Bund für Geistesfreiheit begrüßt 
Entschuldigung des Vatikan 

„Aber den Worten müssen auch Taten 
(Entschädigungen) folgen“

Der Bund für Geistesfreiheit Bayern (bfg), mit knapp 5000 Mitgliedern die größte nichtreligiöse Weltanschauungsgemeinschaft, begrüßt die Entschuldigungserklärung des Vatikans, der sich am kommenden Sonntag von zahlreichen im Namen der Kirche begangenen Verbrechen gegenüber Andersdenkenden feierlich distanzieren will. 
Zu loben sei nicht nur die für katholische Verhältnisse überaus rasche Reaktion, die nur wenige Jahrhunderte nach den Untaten erfolge, sondern auch die damit verbundene Selbstkritik, mit der die „una sancta catholica" indirekt einräume, dass sie moralisch auch nicht besser oder schlechter als andere Institutionen sei. Der bfg hofft allerdings mit vielen Basis-Christen, dass der Vatikan sich weniger verklausuliert als bisher zu seiner Rolle bei der christlichen Judenverfolgung bekennt, der dem Nazi-Holocaust den Weg geebnet und die moralische Rechtfertigung dafür geliefert hat.
Pressesprecher Gerhard Rampp (Augsburg) wies allerdings darauf hin, dass solche Erklärungen erst ein (guter) Anfang seien. „Den Worten müssen nun auch Taten folgen. Es kann nicht angehen, dass sich die Kirchen vom Staat in Deutschland noch heute für Jahrhunderte zurückliegende Enteignungen, die teilweise nicht einmal vom weltlichen Staat ausgingen, Jahr für Jahr mit 115 Milliarden DM alimentieren lassen, selbst aber nicht daran denken, das von ihnen verursachte Unrecht wieder gutzumachen."
In diesem Zusammenhang empfahl der bfg den jüdischen Gemeinden in Deutschland, sich bei ihrem verständlichen Bemühen um zusätzliche Finanzquellen nicht an die hoch verschuldeten Kommunen und Länder zu wenden. sondern ihre Entschädigungsrechte gegenüber den beiden Kirchen einzufordern, deren Immobilienvermögen im Wert von heute jeweils über 50 Milliarden Mark zu einem geringen, aber in der Summe doch erheblichen Teil durch Beschlagnahmung von Vermögen aus Hexenprozessen und Judenpogromen zustande gekommen sei. „Eine Entschädigungsleistung von jeweils einer halben Milliarde DM stünde den deutschen Kirchen daher gut an und würde die Glaubwürdigkeit ihrer Entschuldigungen wesentlich erhöhen."