Vatikan und Slowakei schließen Pakt zur Gewissensfreiheit

Das Parlament der Slowakei hat die dortige Regierung beauftragt, einen Sondervertrag mit dem Vatikan über die Gewissensentscheidung seiner Bürger abzuschließen.  Dies würde den Einfluss der Katholischen Kirche in der Slowakei über die Institutionalisierung der (natürlich hier nur christlich geprägten) Gewissensentscheidung stark erweitern. Auf der Basis des geplanten Abkommens könnten zum Beispiel Ärzte die Teilnahme an einem Schwangerschaftsabbruch in ihrem Spital ablehnen, ohne mit rechtlichen Folgen rechnen zu müssen. Auch Richter könnten sich weigern, Scheidungsfälle zu verhandeln, wenn das gegen ihr Gewissen ginge. Lehrer könnten eine gegen die kirchliche Lehre gerichtete Sexualaufklärung in den Schulen verhindern.

Das Abkommen zur Gewissensfreiheit ist ein Pakt, der erstmals zwischen dem Vatikan und einem europäischen Staat geschlossen wird. Er hat weitreichendere Auswirkungen als alle Konkordate des Heiligen Stuhls, die in den letzten Jahren mit Staaten wie Kroatien oder Litauen abgeschlossen wurden. Der Papst hat bei seinen Bemühungen um eine Re-Evangelisierung Europas verstärkt auf die Ausweitung seines Einflusses in den ehemaligen Ostblockländern gesetzt. Zuletzt verlangte Polen im Rahmen seiner Beitrittsgespräche mit der Europäischen Union eine Ausstiegsklausel bei all jenen EU-Entscheidungen, die Gesetze mit moralischen Implikationen betreffen.

Viele Kritiker sehen in der verstärkten Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und den neuen Demokratien im europäischen Osten die Trennung von Kirche und Staat gefährdet.