Staat und Kirche sollen getrennt sein!

Ein Leserbrief in der Zeitschrift FREIDENKER 2-00 regt mit Recht an, dass die Konfessionslosenverbände gut daran täten, „sich zu vernetzen und gemeinsam über neue Strategien nachzudenken". Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. mit seinen zehn Mitgliedsverbänden ist nicht nur dazu bereit und offen, sondern bewegt sich trotz mancher Konflikte in diese Richtung. Nur der Weg der Bündelung der freigeistigen Kräfte bei Wahrung der Identität und der Eigenständigkeit des einzelnen Verbandes kann auf Dauer zu öffentlicher und gesellschaftspolitischer Wirksamkeit führen.
Zu den wesentlichen programmatischen Aussagen des DFW gehören die strikte Trennung von Staat und Kirche und die weltanschauliche Neutralität des Staates. Der DFW fordert, „den Einfluss der Kirchen auf staatliche Institutionen abzubauen und den Gleichstellungsgrundsatz für die freien Weltanschauungsgemeinschaften zu verwirklichen" (§ 2 Abs. 4 der Satzung). Als Interessenvertretung selbständiger Verbände tritt der DFW „für die strikte Trennung von Staat und Kirche" ein (Pkte. 6 und 8 der
DFW-Grundsätze). Wir sehen trotz des geltenden Verfassungsrechtes in der Bundesrepublik Deutschland eine andere Verfassungswirklichkeit in dieser Frage, nämlich eine Privilegierung der christlichen Großkirchen. Sie ist mit unserem humanistischen Verständnis von Menschenrechten, freier Ethik und Geistesfreiheit nicht vereinbar.

Der Briefschreiber irrt daher, dass der DFW bisherige Positionen zu dieser Thematik aufgibt. Allerdings darf natürlich diskutiert werden, ohne Tabus, sich dabei selbst in Frage stellend. So ist auch der Beitrag von Siegward Dittmann (BFGD) zu verstehen, den er als Einzelperson geschrieben hat. Sein Originalartikel ist allerdings nur in „Kristall" und in „Wege ohne Dogma" erschienen. Es wäre schön, wenn in der Sache darüber weitere (gerade auch kontroverse) Artikel veröffentlicht werden würden...

Dr. Volker Mueller
DFW-Präsident