Freigeistige demokratische Traditionen der Jugendfeier/Jugendweihe

Die Jugendweihe bzw. Jugendfeier ist seit 150 Jahren in der Demokratie in Deutschland gewachsen und in den historischen Zeitabschnitten unterschiedlich ausgeprägt. Diese Traditionen des Initiationsritus werden in den Organisationen des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. (DFW) gepflegt und weiterentwickelt als Angebot für Menschen, die den freigeistigen und humanistischen Organistionen angehören, aber auch für Menschen, die es für sich und ihre Familien nutzen wollen. Wieder werden es im Jahr 2001 über 100000 Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland sein, die bei den verschiedenenTrägern an der Jugendweihe teilnehmen werden.

Die Wurzeln der Mitgliedsverbände des DFW reichen weit in die freigeistige und freireligiöse Bewegung in Deutschland und in Europa zurück, auch in Bezug auf die Jugendweihe. Es ist eine absurde, heute immer wieder anzutreffende Darstellung, dass die freigeistigen Verbände des DFW eine antireligiöse Politik betreiben würden und gar in der Nachfolge der SED-Politik standen. Dies entspricht nicht der historischen Wahrheit und ist unredlich. Wir treten in unseren Verbänden für die Umsetzung einer lebendigen Demokratie in Freiheit ein, dazu gehören die Achtung des Andersdenkenden und der Respekt vor den verschiedenen Religionen und Lebensanschauungen.

Die Jugendfeier bzw. Jugendweihe sind fester Bestandteil der kulturellen Tätigkeit der DFWMitgliedsverbände und anderer humanistischer Organisationen. Ihre Aktivitäten beziehen sich nicht allein auf die neuen Bundesländer, sondern auf alle Bundesländer. Sie geben den Menschen nichts vor, sondern machen ihnen Angebote. Es wird nicht missioniert und weder ein Bekenntnis zu einer Organisation, Politik noch einer Weltanschauung erwartet. Es ist die freie Entscheidung eines jeden Einzelnen, mit seiner Familie und seinen Freunden an der Jugendfeier und ihren Vorbereitungsveranstaltungen teilzunehmen.
Um so unverständlicher sind uns Anliegen und Herangehen des gerade gegründeten Berliner Vereins „Maiglocke e.V.“, der eine christlich orientierte Jugendweihe durchführen will. Den Menschen wird nicht die Wahrheit über die Absichten des Vereins und deren Hintergründe mitgeteilt. Der „Kampf“ der „Maiglocke" gegen die freie Entscheidung für eine Jugendfeierteilnahme, gegen einen selbstbestimmten Lebensweg auch in weltanschaulichen und ethischen Fragen und gegen eine weltliche Fest- und Feierkultur soll dazu dienen, der multikulturellen und säkularen Entwicklung gegenzusteuern, konservative Alternativen anzubieten und den Zulauf zur Jugendweihe in Deutschland zu verleumden.

Eine gesunde Konkurrenz ist gut, aber kein Kulturkampf. Dieser ist genau das Falsche in einer toleranten Demokratie für Deutschland in Europa und die Wahrung der Weltanschauungsfreiheit.