Wo bleiben Lehrstühle für Humanismus?

Die seit 1952 in der DDR gegründete einzige katholische kirchliche Hochschule in Ostdeutschland (sie war in Erfurt die Hauptbildungsstätte für kath. Priester) ist in die Theologie-Fakultät der dortigen Universität eingegliedert worden. Dies geschah „mit dem Segen des Papstes“ und einem entsprechenden Staatsvertrag, der nicht nur die Finanzierung regelt, also die Priesterausbildung auf Staatskosten, sondern auch die Mitsprache der Kirche bei „Berufung und Abberufung“ von Professoren.

Der Vertrag wurde zudem zwischen dem Land Thüringen und dem Vatikan abgeschlossen. Dabei wird vom Apostolischen Nuntius betont, dass die (bisher nur evangelische) Fakultät ein Ort sei, „an dem sich die Wissenschaft frei entfalten konnte“. Ob das nun angesichts der neuen Mitarbeiter so bleibt, ist dabei weniger wichtig als die Tatsache, dass nun endlich auch der konfessionsfreie Osten zwar keinen einzigen Lehrstuhl für Humanismus (wie ihn auch der Westen nicht aufweist), aber nun mehrere neue für Katholische Theologie hat. Angesichts des Theatersterbens in Thüringen ist endlich eine neue Adresse für das frei werdende Geld gefunden worden. Dabei hat der nun Uni-Professor Tiefensee doch selbst erst festgestellt, dass es sich im Osten nicht lohnt zu missionieren.

Horst Groschopp