Bessere Absicherung von nichtehelichen Lebensgemeinschaften ist überfällig
„Kirchliche Morallehre ohne Verbindlichkeit für Andersdenkende“

Der Bund für Geistesfreiheit Bayern (bfg) hält eine bessere rechtliche Absicherung von Menschen für überfällig, die in eheähnlicher Gemeinschaft mit einem gleich- oder andersgeschlechtlichen Partner leben. Wer gemeinsam einen Haushalt führt, sollte steuerlich nicht benachteiligt werden. Noch wesentlich dringlicher ist aber eine Regelung im Erb- und im Unterhaltsrecht sowie beim Besuchsrecht im Krankheitsfalle, weil hier bisher krasse Ungerechtigkeiten vorgekommen sind, aus denen der Gesetzgeber nun endlich die Lehren zieht.

Ob eine Gleichstellung nichtehelicher mit ehelichen Lebensgemeinschaften in jedem Detail erforderlich ist, wird auch innerhalb des bfg unterschiedlich gesehen. Zu bedenken ist aber, dass der ursprüngliche Grund für den „besonderen Schutz von Ehe und Familie“ der Sicherung der Kinder galt. Inzwischen gibt es aber viele kinderlose Ehen und andererseits eine wachsende Zahl von allein erziehenden Müttern oder Vätern.

Der bfg kann sehr gut nachvollziehen, dass die katholische Bischofskonferenz mit der beabsichtigten Neuregelung der Bundesregierung nicht einverstanden ist. Wenn aber deren Vorsitzender der Bundesregierung „Unaufrichtigkeit und Hinterlist“ vorwirft (KNA vom 28.6.2000), vergreift er sich nicht nur im Ton, sondern vergisst, dass eine weltliche Regierung Gesetze vorschlägt, die nicht nur für Katholiken gelten. Schon die Protestanten sind hier z.T. ganz anderer Auffassung. Erst recht ist aber zu bedenken, dass heute nur noch je 32,5 Prozent der Bevölkerung katholisch bzw. evangelisch, jedoch schon 30 % konfessionsfrei, 3,5 % islamisch und 1,5 % andersgläubig sind (aktueller Stand, basierend auf den Daten vom 31.12.1998 nebst Hochrechnung). Die Bischöfe sollten demnach erst einmal dafür sorgen, dass wenigstens die katholische Minderheit ihre Morallehre befolgt. Für alle anderen Gruppen hat sie kein „Wächteramt", auch wenn sie dies noch so oft reklamiert.

Gerhard Rampp