AMSTERDAMER ERKLÄRUNG 2002

Der Humanismus ist entstanden aus einer langen Tradition freien Denkens, das viele der weltgrößten Denker und kreativen Künstler inspiriert hat und der Wissenschaft selbst den Aufstieg brachte.

Die Grundlagen des modernen Humanismus sind die folgenden:

1. Humanismus ist ethisch. Er bejaht den Wert, die Würde und die Autonomie des Einzelnen und das Recht jedes menschlichen Wesens auf die mit den Rechten anderer vereinbare größtmögliche Freiheit. Humanisten tragen eine Verantwortung für die Menschheit, vor allem für künftige Generationen. Humanisten glauben, dass Moral ein Teil der inneren menschlichen Natur ist, die auf dem Verständnis und der Sorge um andere gründet und keiner äußeren Sanktionierung bedarf.

2. Humanismus ist rational. Er versucht, die Wissenschaft kreativ einzusetzen, nicht destruktiv. Humanisten glauben, dass die Lösungen für die Probleme der Welt eher im menschlichen Denken und Handeln liegen als in göttlicher Intervention. Humanismus befürwortet die Anwendung der Methoden der Wissenschaft und der freien Forschung auf die Probleme der menschlichen Wohlfahrt. Aber Humanisten glauben ebenfalls, dass die Anwendung der Wissenschaft und Technologie durch menschliche Werte gemildert werden muss. Die Wissenschaft gibt uns die Mittel, aber menschliche Werte müssen den Zweck vorgeben.

3. Humanismus unterstützt Demokratie und Menschenrechte. Humanismus zielt auf die größtmögliche Entwicklung eines jeden menschlichen Wesens zum Ziel. Er bleibt dabei, dass Demokratie und menschliche Entwicklung rechtliche Angelegenheiten sind. Die Prinzipien der Demokratie und der Menschenrechte können auf viele menschliche Beziehungen angewendet werden und sind nicht auf Verwaltungsverfahren beschränkt.

4. Humanismus besteht darauf, dass persönliche Freiheit mit sozialer Verantwortlichkeit kombiniert werden muss. Humanismus wagt es, eine Welt auf der Idee des freien Individuums aufzubauen, das der Gesellschaft gegenüber verantwortlich ist und unsere Abhängigheit von und unsere Verantwortlichkeit für die natürliche Umwelt erkennt. Humanismus ist undogmatisch und erlegt seinen Anhängern kein Glaubensbekenntnis auf. Er engagiert sich daher für eine Erziehung, die frei von Indoktrination ist.

5. Humanismus ist eine Reaktion auf die weitverbreitete Nachfrage nach einer Alternative zu dogmatischer Religion. Die größten Religionen der Welt beanspruchen für sich, auf Offenbarungen zu basieren, die für alle Zeiten feststehen, und viele versuchen, der gesamten Menschheit ihre Weltanschauungen aufzuzwängen. Humanismus erkennt, dass verlässliches Wissen über die Welt und uns selber durch einen kontinuierlichen Prozess von Beobachtung, Bewertung und Revision entsteht.

6. Humanismus schätzt künstlerische Kreativität und Vorstellungskraft und erkennt die gestaltende Kraft der Kunst an. Humanismus bekräftigt die Wichtigkeit von Literatur, Musik und der visuellen und darstellenden Künste für die persönliche Entwicklung und Erfüllung.

7. Humanismus ist eine Lebenseinstellung mit dem Ziel der größtmöglichen Erfüllung durch die Kultivierung eines ethischen und kreativen Lebens und bietet ethische und rationale Mittel an, um die Herausforderungen unserer Zeit anzusprechen. Humanismus kann für jeden und überall eine Art zu leben sein.

Unsere vorrangige Aufgabe ist es, Menschen auf die einfachste Art und Weise darauf aufmerksam zu machen, was Humanismus für sie bedeuten kann und wozu er sie verpflichtet. Indem wir freie Forschung, die Kraft der Wissenschaft und das kreative Vorstellungsvermögen für die Förderung des Friedens und im Dienste des Mitgefühls nutzen, haben wir das Vertrauen, dass wir über die Mittel verfügen, die Probleme zu lösen, vor denen wir alle stehen. Wir rufen alle auf, die diese Überzeugung teilen, sich uns in diesem Bemühen anzuschließen.

IHEU Congress 2002