Stellungnahme des Bundes Freireligiöser
Gemeinden Deutschlands zur Rede des
Bundestagsabgeordneten Hohmann
am 3. Oktober 2003


Der BFGD – Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands – verwahrt sich gegen die Diffamierung freireligiöser und konfessionsloser Menschen und deren humanistisch begründeter Ethik durch den Politiker Hohmann in seiner Ansprache zum Nationalfeiertag.

Die Rede des Bundestagsabgeordneten Hohmann ist nicht nur Ausdruck eines latenten Antisemitismus, sondern ein breit gefasster Angriff, eine Diffamierung aller religionskritischen, nichtchristlich orientierten Menschen.
Ihnen nämlich legt Hohmann die Verbrechen des vergangenen Jahrhunderts zur Last. Dieser wesentliche Aspekt blieb in der bisherigen öffentlichen Diskussion weitgehend unerwähnt. Hohmann sagte: „Daher sind weder ‘die Deutschen’ noch ‘die Juden’ ein Tätervolk. Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts.“

Freie Religion, die ihren Glauben heute ohne einen Bezug auf Gott, zumal einen Schöpfergott formuliert, muss sich durch die Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Hohmann zutiefst gekränkt und marginalisiert vorkommen. Das kann aber nicht das Ziel einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschichte sein, wie sie an einem Nationalfeiertag durchaus angebracht erscheint. Unsere Auseinandersetzung mit Geschichte und die Schlussfolgerungen für die aktuelle Politik müssen auf Integration setzen, nicht auf Ausgrenzung, auf sachliche Bewertung, nicht auf ideologisch begründete Diffamierung. Wir brauchen eine Kultur der Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden, nicht der Intoleranz, Verunglimpfung und Aufhetzung.

Gerade für unsere Politiker, die gesellschaftliche Vorbildfunktion haben, sollte es selbstverständlich sein, Achtung vor dem Glauben oder Nichtglauben des anderen zu haben, weil Glaube immer eine persönliche Angelegenheit ist und nie als absolut gesetzt werden kann.

Nicht pauschalisierende Anschuldigungen, sondern sachliche Auseinandersetzung und geschichtliche Aufarbeitung sind die Voraussetzungen, politische Entwicklungen und historische Dimensionen aufzuklären.

Dem andersglaubenden oder dem nichtgläubigen Menschen dabei von vornherein jede Moral und Ethik und damit jede Fähigkeit zu ethischem Handeln abzusprechen, wie dies Hohmann getan hat, ist daher nicht nur beleidigend, missachtend und ungeheuerlich, sondern gesellschaftliche brandschatzend und gefährlich, weil es genau die verleumderischen Strukturen und Denkschemata aufgreift und bedient, die die Verbrechen des 20. Jahrhunderts erst möglich gemacht haben. Daher wird der BFGD mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln solchen Äußerungen immer widersprechen. Für uns Freireligiöse trägt jeder Mensch, unabhängig von seinem Glauben, unabänderlich das Gesetz der Moral in sich: sein Gewissen.

Sorgen wir dafür, dass jeder diese moralische Instanz in sich entdecken, wach halten und ihr gemäß sein Handeln in der Welt ausrichten kann, mit oder ohne Gott.

Rainer Schrauth
(BFGD-Präsident)