Ludwig Feuerbach - ein großer Humanist und Philosoph

Ludwig Andreas Feuerbach wurde am 28. Juli 1804 in Landshut als einer von fünf Söhnen des berühmten Rechtstheoretikers und -lehrers Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach geboren, der im absolutistischen Bayern das moderne Strafrecht begründet und das Rechtswesen reformiert hatte.

Feuerbach starb am 13. September 1872 im Dorfe Rechenberg bei Nürnberg. Auf der Höhe seines wissenschaftlichen Ruhmes wurde Feuerbach mit seinem Hauptwerk „Das Wesen des Christentums“ 1841 sowie seinen „Vorläufigen Thesen zur Reformation der Philosophie“ 1842 und seinen „Grundsätzen der Philosophie der Zukunft“ 1843 zu einem der bedeutendsten Vertreter des philosophischen und freigeistigen Fortschritts im Deutschland des Vormärz.

Seine große historische Leistung, die er in diesen Schriften vollbrachte, besteht darin, die Philosophie nach einer mehr als 100jährigen Herrschaft der spekulativen, idealistischen Philosophie in Deutschland wieder auf den Boden der Realität gestellt und auf ein bis dahin nicht dagewesenes Niveau gehoben zu haben. Er enthüllte den theologischen Kern einer jeden idealistischen Philosophie und trieb eine wissenschaftliche Religionskritik voran.

Gegenstand seiner philosophischen Kritik waren das Wesen des Christentums, d. h. die christliche Religion und - als Konsequenz ihres Wesens - die christliche Theologie und Philosophie mit dem Hauptakzent auf der spekulativen Identitätsphilosophie Hegels. Das Prinzip, das seiner philosophischen Kritik zugrunde liegt und dieselbe leitet, ist der Materialismus - ein philosophisches Denken, das seine Gedanken mittels der Sinnentätigkeit auf Materialien und Gegenstände gründet, die außerhalb des menschlichen Bewusstseins existieren. Das Ergebnis seiner philosophischen Kritik ist die Erkenntnis, dass nicht Gott oder nichts Göttliches das höchste Wesen für den Menschen ist, sondern der Mensch selbst. Namentlich durch seine Entschlüsselung der gnoseologischen Wurzeln der Religion hat Feuerbach - nach dem Eingeständnis des bedeutenden Vertreters der modernen protestantischen Theologie, Karl Barth - einen „ Pfahl ins Fleisch der Theologie“ gerammt. Feuerbachs Religionskritik repräsentiert in der neueren Geschichte der Philosophie und Wissenschaft die radikalste Absage an das Christentum und die sie rechtfertigende Theologie und Philosophie.

Die in diesem Rahmen der philosophischen Kritik von Feuerbach vorgetragenen Argumentationen über das Verhältnis von Philosophie und Naturwissenschaft, besonders gegen theologische Interpretationen weltanschaulicher Fragen der modernen Naturwissenschaften, sowie gegen eine Vermischung von Glaube und Wissenschaft sind von bleibender Aktualität.

Seine philosophische Kritik am Christentum und deren Theologie war für Feuerbach zeit seines Lebens untrennbar mit seinem Kampf für Recht und Wahrheit verbunden. Er lebte Unbeugsamkeit vor den Kräften der Reaktion, unerschütterliches Eintreten für die Wissenschaft, gegen Scheinwissenschaft und Aberglaube, Verbundenheit mit den einfachen Menschen und Glauben an die Kraft des Volkes vor. Tausende Arbeiter umstanden das Grab Ludwig Feuerbachs, als dieser am 15. September 1872 auf dem Nürnberger Johannisfriedhof zur letzten Ruhe gebettet wurde, und bekannten sich zu ihm als Humanisten und Philosophen.

 

Dr. Peter Jäckel/ Dr. Volker Mueller