften unseres Sozialsystems nicht aufgeben wollen, sondern soziale Sicherheit erhalten und Massenarbeitslosigkeit beenden, dann müssen wir aufhören, Arbeitsplätze wegen zu niedriger Energiekosten wegzurationalisieren. Die Beiträge von Volker Mueller, Jürgen Grahl, Dietmar Michalke und Horst Prem haben sich damit befasst und das Bewusstsein verstärkt, dass uns die aufgezeigten Grundprobleme lange Zeit beschäftigen werden. Möge dieses Heft einen Beitrag zu neuen Wirtschafts- und Sozialtheorien liefern, da die alten nicht mehr zu Innovationen zu führen scheinen. Wir hoffen, mit den hier vorgelegten Seminarergebnissen die weitere Diskussion anzuregen und zu einem größeren politischen Konsens beizutragen, als er gegenwärtig vorhanden ist.

Volker Mueller

Der indische Gastsohn wartet schon
Havelländische Freidenker fliegen wieder auf den Subkontinent

Die Vorfreude ist groß: "Im Kopf bin ich ja schon seit drei Wochen da", sagte Anke Wohlfeil-Becker aus Friesack vor einigen Tagen. Da trafen sich die Reiseteilnehmer des Humanistischen Freidenkerbundes Havelland (HFH) noch einmal zur Vorbesprechung in einem Restaurant - einem indischen, versteht sich. Denn wenige Tage später gingen neun Freidenker ins Flugzeug nach Indien.

Bereits zum sechsten Mal macht sich eine HFH-Gruppe auf nach Vijayawada im Bundesstaat Andhra Pradesh, um dort 14 Tage bei der Partnerorganisation "Atheist Centre" zu verbringen. "Die Reise ist diesmal kein Jugendaustausch, der seit 1996 mit dem Atheist Centre besteht. Es ist vielmehr eine Studienreise etwas älterer Freidenker", erklärte HFH-Vorsitzender Volker Mueller. Er selbst werde das Team nicht begleiten, die Reiseleitung übernehmen Ilka Busch und Tina Hoffmann. Beide engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich für den HFH. "Wir freuen uns alle sehr auf Indien, damit wird ein lang gehegter Traum wahr", stellte Ilka Busch fest. "Für die Teilnahme am Jugendaustausch lag ich ja leider immer ein wenig über der zugelassenen Altersgrenze", lächelte die 36-Jährige.
Auch Anke Wohlfeil-Becker zieht es auf den Subkontinent: "Im August 2004 beherbergten wir einen indischen Gast aus der Jugendgruppe, die im Rahmen des Austausches das Havelland besuchte", erzählte sie. Danach wollten sie und Gatte Lothar unbedingt Gastsohn Krishna in dessen Heimat besuchen. Unter den Teilnehmern sind aber auch "alte Hasen": "Die Menschen im Atheistischen Zentrum sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich wieder mitfahre, diesmal im Rahmen der Studienreise", sagte Nicole Hänseler, die zuerst 1996 und dann 1998 als Abiturientin mit dem Freidenkerbund das Land besuchte.
Gemeinsam mit dem HFH hat der indische Partner ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet: Das "Senior"-Team wird neben den sozialen Einrichtungen in Vijayawada Projekte im nahgelegenen Tsunami-Gebiet besichtigen. Eine mehrtägige Fahrt in die Metropole Hyderabad, der Hauptstadt Andhra Pradeshs, ist ebenfalls geplant. "Die Teilnehmer wollen kulturelle und religiöse Besonderheiten des Landes erkunden und wertvolle Erfahrungen sammeln", erklärte Mueller. Natürlich werden sie auch den HFH und seine Arbeit repräsentieren.
"Wir freuen uns besonders, eine Geldspende für das Atheistische Zentrum übergeben zu können", sagte Ilka Busch. Havelländische Freidenker und befreundete freigeistige Verbände aus ganz Deutschland hätten in den vergangenen Monaten 3000 Euro gesammelt. Das Geld wird für die Hilfe in von Fluss- und Meeresfluten betroffenen Gebieten eingesetzt.

Marie Prott