Mehr internationale Arbeit des DFW

Was sind die Schwerpunkte der inhaltlichen Arbeit des Dachverbands Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) als einer freigeistigen Dachorganisation freier selbstständiger Verbände, die eine eigene Identität und Tradition besitzen und mit Recht auf ihre Freiheitsrechte und weltanschauliche Selbstbestimmung wert legen? Traditionelle Arbeitsbereiche sind und bleiben die der Vertretung der Interessen kirchenfreier Menschen insbesondere im sozial-, bildungs- und medienpolitischen Bereich, aber auch in Menschenrechtsfragen und der Kultur, sowie das Ringen um den weltanschaulich neutralen Staat bei Gleichbehandlung aller Religionen und Weltanschauungen.

In den letzten Jahren haben sich weitere Schwerpunkte herauskristallisiert: Dazu gehört vor allem die Menschenrechtspolitik. Unser Bemühen um den Internationalen Strafgerichtshof, die Europäische Grundrechtecharta und jetzt die Europäische Verfassung hat verfassungs- und völkerrechtliche Probleme intensiv thematisiert und zu Erfolgen geführt. Dazu gehört natürlich unser verstärkter Einsatz für Frieden nach dem 11. September 2001. Terrorismus ist scharf zu verurteilen. Die Lösung von internationalen Problemen ist durch Krieg generell nicht (mehr) möglich, wie der Irakkrieg deutlich macht.

In unseren Aktivitäten um eine Europäische Verfassung mit laizistischem Charakter haben wir uns insbesondere im Rahmen der Europäischen Humanistischen Föderation, deren Mitglied der DFW seit über einem Jahr ist, davon leiten lassen, die universellen Menschenrechte für alle Bürgerinnen und Bürger gesichert zu wissen. In mehreren Erklärungen und Schreiben an den Europäischen Verfassungskonvent und an unsere Bundesregierung haben wir dies angemahnt und sind zugleich für die Laizität der Europäischen Union (EU) eingetreten. Die Debatten um das Diskriminierungsverbot, das Verhältnis von Staat und Kirchen (das Verhältnis von EU und den auf Europaebene organisierten christlichen Kirchen) und die Gleichbehandlung aller Religionen und Weltanschauungen bestätigen unsere Positionen, einen Gottesbezug in der Präambel der EU-Verfassung nicht zuzulassen sowie die Festschreibung der bevorzugten Stellung der Kirchen (Art. I 51) zu verhindern. Eine laizistische Bundesrepublik Deutschland würde eine weltanschaulich neutrale EU und ein pluralistisches Gemeinwesen EUROPA verstärken.

Wichtig bleibt dabei, dass keiner die Hegemonie oder den alleinigen Wahrheitsanspruch über die sich entwickelnde europäische Wertegemeinschaft hat. Gerade der Vatikan geht in seinen jüngsten Verlautbarungen gegen die EU-Verfassung immer wieder von der ausschließlich katholisch-christlichen Dominanz in allen ethischen und kulturellen Fragen für Europa aus.

Die internationale Zusammenarbeit des DFW hat sich erfolgreich ausgeweitet. Wir werden auf internationalen Veranstaltungen und Kundgebungen für eine demokratische und laizistische EU-Verfassung am 29./30.11.2003 in Rom und am 6.12.2003 in Paris aktiv vertreten sein.

Dr. Volker Mueller

DFW-Präsident