150 Jahre Jugendweihe/Jugendfeier 
in Deutschland

Im Mai 1852 fand die erste Jugendweihe in Deutschland statt. Im damaligen preußischen Nordhausen führte der freireligiöse Prediger Eduard Baltzer, der Mitglied der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche war, unter dieser neuen Bezeichnung ein frei-geistiges Übergangsritual für 14-jährige durch. Sie gehörten keiner christlichen Kirche an. Die Jugendweihe war zugleich ein Abschied von der Kindheit in die Welt des Erwachsenwerdens und des sozialen Mitgestaltens. Von Anfang an standen demokratische Werte einer selbstbestimmten Welt- und Lebensanschauung, der freien Humanität und der Durchsetzung der Menschenrechte für alle im Vordergrund.

Nach vielen historischen Veränderungen und auch nach manchen Phasen des politischen Missbrauchs ist die Jugendweihe oder Jugendfeier in der heutigen Bundesrepublik Deutschland ein kulturell verwurzelter Initiationsritus für freigeistig-humanistisch eingestellte Jugendliche und ihre Familien. In würdiger weltlicher Festkultur werden die jungen Menschen in eine Lebenswelt aufgenommen, die durch Freiheit und Toleranz sowie durch selbstbestimmtes Denken und Handeln geprägt werden soll. Viele Formen und Möglichkeiten der Vorbereitung auf diesen Schritt in das eigene Leben werden durch die freien Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften heute realisiert. Gewiss werden bei den verschiedenen Vereinen in diesem Jahr wieder über 100000 Jugendliche an Jugendfeiern und Jugendweihen teilnehmen.
Der Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften e.V. wird gemeinsam mit der Interessenvereinigung für Jugendweihe und humanistische Jugendarbeit e.V. und dem Humanistischen Verband Deutschlands e.V. eine Festveranstaltung anlässlich des 150. Geburtstages der Jugendweihe durchführen. Sie wird am 4. Mai 2002 in Berlin stattfinden.

Volker Mueller