Gedenken zum 60. Todestag von Max Sievers

Kürzlich haben sich die Freidenker Brandenburgs und die Freireligiöse Gemeinde Berlin vor dem Krematorium Wedding in der Berliner Gerichtstraße zu einer Gedenkveranstaltung für Max Sievers versammelt.

Der 1887 in Tempelhof bei Berlin geborene Max Sievers war ein ausgeprägt politischer Mensch. Wie alle Menschen geriet auch er nach dem Ersten Weltkrieg in den Strudel der chaotischen Ereignisse. Mit Ernst Däumig und Adolph Hoffmann gemeinsam versuchte er in den Reihen der USPD, die Novemberrevolution zur Räterepublik zu führen. Aber der Reichsrätekongress, der Rat der Volksbeauftragten und die Nationalversammlung in Weimar gaben dem Geschehen eine andere Richtung.
Am ersten Oktober 1922 übernahm Max Sievers die Stelle eines Sekretärs/Geschäftsführers beim Verein der Freidenker für Feuerbestattung, der sich deutschlandweit entwickelte und bald 200000 Mitglieder hatte. Die Feuerbestattung, die Max Sievers propagierte, gab den einfachen Arbeitern und Angestellten die Chance, ihre verstorbenen Angehörigen in Würde und vor allem bezahlbar bestatten zu können. Das wurde durch die Pfennigbeiträge und kluges Management erreicht. Die von Sievers 1923 herausgegebene Broschüre „Was ist Feuerbestattung?“ musste 1925 in einer zweiten Auflage erscheinen. Max Sievers konnte diese Einrichtung bis 1933 so erfolgreich führen, dass die Mitgliederzahl sich auf 600000 bewegte. Aus dem Verein war der Deutsche Freidenkerverband geworden und Max Sievers ihr gewählter, mit Procura ausgestatteter Vorsitzender. Als die Nazis 1933 den Verband zerschlugen, konnte Max Sievers dank Procura die Gelder des Verbandes vor deren Zugriff ins Ausland schaffen.
Als der Zweite Weltkrieg das Netz der Gestapo über Europa ausdehnte, wurde auch Max Sievers verhaftet. Der gegen ihn angestrengte Prozess förderte als Beweismaterial auch Papiere zutage, in denen sich Max Sievers Gedanken zu einem Deutschland nach dem Krieg und natürlich ohne die Nationalsozialisten machte. Max Sievers wurde am 17. Januar 1944 in Brandenburg unter dem Fallbeil hingerichtet.

Anke Reuther
Freireligiöse Gemeinde Berlin