Stammzellforschung in Deutschland

Das Präsidium des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) erkennt die Entscheidung des nationalen Ethikrates als Kompromiss zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen mit unterschiedlichen moralischen Auffassungen an, stellt aber fest, dass diese Entscheidung inkonsequent ist. Der BFGD versteht diese Aussage nicht als Kritik, sondern als Beginn einer notwendigen Diskussion in der Öffentlichkeit.
Die Forschung mit importierten Stammzellen zu erlauben, die Herstellung eigener Stammzelllinien aus überschüssigen Embryonen aber zu verbieten, ist inkonsequent. Es ist auch bei uns in Deutschland üblich, zur Verhütung eine Spirale zu benutzen. Diese Spirale verhindert die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter (Nidation) und tötet das 14 Tage alte Embryo. Was millionenfacher Alltag ist, soll in der Forschung verboten werden. Allein in Deutschland soll es aus ln-Vitro-Fertilisationen über 2000 überschüssige Embryonen geben, welche irgendwann vernichtet, also getötet werden müssen. Aus den aus ihnen entnommenen Zellen kann kein Mensch entstehen. Das Präsidium des BFGD fordert deshalb, dass

> die Bundesregierung das Anlegen von embryonalen Stammzellkulturen aus überschüssigen Embryonen auch in Deutschland ermöglicht. Diese müssen von den Eltem freigegeben sein, Regelungen vergleichbar einer Organspende sind zu treffen. Aufsicht führt eine Bundesbehörde.
> Iangfristig weltweit gültige Regeln geschaffen werden. Zuständige Organisation dafür könnte die Weltgesundheitsorganisation werden.

Die Frage, was Forschung darf oder nicht darf, kann nicht auf das „Wie?“ und „Mit was?“ beschränkt werden, sondern muss auch immer das „Für was?“ beantworten. So ist es unstrittig, dass reproduktives Klonen verboten ist. Der BFGD fordert die Bundesregierung auf, im Gesetzgebungsverfahren darauf zu achten, dass

> die Pränataldiagnostik nicht zum Routinecheck wird, sondern ein freiwilliges Angebot bleibt. Werdende Eltern sind auch vor gesellschaftlichem Druck, unbedingt ein gesundes Kind zur Welt bringen zu müssen, zu schützen. Eine unabhängige Beratung vor einer solchen Diagnostik ist zur Pflicht zu machen.
> ln-Vitro-Fertilisation nur aus wichtigen medizinischen Gründen angewandt werden darf. Eine Präimplantationsdiagnostik ist dann zulässig, schließt aber gentechnisches Design, die Optimierung menschlicher Fähigkeiten, Dispositionen und Eigenschaften aus.
> die Forschung an embryonalen Stammzellen der Verbesserung der Lebensqualität der Menschen dient. Dies beinhaltet die Entwicklung moderner gentechnischer Therapien zur Heilung von Krankheiten bis hin zum Organersatz.
> neu entwickelte Therapien und Heilverfahren zu Kostenreduzierungen im Gesundheitswesen führen.
> den Menschen ein physisch und psychisch harmonisches Leben ermöglicht wird. Dazu gehören auch gesunde biologische Nahrungsmittel, saubere Luft und klares Wasser, eine möglichst natürliche und vielfältige Umwelt.

Grundsätzlich gehören die Gene den Menschen. Die individuellen genetischen Dispositionen sind unter den Schutz des Grundgesetzes zu stellen. Ihre Weitergabe und Verwendung an Dritte (Arbeitgeber, Versicherungen) muss verboten sein. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn sie zur Gesunderhaltung des Betroffenen notwendig sind, seine freiwillige Zustimmung ist schriftlich zu dokumentieren.

Was Forschung darf oder nicht darf, bedarf der Transparenz, der öffentlichen Diskussion und des Widerstreites der Meinungen. Die Bundesregierung, gesellschaftliche Organisationen und Verbände, die Bürger sind gefordert, diese Aufgabe wahrzunehmen und zu fördern.