Moderne Hexenverfolgung in Dietzenbach

Mit großer Überraschung nimmt der Vorstand der Freireligiösen Gemeinde Neu-Isenburg davon Kenntnis, dass der im Kreisgebiet bestehende religiöse Frieden durch das Anbringen eines Kreuzes im Kreishaus Dietzenbach nicht unerheblich gefährdet wurde. Völlig unbegreiflich ist uns, dass die dortigen Verwaltungsorgane, trotz der bestehenden eindeutigen Rechtslage, innerhalb eines allen Bürgern dienenden Raumes Propaganda für eine Konfession nicht nur zulassen, sondern sogar diese veranlassen. Dies geht zumindest aus den sich teilweise widersprechenden Presseveröffentlichungen im Kreisgebiet hervor.

Lediglich eine Dame des Kreistages, Frau Ursula Chmelik von der Fraktion der Grünen, fand den Mut, gegen die Anbringung religiöser Symbole zu protestieren. Obwohl sich die Damen und Herren des Kreistages der Rechtslage und sicherlich auch der Bevölkerungsstruktur gerade in Dietzenbach bewusst sein dürften, hatten sie nur den traurigen Mut, die Sprecherin mit Buhrufen zu bedenken. Begriffe wie Recht und Toleranz auch für Andersdenkende wurden wohl wegen des derzeitigen Wahlkampfes ignoriert.

Inzwischen haben sich die Presseorgane des Kreisgebietes ebenfalls des Themas angenommen. Dabei geschah ebenfalls Erstaunliches. Nicht etwa die Behörde wurde wegen ihrer Maßnahmen kritisiert, sondern Kübel von religiösem Hass ergossen sich über Frau Chmelik. Dabei betätigte sich mit die Offenbach-Post, die am 9.9. mit einer ganzseitigen Veröffentlichung von Leserbriefen erschien, die sich alle völlig eindeutig nur gegen die Abgeordnete aussprachen. In dieser Ausgabe fand sich kaum ein Mitbürger, der für die Haltung von Frau Chmelik zumindest ein verständnisvolles Wort fand. Zufall oder Auslese? Oder fürchten sich schon wieder Menschen, für offene Worte im religiösen Bereich verfolgt zu werden? Die Abgeordnete selbst kann bereits davon berichten, wie man sie schmäht und mit einem Telefonterror überzieht.

Sicherlich gibt es derzeitig ganz andere und viel wichtigere Problemstellungen als das Dietzenbacher Kreuz, aber dennoch verdient der Mut, den Menschen wie die Kreistagsabgeordnete Chmelik aufbringen, unseren Respekt und unsere Solidarität.

Freireligiöse Gemeinde Neu-Isenburg (Hessen)