Nicht nur die Bundesrepublik 
ist 50 Jahre alt

Am 10. Oktober 1999 feierte der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften sein 50-jähriges Bestehen im Berliner Willy-Brandt-Haus.

In seinem Grußwort war Bundestagspräsident Wolfgang Thierse auf die wechselvolle Geschichte dieser Vereinigung eingegangen, die 1922 als „Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände der deutschen Republik“ in Magdeburg gegründet und 1933 durch die Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Am 8. Oktober 1949 wurde die Nachfolgeorganisation als Volksbund für Geistesfreiheit in Wiesbaden neu gegründet und 1991 nach der Vereinigung als Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) fortgeführt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, betonte in seinem Grußwort den Verfassungsrang der Freiheit des Glaubens, des Gewissens, des religiös-weltanschaulichen Bekenntnisses als Fundament von Staat und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Der Präsident des DFW, Dr. Volker Mueller, verdeutlichte in seiner Ansprache, dass die humanistischen Ziele des DFW von 1949 unvermindert gelten, eine gütliche Trennung von Kirche und Staat entsprechend dem Verfassungsauftrag überfällig ist und die Verwirklichung der Glaubens- und Gewissensfreiheit stärker in den Vordergrund des DFW rückt. Renate Bauer, Landessprecherin der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz, betonte in ihrer Festansprache die enge Verknüpfung zwischen Geistesfreiheit und Menschenrechten. In einer pluralistischer werdenden Gesellschaft nimmt aber die Bedeutung der aus der Geistesfreiheit kommenden Grundwerte zu, insbesondere eine integrative Werteerziehung in der Schule. Diese Zusammenhänge deutlich zu machen und damit zu einem Wertekonsens über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg beizutragen, wird auch zukünftige Aufgabe des DFW bleiben.

Das Streichquartett der Musik- und Kunstschule Havelland umrahmte diese Feierstunde, die sich durch zukunftsgerichtete Programmatik auszeichnete.

Horst Prem, Vizepräsident