Ethische Grundsätze und Moral auch ohne Gottesbezug

Die Freireligiöse Gemeinde Wiesbaden K.d.ö.R. und die Freireligiöse Landesgemeinschaft Hessen K.d.ö.R. begrüßen, dass in Form eines Streitgespräches die unterschiedlichen Standpunkte zur Evolution und Menschwerdung deutlich gemacht wurden und unterstützen diesbezüglich den vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. bezogenen Standpunkt, dass sich jede Form eines religiös begründeten und personifizierten Gottesbezuges erübrigt.

Wir stellen in diesem Zusammenhang fest:

  1. Ähnlichen Tendenzen wie in den USA ist entschieden zu begegnen, wenn von Seiten religiöser Eiferer mit zweifelhaften Mitteln, aber mit wachsendem Erfolg versucht wird, die Evolutionslehre Darwins in Zweifel zu ziehen und aus den Schulen zu verbannen, andererseits aber den Vorrang des biblischen Schöpfungsmythos festzuschreiben.

  2. Der Versuch, Wissenschaft und Vernunft mit den Grundsätzen des christelichen Glaubens in Einklang zu bringen, bleibt Augenwischerei.

  3. Es besteht keine zwingende Notwendigkeit „glauben zu müssen“, schon gar nicht an eine im christlichen Sinne definierte Gottheit.

  4. Gegenüber einem unreflektierten Glauben kommt der Forderung Kants unvermindert Gültigkeit zu, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

  5. Jede Religion, die für sich in Anspruch nimmt, die allein „selig machende“ Wahrheit zu besitzen, birgt in sich den Keim der Intoleranz.

  6. Der in der Bibel glauben gemachte „geradlinige“ und auf den Mensch als sog. Krone der Schöpfung bezogene Schaffungsprozess widerspricht wissenschaftlicher Erkenntnis und hat in 2000 Jahren in seiner unverhohlenen „Absolutsetzung“ des Menschen in vielfacher Hinsicht kontraproduktiv für unsere Umwelt und alle Wesen der belebten Natur gewirkt.

  7. Ethische Grundsätze und Moral bedürfen keiner sogenannten Heiligen Schrift und keines Glaubens. Sie ergeben sich aus den Anforderungen menschlichen Zusammenlebens wie sie schon in der antiken Philosophie sowie im Zeitalter des Humanismus und der Aufklärung formuliert wurden und zwar ohne jeden Gottesbezug.

Dr. Holger Behr

Vorsteher der Freireligiösen Gemeinde Wiesbaden

 

Dieter Bender

Präsident der Freireligiösen Landesgemeinschaft Hessen