Leserbrief  „DER TAGESSPIEGEL“ , veröffentlicht Sonntag, 28.10.2001

Amt für Öffentlichkeitsarbeit des DFW -  Prof. Dr. -Ing. Helmut Kramer

RELIGIONSPLURALISMUS

Betrifft:  „Woran glaubt der Westen ?“ vom 21. Oktober 2001

 

Bernd Ulrich stellte in seiner Sonntags-Kolumne die Frage: „Woran glaubt der Westen?“ und konstatiert – mit Hinweis auf die Friedenspreis-Rede von Jürgen Habermas „Religion wird und darf nicht absterben.“ Das ist nicht neu, steht doch schon im GG Art. 4 (2) „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“. Religion bedeutet aber auch im Westen nicht nur Christentum. Der entscheidende Unterschied zum Gottesstaat, der eine einzige Religion zur Staatsreligion erhebt, besteht  im religiösen Pluralismus des säkularen Staates. Religion ist zur Sinnfindung unerlässlich, aber nicht als kollektive, sondern als private Angelegenheit. In den westlichen Demokratien wird der öffentlich Wille durch Mehrheiten und nicht durch Religionsführer bestimmt. Das gilt für das Christentum, den Islam und alle anderen Religionen gleichermassen.

Die Antwort auf die Titelfrage kann nur lauten: Der Westen glaubt an die Menschenrechte, die u.a. bekanntlich auf religiösen Pluralismus gegründet sind.

Prof. Dr.-Ing. Helmut Kramer, Hamburg