Gottesdienste sind keine Schulveranstaltungen

Die Freireligiöse Gemeinde Wettenberg protestiert gegen die Ankündigung von Schulgottesdiensten in offiziellen Mitteilungen der Wettenberger Grundschulen, durch die der Eindruck entsteht, dass diese Gottesdienste offizielle Schulveranstaltungen sind und hat aus diesem Grund Protestschreiben an die Schulleitungen der Grundschulen und an den Bürgermeister Gerhard Schmidt gerichtet.

In den Schulnachrichten im Amtsblatt für die Gemeinde Wettenberg befinden sich in der Ausgabe Nr. 34 vom 23. August 2003 die Mitteilungen über den Schulbeginn. In allen Grundschulen der drei Ortsteile finden anlässlich der Einschulung so genannte Gottesdienste der christlichen Kirchen statt. Es sei den Kirchen unbenommen, zu diesem Anlass Gottesdienste zu veranstalten, die Schulen jedoch sind als staatliche Institutionen hier zur Neutralität und Zurückhaltung verpflichtet. Die Religionsfreiheit gehört zu den Grundrechten, die im Grundgesetz ausdrücklich für jeden Bürger garantiert werden und die gängige Rechtssprechung schließt eindeutig auch die so genannte negative Bekenntnisfreiheit ein.

In den Mitteilungen der Schulen wird nicht nur auf diese Veranstaltungen hingewiesen, man begnügt sich nicht einmal mit einer Einladung. In Launsbach entsteht angesichts der Formulierung: „Er beginnt mit einem ökumenischen Schulanfängergottesdienst“ der Eindruck, dass es sich um eine schulische Veranstaltung handelt. In Wißmar hat die offizielle Einschulung nicht einmal einen genauen Termin (ca. 10:45 Uhr), dafür weist die Schule allerdings um so deutlicher auf den genauen Beginn des Gottesdienstes hin. In Krofdorf-Gleiberg ist der Gottesdienst sogar eingebettet in den Unterrichtsplan und die Teilnahme der Zweitklässler wird als obligatorisch dargestellt („Anschließend gehen die 2. Klassen mit in den Einschulungsgottesdienst.“)

Wir halten diesen Umgang mit Nicht-Kirchengläubigen für unerträglich und protestieren auch dagegen, dass solche Veröffentlichungen im Amtsblatt der Gemeinde Wettenberg unter Schulnachrichten möglich sind und dadurch einen nochmals gesteigerten offiziellen Charakter bekommen. Ein solcher Umgang mit Andersdenkenden und religiösen Dissidenten wird auch der besonderen Kulturgeschichten Krofdorf-Gleibergs nicht gerecht, wo seit dem vorletzten Jahrhundert eine beträchtliche Zahl von kirchenfreien Menschen leben und zu einem toleranten Miteinander wesentlich beigetragen haben.

Dieter Bender (Präsident der Freireligiösen Landesgemeinschaft Hessen)

Horst Schmidt (Vorsteher der Freireligiösen Gemeinde Wettenberg)