SterbehiIfe: Selbstbestimmungsrecht hat absoluten Vorrang

Bund für Geistesfreiheit wirft Kirchen Bevormundung Andersdenkender vor

Nach Auffassung des Bundes für Geistesfreiheit Bayern (bfg), der als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Kirchen rechtlich gleichgestellt ist, muss das Selbstbestimmungsrecht des betroffenen Menschen absoluten Vorrang heben. Daher hält der bfg das niederländische Sterbehilfe-Gesetz nicht für ideal. Wer bei einer schweren Krankheit schnell und friedlich sterben will, sollte keine andere Person mit der Tötung beauftragen, sondern selbst über den Zeitpunkt des Todes entscheiden. Daher sollte in Deutschland die bereits jetzt straffreie Beihilfe zum Freitod erleichtert, nicht aber die Tötung auf Verlangen generell legalisiert werden.
Die Reaktionen der Kirchen auf das Sterbehilfe-Gesetz stoßen beim Bund für Geistesfreiheit, einer lnteressenvertretung nichtreligiöser Menschen, jedoch auf scharfe Kritik.

Zum einen bestreiten beide großen Kirchen - was sie in den meisten Stellungnahmen geschickt überdeckt haben - ein Verfügungsrecht auch über das eigene Leben. Diese Position steht nach Ansicht des bfg in Widerspruch zum Grundgesetz und zu den allgemeinen Menschenrechten.

Zum anderen verlangen die Kirchen, dass ihre - religiös motivierte - Moralauffassung zur gesetzlichen Norm auch für alle Andersdenkenden wird, also auch für Menschen, die ihre Ethik aus rein innerweltlichen, humanistischen Werten ableiten. Einer solchen Bevormundung widersetzt sich der bfg mit aller Entschiedenheit. Sie beweist, dass die Kirchen noch immer nicht begriffen haben, dass sie im demokratischen, pluralistischen Staat keine „religiöse Diktatur“ mehr aufrecht erhalten können, sondern die Weltanschauung anderer tolerieren müssen. Für Nichtmitglieder haben sie kein „Wächteramt“, auch wenn sie dies noch so oft reklamieren.

Dies gilt umso mehr, als die Kirchen heute nur noch eine Minderheit in der Bevölkerung zu ihren Anhängern zählen können. Zwar gehören formal (nur) noch je 32,5 Prozent der Bevölkerung der katholischen bzw. evangelischen Kirche an, während 30 % konfessionsfrei, 3,5 % islamisch und 8 % andersgläubig sind (aktueller Stand, basierend auf den Daten vom 31.12.1998 nebst Fortschreibung). Doch kirchliche Umfragen belegen, dass nur noch ein Sechstel der Bevölkerung das biblisch-christliche Weltbild der Kirchen teilt (vgl KNA vom 17.6.97)
Dabei respektiert der bfg die Haltung beider Kirchen, auch wenn ihnen der „Schutz des Lebens“ in früheren Zelten keineswegs so heilig war, wie sie dies heute bekunden. Aber die Bischöfe sollten erst einmal intern dafür sorgen, dass sich ihre eigenen Mitglieder an ihre Normen halten.

bfg Bayern

Gerhard Rampp, Pressesprecher